In Deutschland sind 2026 bislang deutlich weniger Tornados registriert worden als im langjährigen Mittel. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden bis Ende September bundesweit nur 31 Tornados bestätigt.
Der DWD-Tornadoexperte Marcus Beyer erklärte, im Vergleich zum durchschnittlichen Jahreswert von 49 bestätigten Tornados sei damit noch viel Abstand nach oben. Besonders auffällig war das Jahr 2006, in dem insgesamt 121 Tornados nachgewiesen wurden.
Fehlende Wetterlagen
Als Hauptursache nennt der DWD das Ausbleiben günstiger Wetterbedingungen. Für die Entstehung eines Tornados braucht es warme und feuchte Luft in Bodennähe, darüber kältere Luft sowie eine ausgeprägte Windscherung. Das bedeutet, dass der Wind mit zunehmender Höhe stärker wird und zugleich seine Richtung ändert.
Genau diese Konstellation trat 2026 nur selten auf. Zudem zeigt ein Blick in die DWD-Daten, dass Jahre mit besonders wenigen Tornados häufig von starker Trockenheit geprägt sind. Die aktivste Tornado-Zeit in Deutschland liegt normalerweise zwischen Mai und September, danach werden solche Ereignisse deutlich seltener.
Niedersachsen vorne
Die meisten Tornados wurden in diesem Jahr in Niedersachsen gezählt, dort waren es neun. Es folgt Hessen mit acht Fällen. Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Thüringen kamen jeweils auf drei Tornados. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Baden-Württemberg verzeichneten jeweils einen. Für Sachsen-Anhalt, Bayern und das Saarland wurde kein Tornado bestätigt.
Auffälliger 19. August
Bemerkenswert war vor allem der 19. August: An diesem einen Tag traten 17 der insgesamt 31 Tornados auf. Der erste Tornado des Jahres wurde am 3. Juni nahe Borkum beobachtet. Dabei handelte es sich um eine Wasserhose, also einen Tornado über dem Wasser.
Als besonders eindrucksvoll galt zudem die Wasserhose vom 1. Juli am Bodensee, die laut Beyer außergewöhnlich fotogen war. Am 26. Juli brachte außerdem eine einzelne Gewitterzelle bei Cuxhaven gleich drei Tornados hervor.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber