Niedrigwasser stoppt Donau-Kreuzfahrten in Budapest
Der wegen Hitze und anhaltender Trockenheit stark gesunkene Wasserstand der Donau hat den Verkehr von Flusskreuzfahrtschiffen im Raum Budapest weitgehend lahmgelegt. Nach Angaben von Lilla Lassu, Vizepräsidentin des ungarischen Verbands der Incoming-Unternehmen, kommt derzeit kein Schiff weiter als bis nach Komarom, einem Donauhafen rund 120 Kilometer oberhalb der ungarischen Hauptstadt.
Dort müssen Reisende ihre Fahrt unterbrechen und in Busse umsteigen. Diese bringen sie entweder zu geplanten Ausflügen oder direkt zum Flughafen in Budapest. Dem ungarischen Verkehrsministerium zufolge liegen aktuell sieben internationale Hotelschiffe im Hafen von Komarom fest.
Am Donnerstagmorgen wurde der Pegel der Donau in Budapest von der Landeswasserdirektion mit nur noch 23 Zentimetern angegeben. Der bisherige Tiefstwert war erst am Sonntagabend mit 9 Zentimetern gemessen worden.
Kreuzfahrtschiffe in Budapest können nicht weiterfahren
Auch an den Anlegestellen in Budapest selbst liegen weiterhin Flusskreuzer. Sie hatten die Stadt noch vor dem drastischen Absinken des Wasserstands erreicht und können nun vorerst nicht weiterfahren. Zwar werden in den kommenden Tagen Niederschläge erwartet, doch nach Einschätzung der Landeswasserdirektion dürfte das nicht reichen, um die Donau in Budapest wieder für die Schiffe passierbar zu machen.
Aus einem Felsen wird eine Insel
Das extreme Niedrigwasser macht inzwischen sogar Brückenpfeiler sichtbar und verändert das Flussbett. So entstehen an mehreren Stellen kleine Inseln. Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit der sogenannte Hungerfelsen nahe der Freiheitsbrücke. Die sonst nur bei niedrigem Pegel auftauchende Steinformation ist momentan so weit freigelegt, dass sie wie eine kleine Insel aus dem Fluss ragt. Einheimische und Besucher nutzen die Gelegenheit, um sie zu betreten.

Seinen Namen verdankt der Hungerfelsen früheren Jahrhunderten: Damals mahlten Mühlen am Donauufer das Mehl für die Versorgung der Stadt. Wenn der Felsen sichtbar wurde, war das ein Zeichen dafür, dass der Wasserstand nicht mehr ausreichte, um die Mühlen zu betreiben. Fehlendes Mehl bedeutete damals oft Hunger und Not.
Auch der Balaton leidet unter der Trockenheit
Nicht nur die Donau ist betroffen. Auch der Plattensee, der Balaton, kämpft mit außergewöhnlich niedrigem Wasserstand. Medienberichte zeigen Segelboote und Jachten, die am Ufer festliegen und wegen des flachen Wassers nicht mehr auslaufen können.
Der Balaton ist selbst unter normalen Bedingungen mit durchschnittlich 3,2 Metern eher flach. Derzeit sollen es laut dem Nachrichtenportal 444.hu nur noch 54 Zentimeter sein. Wer dort etwa 50 Meter ins Wasser hinausgeht, stehe vielerorts noch immer nur knöcheltief im See. Sogar Tretboote bleiben mancherorts ungenutzt im Uferschlamm stecken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber