Jürgen Klopp nahm Florian Wirtz nach dem ersten Sieg als Bundestrainer sichtlich zufrieden in den Arm. Beim souveränen 2:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien in der Nations League war der Offensivspieler des FC Liverpool einer der prägenden Akteure. Vor dem Führungstreffer setzte er mit einer starken technischen Aktion und einem Pfostenschuss das Signal, das zweite Tor erzielte er selbst. Genau so wünschen sich Fans und Trainer den Ausnahmekönner.
In Joshua Kimmichs Heimstadion gelang Deutschland der erste Erfolg unter Klopp ausgerechnet ohne den Kapitän. Dafür funktionierte das Mittelfeld mit den beiden jungen Bayern-Profis Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof sowie Wirtz davor so harmonisch und wirkungsvoll, wie es sich der Bundestrainer in seinem bevorzugten 4-3-3 dauerhaft vorstellt.
Klopp bremst sofort die Kimmich-Debatte
Klopp wollte nach dem Abpfiff aber gar nicht erst eine Diskussion darüber aufkommen lassen, was dieses Trio nun für Kimmichs Rolle bedeuten könnte. Aus seiner Sicht soll aus dem gelungenen Abend keine neue "Jo-Kimmich-Geschichte" gemacht werden. Er betonte, dass es nicht nur in dieser Besetzung funktionieren könne – gegen Serbien habe es in genau dieser Konstellation allerdings sehr gut gepasst.
Besonders angetan war Klopp vom Auftreten seiner Mannschaft gegen den nominell schwächsten Gruppengegner. Vor allem das Gegenpressing gefiel ihm. Die deutschen Spieler attackierten Serbien nach Ballgewinnen immer wieder sofort und aggressiv. Im Zentrum des Spiels trugen Bischof, Pavlovic und Wirtz entscheidend dazu bei.
Ihr auffälligstes Gemeinschaftswerk war das 1:0: Pavlovic leitete die Szene mit einem feinen Volley-Pass ein, Wirtz nahm den Ball stark mit und setzte sich mit einem Haken durch, traf dann aber zunächst den Pfosten. Den Abpraller jagte Bischof schließlich mit viel Wucht zu seinem ersten Länderspieltor ins Netz.
Wirtz setzt auch als Kapitän ein Zeichen
Klopp lobte Wirtz nach der Partie ausdrücklich. Mit Blick auf dessen starken Auftritt sagte er, in Liverpool dürften heute wohl alle sehr glücklich über diese Leistung sein. Seiner Einschätzung nach hätten die Verantwortlichen und Fans dort einen Spieler gesehen, der vor Spielfreude sprühe und gleichzeitig enorm hart gearbeitet habe.
Für Wirtz war es im 47. Länderspiel eines der stärksten Spiele im DFB-Trikot. Er war am ersten Treffer direkt beteiligt, erzielte das 2:0 selbst und übernahm nach der Pause und der Auswechslung von Serge Gnabry erstmals sogar kurzzeitig Verantwortung als Kapitän.
Der 23-Jährige verriet anschließend auch, was Klopp ihm vor dem Spiel mitgegeben hatte: Er solle wieder den Fußball zeigen, den man von ihm kenne. Genau das setzte der Offensivmann um, auch wenn er die Entwicklung vorsichtig einordnete. Es gehe auf jeden Fall in die richtige Richtung, sagte Wirtz. Den Sieg bewertete er zudem als wichtiges Signal: Er tue der Stimmung in der Mannschaft gut und zeige nach außen, dass Deutschland weiterhin über starke Fußballer verfüge und eine bedeutende Fußballnation sei.
Auch seine Mitspieler waren beeindruckt. Serge Gnabry fasste den Auftritt mit nur einem Wort zusammen: „Wahnsinn.“ Bischof schwärmte ebenfalls von Wirtz und bezeichnete ihn als außergewöhnlich starken Fußballer mit einem herausragenden Spielverständnis.
Bischof erlebt einen Gänsehaut-Abend
Tom Bischof gehörte ebenfalls zu den großen Gewinnern des Abends. Ob es sein bislang bestes Spiel gewesen sei, wollte er zwar nicht eindeutig sagen, nannte es aber eines der wichtigsten seiner noch jungen Karriere. Selbst nach dem Duschen sprach der 21-Jährige noch von Gänsehaut.
Der Mittelfeldspieler, der beim FC Bayern im internen Ranking noch hinter Kimmich und Pavlovic steht, überzeugte mit Dynamik, Biss und Präsenz. Sein Premierentor im zweiten Länderspiel war der emotionale Höhepunkt des Abends. Zur Ausführung des Schusses sagte Bischof, so einfach, wie es ausgesehen habe, sei die Situation gar nicht gewesen. Danach habe er einfach alles herausschreien wollen – es sei ein unbeschreibliches Gefühl gewesen.
Klopp fand für ihn ein klares Kurzfazit: ein toller Junge, ein geiler Kicker, dazu mit einer starken Einstellung.
Pavlovic als Taktgeber und Spielbeschleuniger
Auch Aleksandar Pavlovic verdiente sich viel Lob. Als Klopp über Bischof und das Mittelfeld sprach, hob er Pavlovic sofort mit hervor. Er kenne ihn noch nicht lange, sagte der Bundestrainer – und schob anerkennend hinterher, dass dieser auch richtig gut einen Ball spielen könne.
Pavlovic überzeugte mit defensiver Präsenz und war im Spiel nach vorn immer wieder der Beschleuniger. Ballsicher, zielstrebig und mit feinem Gespür für den Rhythmus der Partie präsentierte er sich deutlich stärker als bei seinem Turnierdebüt bei der Weltmeisterschaft in Amerika. Bischof adelte auch seinen Bayern-Kollegen und nannte ihn einen sehr, sehr guten Fußballer.
Starke Achse mit Perspektive
Vor allem dank Wirtz zeigte sich der viermalige Weltmeister in überzeugender Form. Ausgerechnet in dem Stadion, in dem er bei der Heim-EM 2024 schon beim 5:1 gegen Schottland mit dem frühen 1:0 für Begeisterung gesorgt hatte, überzeugte er erneut.
Nach einem schwierigen ersten Jahr beim FC Liverpool arbeitet sich Wirtz damit Schritt für Schritt zurück zu alter Torgefahr. Im Sommer 2025 war er für rund 125 Millionen Euro auf die Insel gewechselt. Schon vor der Begegnung hatte Klopp betont, wie wichtig Wirtz für das deutsche Spiel sei – gegen Serbien sah er sich darin bestätigt.
Noch wichtiger für den Bundestrainer dürfte jedoch gewesen sein, dass mit Wirtz, Bischof und Pavlovic eine Mittelfeldachse überzeugte, die Tempo, Technik und Aggressivität vereinte. Gegen Serbien war das Trio der Motor eines Abends, der für Deutschland weit mehr war als nur ein Pflichtsieg.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber