Nordrhein-Westfalen

Dieser Satiriker will Kölns Fernsehturm sprengen

Chris Sommer lästert im ZDF über Köln als «eher unschön» – und genau das könnte diese Satire-Folge erst ausgelöst haben.

28.05.2026, 05:30 Uhr

ZDF-Satire über Köln: Nun gerät der Fernsehturm Colonius ins Visier

Wer bei einer angeblichen Live-Sprengung in Köln sofort an den Dom denkt, kann aufatmen: Das ZDF legt es in seiner neuen Satire-Ausgabe nicht auf das berühmte Wahrzeichen an. Stattdessen steht ein anderes Bauwerk im Mittelpunkt, das weit über der Stadt aufragt: der Fernsehturm Colonius.

Am 29. Mai um 23.00 Uhr läuft eine neue Folge von „ZDF Magazin vor Ort“ im Fernsehen. Schon am selben Tag ist sie ab 20.00 Uhr im Stream verfügbar. Das Format stammt aus dem Umfeld von Jan Böhmermann und nimmt mit Vorliebe die Dramaturgie klassischer Live-Berichterstattung aufs Korn.

Bereits die erste Ausgabe setzte auf bewusst absurde Übertreibung: Damals ging es um ein angebliches Erdbeben in der Eifel, bis Reporterin Caro Worbs schließlich von einem Drachen gefressen wurde. Diesmal übernimmt Chris Sommer, den viele unter anderem aus dem Podcast „Drinnies“ kennen.

Satire über den rätselhaften Colonius

Die neue Episode heißt „ZDF Magazin vor Ort: Die Colonius-Sprengung“. Im Zentrum steht der 266 Meter hohe Kölner Fernsehturm, der 1981 eingeweiht wurde und seit Jahren abgesperrt ist. Obwohl der Turm im Stadtbild kaum zu übersehen ist, bleibt er für viele Kölnerinnen und Kölner seltsam fern und rätselhaft.

Sommer beschreibt das Bauwerk als eine Art Elefanten im Raum: riesig, ständig präsent, aber kaum jemand rede wirklich darüber. Man fahre dauernd daran vorbei und wisse oft nur ungefähr, dass der Turm etwas mit Fernsehen und Signalen zu tun habe. Gerade dieses Vage verleihe dem Colonius für ihn beinahe etwas Mythisches.

Dazu passt auch, dass der Turm in einer Stadt, die sonst fast alles mit lokalem Stolz auflädt, erstaunlich wenig Zuneigung bekommt. Ausgerechnet dieses betonene Wahrzeichen bleibt für viele eher ein ungelöstes Kölner Rätsel.

Chris Sommer und die Kunst des todernsten Fernsehens

Der gebürtige Schweizer gehört seit Jahren zur Kölner Medien- und Kreativszene. Viele Zuschauer kennen ihn aus dem „ZDF Magazin Royale“, wo er unter anderem die Figur Peter-Stefan Thomas spielt. Diese Rolle des geschniegelt-überkorrekten Reporters eignet sich auch perfekt für die fiktive Berichterstattung über die angebliche Sprengung.

Wer Sommer in dieser Figur erlebt, merkt schnell, wie präzise er den Ton von Service-, Ratgeber- und Regionalfernsehen trifft – inklusive jener kleinen Pausen und ernsten Betonungen, die solche Formate oft so unverwechselbar machen. Bei der Colonius-Folge soll deshalb erneut sein Alter Ego Peter-Stefan Thomas durch das Geschehen führen – passend geschniegelt, mit dem Eifer eines Reporters, der auf das große „Bumm“ wartet.

Sommer sagt, sein Schweizer Hochdeutsch wirke in Deutschland oft besonders förmlich. Vor allem beim Schreiben von E-Mails sei ihm das stark aufgefallen. Daraus habe sich schließlich diese leicht verklemmte, überkorrekte Reporterfigur entwickelt, die sich ideal in solche Fernsehwirklichkeiten einfügt.

Das Genre Spreng-Reportage als Vorlage

Besonders begeistert zeigt sich Sommer von einem Genre, das man vor allem aus dem Regionalfernsehen kennt: der Sprengungsberichterstattung. Wenn irgendwo eine Autobahnbrücke gesprengt werde, sei er sofort interessiert.

Ihn faszinieren vor allem Aufbau und Dramaturgie solcher Beiträge. Eigentlich warte alles nur auf den einen kurzen Moment des Knalls, davor werde jedoch ausführlich mit Anwohnern gesprochen, der Sicherheitsradius erklärt und große Spannung erzeugt. Gerade darin liege bereits die Komik, denn diese Art Fernsehen nehme sich oft ausgesprochen ernst.

Köln bleibt gelassen

Dass in Köln womöglich jemand die fiktive Sprengung für bare Münze nehmen und besorgt beim ZDF anrufen könnte, hält Sommer für eher unwahrscheinlich. Die Stadt sei durch den Karneval einiges gewohnt. Außerdem gebe es gefühlt ständig Bombenentschärfungen.

Sein Fazit fällt entsprechend trocken aus: Wenn in Köln irgendwo etwas in die Luft fliege, gehöre das fast schon zum guten Ton.

Den Menschen in der Stadt stellt Sommer ein positives Zeugnis aus. Er beschreibt die Kölnerinnen und Kölner als offen und herzlich. Als eher verklemmter Schweizer sei er dort mit offenen Armen empfangen worden.

Deutlich weniger schmeichelhaft äußert er sich über das Stadtbild. Köln sei wirklich nicht schön, eher unschön, oft eng und manchmal sogar ein wenig beklemmend. Der Satz klingt fast so, als hätte er noch weitere Bauwerke im Kopf, die sich für eine satirische Sprenggeschichte eignen würden.

Wolfgang Niedecken singt zum Abschied

Auf dem Colonius selbst war Sommer nach eigener Aussage noch nie. Ein prominenter Mitwirkender der Sendung dagegen offenbar schon: Wolfgang Niedecken. Der Musiker, in Köln selbst fast schon ein Denkmal, soll in der Satire-Ausgabe ein Abschiedslied auf den Fernsehturm singen.

Damit bekommt das ohnehin skurrile Szenario zum Schluss noch einen zusätzlichen kölschen Anstrich.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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