Zeugin schildert Nähe zu Christina Block vor der Tat
Im Prozess um die sogenannte Block-Entführung hat eine mutmaßlich beteiligte Frau aus Israel erneut beschrieben, wie sie vor der Tat zu einer Vertrauten der angeklagten Christina Block wurde. Der Familienanwalt habe sie 2023 gebeten, Block zu Gerichtsterminen in Dänemark zu begleiten und zu unterstützen, sagte die 51-Jährige vor dem Landgericht Hamburg. Die beiden Frauen hätten sich nach ihren Worten schnell angefreundet. "Wir waren viel zusammen."
Die Zeugin, die in Hamburg unter dem Aliasnamen "Olga" auftritt, betonte, sie habe der aus ihrer Sicht verzweifelten Mutter helfen wollen, die keinen Kontakt zu ihren Kindern gehabt habe. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll sie jedoch als "rechte Hand" des Chefs einer israelischen Cyber-Sicherheitsfirma an der Rückholaktion beteiligt gewesen sein. Für ihre Aussage wurde ihr sicheres Geleit zugesagt. Später muss sie selbst mit einer Anklage und einem eigenen Prozess rechnen.
Am 52. Prozesstag setzte die Frau ihre Aussage bereits den dritten Tag fort. Die Frage des Gerichts, ob sie Christina Block ausgenutzt habe, verneinte sie.
Verteidigung hakt bei angeblichem Treffen im Hotel nach
Im Mittelpunkt stand nun auch ein von der Zeugin geschildertes Treffen kurz vor der Tat. Nach ihrer Aussage soll Christina Block am 28. Dezember nachmittags kurz bei einem Treffen in einem Hotel dabei gewesen sein. Dort habe sie den maskierten Männern für ihre Hilfe gedankt. Die 51-Jährige hatte zudem gesagt, Block habe von den Plänen für die Silvesternacht 2023/24 gewusst, aber keine Einzelheiten gekannt. Block bestreitet das.
Verteidiger Ingo Bott hielt der Zeugin vor, dass die mutmaßlichen Entführer zwar ebenfalls von einem solchen Treffen berichtet hätten, bei Datum oder Uhrzeit aber voneinander abwichen. Die Israelin blieb dennoch bei ihrer Version und erklärte zu den abweichenden Zeitangaben jeweils, die Männer hätten sich geirrt. Auf die Frage, ob Christina Block bei dem Treffen keine Nachfragen zu den Plänen gestellt habe, antwortete die Zeugin mit Nein.
Christina Block bestreitet den Auftrag
Angeklagt ist die Hamburger Unternehmerin Christina Block. Die Tochter des "Block House"-Gründers Eugen Block soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nach einem langen Sorgerechtsstreit die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben haben. Die Kinder wurden in der Silvesternacht 2023/24 vom Wohnort ihres Vaters in Dänemark nach Deutschland gebracht. Laut Anklage kam es dabei zu Gewalt.
Der damals zehn Jahre alte Junge und seine 13 Jahre alte Schwester wurden demnach zunächst auf einen Bauernhof in Baden-Württemberg gebracht. Von dort holte Block die beiden anschließend zu sich nach Hamburg. Nach ihrer Darstellung wurde sie von der Aktion völlig überrascht. Die 53-Jährige weist den Vorwurf zurück, die Entführung beauftragt zu haben.
Team erwartete weniger Widerstand der Kinder
Nach Aussage der 51-Jährigen hatte ihr Team bei der Aktion während des Silvesterfeuerwerks mit einer deutlich ruhigeren Reaktion der Kinder gerechnet. Fast alle Beteiligten seien maskiert und schwarz gekleidet gewesen. Man habe angenommen, die Kinder würden zwar etwas Angst haben, sich aber beruhigen lassen.
Deshalb habe die Gruppe extra einen Mann mitgenommen, der gut Deutsch spreche. Er habe dem Jungen und dem Mädchen erklären sollen, dass sie keine schlechten Menschen seien und die Kinder zu ihrer Mutter brächten. Das Team sei davon ausgegangen, dass die Lage dann für die Kinder in Ordnung sein würde.
Stattdessen habe die damals 13 Jahre alte Tochter sehr ablehnend reagiert. Nach Schilderung der Zeugin sagte das Mädchen: Sie wolle kein Deutsch mehr sprechen, sie hasse Deutschland und auch ihre Mutter. Trotzdem habe sie zunächst geglaubt, diese Reaktion werde schnell vorübergehen.
Erst später in Israel habe sie erfahren, dass die Kinder bei der Rückführung gefesselt worden waren. Das habe sie sehr getroffen, sagte die Frau laut Übersetzung aus dem Englischen. Sie sei traurig und aufgewühlt gewesen und habe auch geweint.
Aussage geht am Freitag weiter
Die Aussage der als "Olga" auftretenden Zeugin soll auch am Freitag im Mittelpunkt des Verfahrens stehen. Dann erhalten weitere Verteidiger der sieben Angeklagten Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion