Prozess um mutmaßlichen Drogenhandel in Münchner Gefängnis
Vor dem Landgericht München I hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Drogenring in der JVA München-Stadelheim begonnen. Angeklagt sind ein ehemaliger muslimischer Gefängnisseelsorger und vier weitere Männer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln vor. Im Zentrum der Vorwürfe steht der Vertrieb von „Spice“, einem synthetischen Cannabinoid. Gegen den früheren Seelsorger steht zusätzlich der Vorwurf der Bestechlichkeit im Raum.
Drogen sollen über präparierte Briefe ins Gefängnis gelangt sein
Nach Darstellung der Ermittler wurde kariertes DIN-A4-Papier mit dem Wirkstoff getränkt, anschließend beschrieben und als unauffällige Post in die Haftanstalt geschickt. Teilweise sollen die Sendungen als Liebesbriefe oder sogar als Anwaltspost getarnt worden sein.
In einem Schreiben soll etwa gestanden haben: „Ich habe mitbekommen, dass du im Knast bist. Mach dir keinen Kopf. Alles wird gut.“ Entscheidend sei aber nicht der Text gewesen, sondern die mit der Substanz behandelten Seiten. Kariertes Papier habe sich laut Anklage besonders gut geeignet, weil sich die Droge mithilfe der Kästchen leicht portionieren ließ. Eine solche Seite soll rund 400 Euro eingebracht haben.
Absprachen wohl über eingeschmuggelte Handys
Die mutmaßlichen Drogengeschäfte sollen nach Angaben der Anklage auch über Mobiltelefone organisiert worden sein, die verbotenerweise in die JVA gelangten. Diese Geräte soll ausgerechnet der damalige muslimische Seelsorger eingeschleust haben. Bei seinen Besuchen sei er nicht kontrolliert worden.
Der 37-Jährige räumte vor Gericht ein, Handys in die Haftanstalt gebracht zu haben. Als Gründe nannte er hohe Schulden, unter anderem aus dem BAföG, sowie finanzielle Probleme wegen seines aus seiner Sicht zu geringen Gehalts beim Freistaat Bayern. Zudem habe er unter Burn-out gelitten und sich stark überlastet gefühlt, weil er nach eigenen Angaben allein für rund 600 muslimische Gefangene zuständig gewesen sei.
Angeklagter verweist auch auf Kosten für Abnehmspritzen
Der frühere Seelsorger sagte außerdem, auch die Finanzierung teurer Abnehmspritzen habe eine Rolle gespielt. Wegen seines starken Übergewichts habe er diese Mittel genutzt und bezahlen wollen. Er schilderte seine Situation als Mischung aus Schlaflosigkeit, Stress, Burn-out und gesundheitlicher Belastung.
Den Vorwurf, wissentlich einen mit Drogen versetzten Brief in die JVA gebracht zu haben, wies er jedoch zurück. Er habe angenommen, es handle sich lediglich um einen „Sexbrief“ mit Fotos und obszönem Inhalt.
Weitere Geständnisse zum Prozessauftakt
Zum Auftakt des Verfahrens räumten auch zwei weitere Angeklagte ihre Beteiligung an den Drogengeschäften ein. Die beiden übrigen Beschuldigten ließen über ihre Verteidiger erklären, dass sie sich noch äußern wollen. Einer der geständigen Angeklagten erklärte, er habe vor allem seinem inhaftierten Bruder die Zeit im Gefängnis erleichtern wollen und ihm deshalb Drogen besorgt.
Für das Verfahren hat das Landgericht bis Ende Oktober insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber