Wetter

Flüsse so leer wie seit über 30 Jahren nicht

Europas Flüsse trocknen aus, die Meere kochen: Was der Hitzesommer wirklich angerichtet hat, ist alarmierend.

02.10.2026, 04:00 Uhr

Die Flüsse in Europa haben im Sommer so wenig Wasser geführt wie nie seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1992. Das geht aus einer aktuellen Bilanz des EU-Klimadienstes C3S hervor. Gleichzeitig lagen auch die Temperaturen der Meere rund um den Kontinent deutlich über dem Üblichen.

Vor allem im Juli und August wurden an großen Strömen wie Rhein, Donau, Po, Loire, Rhône und Seine neue oder fast neue Negativrekorde beim Abfluss gemessen. Dadurch stieg der Druck auf Bewässerung, die Kühlung von Kernreaktoren, die Wasserkraft, die Verfügbarkeit von Süßwasser und das Energiesystem insgesamt. Nach Einschätzung des Copernicus-Programms zeigt sich daran, wie eng Klimaveränderungen und geopolitische Fragen wie die Energiesicherheit miteinander verknüpft sind.

Auch in den Meeren wurden auffällige Werte registriert. Entlang weiter Teile der Atlantikküste sowie im westlichen und zentralen Mittelmeer erreichten die Oberflächentemperaturen Rekord- oder Beinahe-Rekordniveau. Begleitet wurde dies von starken bis teils außergewöhnlichen marinen Hitzewellen. Solche Phasen können laut C3S die Hitze in Küstengebieten zusätzlich verschärfen, weil sie die nächtliche Abkühlung bremsen und die Luftfeuchtigkeit erhöhen.

Für ganz Europa war es den Daten zufolge der drittwärmste Sommer seit Messbeginn, in Westeuropa sogar der heißeste. Dort lag die Durchschnittstemperatur bei 21,7 Grad und damit 2,5 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Bis zum Ende des Sommers war ein Rekordanteil von 52 Prozent der Fläche Europas einer sehr starken Hitzebelastung ausgesetzt, was einer gefühlten Temperatur von mindestens 38 Grad entspricht.

Auffällig waren nicht nur die hohen Werte, sondern auch die Dauer und räumliche Ausdehnung der Hitze. An 17 Tagen lagen in mindestens 60 Prozent Westeuropas die Temperaturen über 30 Grad. Zum Vergleich: 2003 waren es 11 Tage, 2025 nur 7.

Die anhaltende Trockenheit zusammen mit mehreren Hitzewellen führte außerdem zu einer außergewöhnlich schweren Waldbrandsaison. Bis zum 2. September war in der EU fast doppelt so viel Fläche verbrannt wie im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025. Besonders stark betroffen waren Spanien und Frankreich. Millionen Menschen waren durch den Rauch einer gefährlichen Luftverschmutzung ausgesetzt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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