Ein trockener Sommer hat die Gewittersaison in Deutschland bislang spürbar gedämpft. Dennoch wurden 2026 deutlich mehr Blitze registriert als im besonders schwachen Vorjahr. Nach Angaben des Münchner Blitzortungsunternehmens Nowcast gab es bislang 1.056.200 Blitzentladungen. Das sind zwar rund 15 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, zugleich aber klar mehr als 2025 mit knapp 720.000 Entladungen.
In die Nowcast-Auswertung flossen alle Blitze ein – also sowohl Erdblitze als auch Entladungen, die den Boden nicht erreichten. Deshalb weichen die Werte von anderen Statistiken ab. Der österreichische Informationsdienst Aldis/Blids registrierte bis zum 22. September bundesweit 135.085 Blitze. Dort werden ausschließlich Erdblitze gezählt, zudem wird jeder Blitz nur einmal erfasst – auch wenn er aus mehreren Entladungen besteht und sichtbar flackert.
Stärkster Blitz in Niedersachsen
Der Juni war laut Nowcast mit rund 403.500 Entladungen der blitzreichste Monat des Jahres. Die höchste Blitzdichte wurde demnach in Schleswig-Holstein gemessen, die niedrigste in Sachsen-Anhalt.
Der stärkste Blitz des Jahres wurde in Schiffdorf in Niedersachsen registriert. Nach Angaben von Nowcast-Chef Richard Fellner erreichte er innerhalb kürzester Zeit eine Stromstärke, die etwa 21.000-mal höher war als der maximal zulässige Strom einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose mit 16 Ampere.
Trockenheit dämpft Gewitter
Als wichtigen Grund für die vergleichsweise geringe Gewitteraktivität nennt Nowcast die anhaltende Trockenheit. Entscheidend für viele Blitze ist das Zusammenspiel von Hitze und Feuchtigkeit, weil diese Kombination Gewitter besonders begünstigt. Fehlt die Feuchtigkeit oder bleibt ein Sommer eher kühl, gibt es in der Regel weniger Blitze.
Mehrere Verletzte bei Blitzeinschlägen
Immer wieder werden Menschen durch Blitzeinschläge verletzt. Im Juni traf ein schweres Unwetter eine Gruppe auf einem Sportplatz im baden-württembergischen Rastatt. Dabei wurden neun Menschen verletzt, sechs von ihnen kamen ins Krankenhaus.
Im Juli wurden außerdem sechs Bundeswehrsoldaten im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen bei einem Blitzeinschlag verletzt. Nach Polizeiangaben waren bleibende Schäden nicht zu befürchten. Bei einem 18-Jährigen deutete das Verletzungsbild jedoch darauf hin, dass er möglicherweise direkt vom Blitz getroffen wurde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber