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VideoDays: So räumt Vollmarcant alles ab

Vier Preise, ein Triumph – und ein bitterer Haken: Warum Vollmarcants VideoDays-Sieg nicht nur Grund zum Feiern ist

29.10.2026, 22:40 Uhr

Vollmarcant dominiert die VideoDays Awards

Der politische Content-Creator Vollmarcant ist der große Gewinner der diesjährigen VideoDays Awards. Bei der Gala in Köln wurde der Streamer aus Frankfurt am Main als "Creator des Jahres" ausgezeichnet. Zusätzlich erhielt er Preise in den Kategorien Kurzvideo, News & Commentary sowie Social Responsibility.

Die rund 50-köpfige Jury hob hervor, dass Vollmarcant politische Debatten mit Argumenten, Fakten und direktem Austausch besonders für ein junges Publikum in sozialen Netzwerken verständlich aufbereite.

Tobias Schiwek, Geschäftsführer des Medienunternehmens We Are Era, das die Veranstaltung organisiert, betonte den breiten Rückhalt für den Preisträger. Es sei bemerkenswert, wie viel Unterstützung Vollmarcant aus unterschiedlichen Altersgruppen erhalte. Zugleich verwies Schiwek darauf, dass dessen Arbeit mit vielen Auseinandersetzungen verbunden sei.

Wer hinter Vollmarcant steckt

Bekannt wurde der Livestreamer vor allem durch Straßeninterviews und Gespräche auf Demonstrationen sowie Veranstaltungen mit AfD-nahem oder rechtsextremem Publikum. Dort fragt er oft so lange nach, bis sich Widersprüche in den Aussagen seiner Gesprächspartner zeigen.

Der 2002 geborene Jurastudent begann ursprünglich mit Gaming-Content, verlagerte seinen Schwerpunkt später aber stark auf politische Aufklärung. Inzwischen erreicht er auf YouTube und TikTok jeweils mehr als eine halbe Million Follower und erzielt millionenfache Abrufe. Für seine Arbeit wurde er bereits mit der Theodor-Heuss-Medaille und dem Publikumspreis Blauer Panther geehrt.

VideoDays Festival 2026 Preisverleihung
Vollmarcant ist für seine Umfrage auf AfD-nahen Veranstaltungen bekannt. Quelle: Henning Kaiser/dpa

Wegen zahlreicher Bedrohungen tritt Marcant, dessen Vorname Marc ist, ausschließlich unter seinem Künstlernamen auf. Seinen Wohnort und persönliche Details hält er geheim. Sein Ziel sei es nach eigener Aussage vor allem, junge Menschen aus rechtsextremen Milieus zum Nachdenken zu bringen.

Aufruf an die Branche: Stellung beziehen

In einer seiner Dankesreden forderte Vollmarcant andere Creatorinnen und Creator dazu auf, öffentlich Haltung zu zeigen. Es sei nicht zu spät, aktiv zu werden, laut zu sein, im eigenen Umfeld zu diskutieren und sich auch in sozialen Medien klar zu äußern.

Auch Schiwek sieht die Social-Media-Branche in politischer Verantwortung. Wer sein Geschäftsmodell auf Reichweite aufbaue, könne sich nicht gleichzeitig als bedeutungslos darstellen. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass Schweigen nicht neutral sei. Reichweite habe immer auch eine politische Dimension.

Protest gegen digitale Gewalt

Schon vor der Preisverleihung wurde auf dem roten Teppich ein gesellschaftliches Thema sichtbar: Die Aktivistin Theresia Crone machte mit einem weißen T-Shirt mit der Aufschrift "Mein Körper, kein Porno" auf digitale Gewalt aufmerksam. Die Jurastudentin war selbst betroffen, nachdem sie im Alter von 21 Jahren gefälschte pornografische Bilder von sich im Internet entdeckt hatte.

Weitere Auszeichnungen

Insgesamt wurden bei den VideoDays Awards 19 Preise vergeben. Zu den weiteren Gewinnerinnen und Gewinnern zählen unter anderem der Berliner Extremsportler Arda Saatçi in der Kategorie Sports, Selfiesandra für Vlog, Vince für Best in Longform und Storytelling sowie maraamharaam im Bereich Comedy.

Festival als Treffpunkt der Szene

Bereits vor der abendlichen Preisverleihung kamen beim VideoDays Festival etwa 800 Content-Creator mit rund 700 Vertreterinnen und Vertretern aus Kreativ- und Medienbranche zusammen, darunter Produzenten, Medienhäuser und Agenturen. Auf dem Programm standen auch mehrere Gesprächs- und Diskussionsrunden.

Schiwek betonte die Bedeutung solcher Treffen für die Szene. Im Alltag gebe es kaum physische Orte für Begegnungen, dabei seien Kooperationen für viele Creator-Karrieren entscheidend. Veranstaltungen wie diese böten den idealen Rahmen, um Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Projekte anzustoßen.

Auch wirtschaftlich ist die Creator-Branche ein wichtiger Faktor. Nach Schätzungen der Landesmedienanstalt NRW gehört Deutschland mit einem Marktvolumen von rund 7,7 Milliarden Euro zu den größten Creator-Märkten Europas.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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