Der britische Schauspieler Sir Patrick Stewart, weltbekannt aus „Star Trek“ und „X-Men“, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Das bestätigte seine langjährige Sprecherin Kelly Bush Novak. Demnach starb Stewart in seinem Zuhause in Los Angeles. Er litt an Alzheimer sowie an Lewy-Körperchen-Demenz, einer selteneren Form der Demenz.
Seine Sprecherin schilderte, Stewart sei im Kreis von Familie und Freunden gestorben – begleitet von Live-Musik, Gebeten, Tränen und Lachen. Seine markante Stimme und sein außergewöhnliches Talent würden untrennbar mit unvergesslichen Auftritten in vielen Genres verbunden bleiben, hieß es weiter.
Ein Captain, der Fernsehgeschichte schrieb
Weltberühmt wurde Stewart als Captain Jean-Luc Picard in der Serie „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“. Die Produktion machte den zuvor vor allem am Theater geprägten Schauspieler ab Mitte der 1980er Jahre international zum Star.
Geboren wurde Stewart am 13. Juli 1940 im englischen Mirfield in West Yorkshire. Dass gerade er später die Brücke der Enterprise kommandieren würde, war zunächst alles andere als ausgemacht. Der Brite soll der Rolle anfangs skeptisch gegenübergestanden haben und lebte zu Beginn seiner Zeit in Los Angeles sogar aus dem Koffer, weil er nicht recht an den Erfolg der Serie glaubte.
Dass er den Part überhaupt bekam, hatte auch mit einem Zufall zu tun: Stewart las bei einem öffentlichen Vortrag eines befreundeten Professors in den USA Shakespeare-Passagen. Im Publikum saß mit Robert Justman ein Co-Produzent von „Star Trek“, der daraufhin Serien-Schöpfer Gene Roddenberry auf Stewart aufmerksam machte. Beim Vorsprechen überzeugte er schließlich mit Präsenz, Stimme und Ausdruck.
Als die USS Enterprise NCC-1701-D im September 1987 erstmals über die Bildschirme flog, war Stewart in den USA für viele Zuschauer noch weitgehend unbekannt. In der Rolle des Picard war er später über 15 Jahre hinweg in sieben Staffeln und vier Kinofilmen zu sehen.
2020 kehrte Stewart noch einmal als Kultfigur zurück: In „Star Trek: Picard“ verkörperte er den besonnenen, pflichtbewussten und oft etwas steifen Sternenflotten-Captain erneut. Zwischen seinem letzten Kinoeinsatz als Picard in „Star Trek: Nemesis“ und diesem Comeback lagen 18 Jahre. Eigentlich hatte Stewart mit der Figur bereits abgeschlossen, ließ sich dann aber doch auf die Rückkehr ein, weil ihm der modernere, düsterere Ansatz der neuen Serie zusagte. Für viele Fans blieb er damit eines der prägenden Gesichter des gesamten „Star Trek“-Universums.
Skepsis gegenüber Science-Fiction – und ein „unvorstellbares“ Gehalt
Stewart sagte einmal offen, dass ihn Science-Fiction zunächst kaum interessiert habe. Gereizt habe ihn vielmehr die Arbeit vor der Kamera in Kalifornien. Auch finanziell bedeutete „Star Trek“ für ihn einen gewaltigen Sprung: Sein Honorar pro Folge sei für ihn damals kaum vorstellbar gewesen.
Vor seinem Durchbruch mit „Das nächste Jahrhundert“ hatte Stewart nur wenige größere Filmauftritte vorzuweisen. Zu sehen war er unter anderem in „Excalibur“ (1981) und in David Lynchs „Dune – Der Wüstenplanet“ (1984). Außerdem spielte er in der britischen Langzeitserie „Coronation Street“ einen Feuermann.
Auch als Professor Xavier gefeiert
Große Popularität erreichte Stewart zudem mit seiner Rolle als Professor Charles Xavier in den Filmen der „X-Men“-Reihe. Damit wurde er auch für ein jüngeres Publikum zu einer festen Größe des internationalen Kinos.
Die enorme Popularität Picards hatte für ihn allerdings auch eine Kehrseite: Stewart galt lange als stark auf diese Figur festgelegt, andere große Leinwandangebote blieben zunächst eher rar. Mit „X-Men“ gelang ihm dann im Jahr 2000 ein weiterer ikonischer Part. Nach mehreren Fortsetzungen und Filmen aus dem erweiterten „Wolverine“-Umfeld verabschiedete er sich 2017 von Professor X.
Seine Sprecherin würdigte ihn als Künstler, der die menschliche Existenz in ihrer ganzen Tiefe ausgelotet und Hoffnung sowohl ins Marvel-Universum als auch an Bord der Enterprise getragen habe.
Das Theater blieb sein Fundament
Noch bevor er in Film und Fernsehen Karriere machte, galt Stewarts Leidenschaft dem Theater. Von 1966 bis 1982 war er Mitglied der Royal Shakespeare Company. Das Bühnenspiel blieb ein prägender Teil seines gesamten künstlerischen Lebens.
Die Liebe zum Theater wurde schon früh geweckt. Stewart erzählte einmal, ein Lehrer habe ihm im Alter von elf oder zwölf Jahren Shakespeare in die Hand gedrückt und ihn aufgefordert, den Text vorzutragen. Stewart sagte später dankbar, ohne diesen Mann wäre seine Laufbahn wohl nie zustande gekommen.
Auch nach seiner Zeit bei der Royal Shakespeare Company blieb er der Bühne eng verbunden. Immer wieder trat er in einer Solo-Version von Charles Dickens’ „A Christmas Carol“ auf und übernahm dabei sämtliche Rollen. Am Londoner West End stand er zudem gemeinsam mit seinem engen Freund Sir Ian McKellen in Harold Pinters „No Man’s Land“ auf der Bühne.
In einer Stellungnahme zu seinem Tod wurde auch aus seinen Memoiren „Making it So“ zitiert. Darin zog Stewart Parallelen zwischen sich und Jean-Luc Picard: Beide hätten ein außergewöhnliches Leben geführt, seien ihren Wurzeln aber immer treu geblieben.
Rückkehr als Picard mit politischem Unterton
Jahrelang hatte Stewart betont, kein Interesse an einer Wiederbelebung Picards zu haben. Später erklärte er jedoch, dass ihn gerade der veränderte Ton von „Star Trek: Picard“ überzeugt habe. Während die alte Serie für ihn eine fast ideale, geschützte Welt dargestellt habe, sei die neue Version bewusster düster und pessimistischer angelegt gewesen. Stewart sah darin nach eigenen Worten auch eine Antwort auf eine von Brexit und Donald Trump geprägte Gegenwart.
Privatleben und späte Ehrungen
Privat war Stewart in dritter Ehe mit der Musikerin Sunny Ozell verheiratet, die bis zuletzt an seiner Seite gewesen sein soll. Das Paar lebte zeitweise im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Sein enger Freund und „X-Men“-Kollege Ian McKellen war 2013 Trauzeuge bei der Hochzeit.
2010 wurde Stewart von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen.
In der „Star Trek“-Gemeinde löst sein Tod große Trauer aus. Erst in dieser Woche hatten Fans bereits den Tod von Walter Koenig, dem Darsteller von Pavel Chekov aus der Originalserie, betrauert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber