Jelineks neues Werk nimmt Finanzwelt und Skandale ins Visier
Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek setzt sich in ihrem neuen Text „Unter Tieren“ mit dem Geldsystem, Banken und Wirtschaftsskandalen wie Signa und Wirecard auseinander. Das Wiener Burgtheater stellte das Werk nun in einer rund viereinhalbstündigen Lesung erstmals öffentlich vor. Die Bühnenpremiere ist für August bei den Salzburger Festspielen geplant, die Buchausgabe soll bereits im Juni erscheinen.
Jelinek betrachtet den Kapitalismus dabei aus der Sicht verschiedener Tiere, darunter Schweine, Kühe und Hasen. Gleich zu Beginn treten Tauben auf, die über den Niedergang des Immobilien- und Handelskonzerns Signa sprechen.
Mit Blick auf die großen Geldsummen, die Signa-Gründer René Benko für seinen schnellen Expansionskurs eingesammelt hatte, heißt es sinngemäß, er blase nicht nur das Geld, sondern auch sich selbst auf. Darüber hinaus thematisiert der Text auch die Verflechtung von Wirtschaft und Gewalt sowie die industrielle Tierhaltung.
Starker Beifall für die Leseprobe
Das Stück legt Mechanismen des Finanzsystems offen und untersucht deren Strukturen. Für eine vertiefte Zeichnung der Menschen, die wirtschaftliche Macht ausüben oder unter ihr leiden, bleibt dabei allerdings nur wenig Platz.
Regisseur Nicolas Stemann, der schon mehrere Jelinek-Uraufführungen verantwortet hat, bringt das neue Werk mit einem kleinen Ensemble auf die Bühne. Mit dabei sind unter anderem Caroline Peters, Mavie Hörbiger und Azaria Dowuona-Hammond. Unterstützt von einer Blaskapelle und weiteren Musikerinnen und Musikern arbeiteten sich die Darstellenden durch den Text, der auch deutlich macht, wie undurchsichtig die Finanzwelt für viele geworden ist.
Eine der Zeilen der Probe lautete sinngemäß: „Ich verstehe es nicht, spreche aber pausenlos darüber.“ Das Publikum reagierte darauf mit kräftigem Applaus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion