Berlin

Bahn macht dicht: Berlin-Lehrte 14 Monate gesperrt

14 Monate dicht: Die Mega-Sperrung der Bahnstrecke Berlin-Lehrte trifft Pendler hart. Was jetzt auf Reisende zukommt

02.10.2026, 04:30 Uhr

Bahn sperrt Strecke Berlin–Hannover für rund 14 Monate: Was sich für Reisende und Pendler ändert

Seit heute lässt die Deutsche Bahn die rund 230 Kilometer lange Verbindung zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover grundlegend sanieren. Die wichtige Ost-West-Achse wird dafür bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027 vollständig gesperrt. Weil die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn nicht rechtzeitig elektrifiziert wird, müssen sämtliche Fernzüge zwischen Berlin und Hannover während der gesamten Bauzeit über Braunschweig und Magdeburg fahren. Für Fahrgäste und Pendler bedeutet das spürbare Einschränkungen.

Wann beginnt die Sperrung und wie lange dauert sie?

Die Strecke wird am frühen Morgen außer Betrieb genommen und soll voraussichtlich bis Mitte Dezember 2027 komplett gesperrt bleiben. Bevor die eigentlichen Arbeiten starten, müssen zunächst die Oberleitungen abgeschaltet, geerdet und abgebaut werden.

In den kommenden 14 Monaten will die Bahn dann Hunderte Kilometer an Weichen, Gleisen und Oberleitungen erneuern. Außerdem sollen mehr als zwei Dutzend Bahnhöfe modernisiert werden. Besonders aufwendig ist die Erneuerung von mehr als 50 Kilometern Betonfahrbahn vor und hinter Stendal.

Nach Abschluss der Arbeiten soll der Verkehr auf dem Korridor zuverlässiger und pünktlicher laufen. Dass dies nicht sofort klappt, zeigen frühere Generalsanierungen. So lief der Verkehr etwa nach den Bauarbeiten zwischen Hamburg und Berlin zunächst noch unzuverlässig, weil sich der Betrieb erst wieder einspielen musste.

Wie verkehren die Fernzüge zwischen Berlin und Hannover?

Alle Fernzüge zwischen Berlin und Hannover werden während der Sperrung über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet. Magdeburg erhält dadurch drei zusätzliche ICE-Verbindungen in Richtung Hannover und Nordrhein-Westfalen.

Dafür entfallen zunächst bis mindestens Ende des Jahres die Fernverkehrshalte in Wolfsburg und Stendal. Ob das auch im kommenden Jahr so bleibt, stimmt die Bahn nach eigenen Angaben noch ab. Vor allem für viele Pendlerinnen und Pendler ist das ein großes Ärgernis.

Die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover verlängert sich durch die Umleitung um rund 80 Minuten auf etwa 180 Minuten. Pro Richtung sollen tagsüber in jedem Zwei-Stunden-Zeitraum jeweils drei Fernzüge unterwegs sein. Betroffen sind auch die Verbindungen zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen. Wer zum Beispiel nach Düsseldorf reist, muss künftig mit mindestens fünfeinhalb Stunden Fahrzeit rechnen.

Ursprünglich war geplant, den Fernverkehr nur bis Ende dieses Jahres großräumig umzuleiten. Danach sollten die Züge über die Lehrter Stammbahn fahren, die derzeit elektrifiziert wird. Weil sich diese Arbeiten jedoch deutlich verzögern, steht die Strecke auch im kommenden Jahr nicht als Ausweichroute zur Verfügung.

Welche Folgen hat das für den Regionalverkehr?

Auch im Nahverkehr kommt es zu deutlichen Einschränkungen, besonders in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Bahn kündigt ein "verlässliches Grundangebot" an.

Regionalzüge sollen etwa zwischen Nauen und Stendal über Wittenberge fahren. Zwischenhalte wie Rathenow werden allerdings nur durch Ersatzbusse angebunden. Auch Fahrgäste, die von Stendal weiter nach Wolfsburg wollen, müssen auf Busse ausweichen. Informationen zu Linien und Taktungen veröffentlicht die Bahn online.

Warum dauert die Sperrung so lange?

Die Arbeiten auf der Strecke Hannover–Berlin sind Teil des Programms der sogenannten Generalsanierungen. Bahn und Bund wollen damit bis weit in die 2030er Jahre mehr als 40 stark belastete Korridore umfassend modernisieren, um das überalterte Streckennetz schrittweise zu erneuern.

Damit die Maßnahmen gebündelt erledigt werden können, werden die betroffenen Strecken jeweils komplett gesperrt. Bei anderen großen Projekten, etwa auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim oder auf der Strecke Hamburg–Berlin, dauerten die Sperrungen allerdings nur rund ein halbes Jahr.

Dass die Sperrung zwischen Berlin und Hannover deutlich länger dauert, liegt vor allem am Bereich um Stendal. Dort müssen mehr als 50 Kilometer fest verbaute Betonfahrbahn erneuert werden. Dafür müssen zehntausende Tonnen Betonplatten herausgerissen und neu verlegt werden. Solche Abschnitte gab es laut Bahn auch bei anderen Sanierungen, allerdings in deutlich geringerem Umfang.

Was passiert bei der Digitalisierung?

In der Vergangenheit wurde die Bahn dafür kritisiert, längere Sperrungen nicht konsequent für die Digitalisierung zu nutzen. Im Mittelpunkt steht dabei das digitale Zugsicherungssystem ETCS.

Auch auf der Strecke Berlin–Hannover wird nun nur ein Teil digital vorbereitet. Nach Angaben der Bahn werden lediglich 6 von 25 Stellwerken entlang des Korridors digitalisiert und für ETCS vorbereitet. Die übrigen Stellwerke sollen erst in den 2030er Jahren folgen. Damit bleibt auch nach der Wiederinbetriebnahme Ende 2027 auf weiten Teilen zunächst die alte Signaltechnik im Einsatz.

Warum stehen die Pläne in der Kritik?

Vor allem der Wettbewerberverband Die Güterbahnen kritisiert das Konzept der Generalsanierungen seit Jahren. Güterzüge müssten wegen der Sperrungen häufig noch längere Umwege fahren als Fernzüge. Zudem bemängelt der Verband, dass Umleitungsstrecken nicht ausreichend vorbereitet und die Maßnahmen nicht gut genug mit der Branche abgestimmt seien.

Kritik kam zuletzt auch aus dem Verkehrsministerium. Hintergrund sind Probleme und Verzögerungen bei mehreren Sanierungsprojekten in diesem Jahr. So wurde die lange Baustelle auf der Strecke Hamburg–Berlin erst mit sechs Wochen Verspätung abgeschlossen, und auch danach lief der Fernverkehr dort zunächst nicht zuverlässig.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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