Mit regelmäßigen Fragen zu Beschwerden, Alltag und seelischem Befinden lässt sich die Lebensqualität von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Berliner Charité und der Deutschen Krebsgesellschaft, die im Fachjournal JAMA Oncology veröffentlicht wurde.
App meldet Veränderungen direkt an das Behandlungsteam
Im Zentrum des Projekts PRO B (Patient Reported Outcomes bei Brustkrebs) steht die App ida care. Frauen mit metastasiertem Brustkrebs beantworteten darin einmal pro Woche strukturiert bis zu 52 Fragen zu Symptomen, ihrer Alltagsbelastung und ihrer emotionalen Lage. Ein Algorithmus analysierte die Angaben und informierte das Behandlungsteam sofort über auffällige Veränderungen. Anschließend wurden die Patientinnen innerhalb von 48 Stunden kontaktiert, um zu klären, ob medizinische Schritte nötig sind.
Engmaschigere Begleitung zwischen Klinikterminen
Studienleiterin Maria Karsten, leitende Oberärztin am Brustzentrum der Charité, betonte, dass die App eine fortlaufende Beobachtung von Beschwerden ermögliche, die durch Krankheit oder Therapie entstehen. Das Team könne so auch ohne persönlichen Termin erkennen, wie es den Betroffenen gehe. Eine Patientin habe das System laut Karsten als „eine Ärztin in der Handtasche“ beschrieben.
Gerade weil zwischen zwei Klinikbesuchen oft viele Wochen oder sogar mehrere Monate liegen, entstünden in der Versorgung Lücken. Das digitale Monitoring könne diese schließen und den medizinischen Blick auf den Verlauf deutlich verbessern.
Beschwerden werden früher erkannt
Nach Angaben der Forschenden lassen sich durch die App Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Atemnot oder Schmerzen früher feststellen. Gleichzeitig würden Patientinnen und Behandelnde stärker dafür sensibilisiert, Veränderungen ernst zu nehmen und genauer hinzuschauen. Auch angepasste Therapien hätten dazu beigetragen, dass sich Beschwerden spürbar besserten. Das erleichtere vielen Frauen den Alltag.
Studie mit 909 Patientinnen
An der Untersuchung nahmen 909 Frauen im Alter von 19 bis 81 Jahren teil, die über ein Jahr hinweg in 52 Brustkrebszentren betreut wurden. Etwa die Hälfte erhielt zusätzlich zur medikamentösen Krebstherapie die PRO-B-Begleitung. Diese Patientinnen berichteten über deutlich weniger Fatigue, also körperliche, emotionale oder geistige Erschöpfung, die den Alltag stark beeinträchtigen kann.
Start in die reguläre Versorgung geplant
Karsten rechnet damit, dass das digitale Monitoring schon bald in der regulären Versorgung eingesetzt wird. Der Einstieg sei für das letzte Quartal des Jahres geplant. Das Innovationsfonds-Projekt wurde gemeinsam mit den Krankenkassen Barmer, DAK-Gesundheit und mkk umgesetzt. Gespräche mit weiteren Kassen laufen.
Auch der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses bewertet das appgestützte Monitoring positiv. Nach Einschätzung des Gremiums kann es helfen, eine Verschlechterung des Allgemeinzustands rasch zu erkennen und zugleich Kosten zu senken. Deshalb wurde empfohlen, das Konzept künftig allen gesetzlich Versicherten zugänglich zu machen.
Metastasierter Brustkrebs bleibt nicht heilbar
Nach Angaben der Charité leben in Deutschland rund 68.000 Frauen mit metastasiertem Brustkrebs. In diesem Stadium gilt die Erkrankung als nicht heilbar. Moderne Therapien können den Krebs jedoch zumindest zeitweise kontrollieren und die Lebenserwartung um mehrere Jahre verlängern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber