Stars

Trauer um Konrad Beikircher: Warum?

Das Rheinland trauert: Kabarett-Legende Konrad Beikircher, geliebt für Mundart und Humor, ist mit 80 gestorben.

29.07.2026, 09:18 Uhr

Kabarettist Konrad Beikircher mit 80 Jahren in Bonn gestorben

Der Kabarettist Konrad Beikircher ist tot. Wie seine Frau Anne Beikircher der Deutschen Presse-Agentur sagte, starb er am Dienstag im Alter von 80 Jahren in Bonn. „Wir waren bei ihm“, sagte sie. Besonders eng verbunden war der gebürtige Südtiroler mit dem Rheinland: Dialekt, Mentalität und die Eigenheiten der Menschen dort prägten sein künstlerisches Schaffen über Jahrzehnte. Mit seinem warmen, humorvollen Blick auf den rheinischen Menschenschlag begeisterte er weit über Nordrhein-Westfalen hinaus sein Publikum.

Aufgewachsen im Pustertal, kam Beikircher bereits 1965 zum Studium nach Bonn und blieb dort. Zu seinem Verhältnis zur Region sagte er einmal sinngemäß: Südtirol bleibe seine Heimat, das Rheinland aber sei sein Zuhause. Er schätzte dort vor allem ein spürbares „mediterranes Lebensgefühl“ – die Haltung, dass vor allem der Augenblick zählen müsse.

Schon sein erstes Programm wurde Kult

Beikircher, der rund 60 Jahre im Rheinland lebte, galt als künstlerisches Multitalent. In seinen Kabarettprogrammen ließ er unter anderem seine Kunstfigur „Frau Walterscheidt“ auftreten, die sich in rheinischer Leichtigkeit über Gott und die Welt ausließ. Zu seinen bekanntesten und prägendsten Werken gehörte das erste Programm „Himmel un Ääd“, das Kultstatus erreichte und später auch als Buch erschien.

Neben dem Kabarett war er musikalisch vielseitig: Er spielte mehrere Instrumente, trat als Sänger auf – oft mit italienischen Liedern – und moderierte Konzerte mit großen Orchestern. Außerdem veröffentlichte er Bücher, darunter Kochbücher, Kindererzählungen und Opernführer. Besonders am Herzen lag ihm nach eigenen Worten alles, was mit klassischer Musik zu tun hatte.

Vom Gefängnispsychologen auf die Bühne

Beikircher studierte später in Bonn Psychologie und arbeitete bis Mitte der 1980er Jahre als Gefängnispsychologe in der JVA Siegburg, vor allem mit jungen Straftätern. Diesen Beruf habe er lange gern ausgeübt. Zugleich schilderte er rückblickend, dass ihn Formalitäten und behördliche Vorgaben zunehmend eingeengt hätten, sodass er schließlich „zur Selbstrettung“ aufhörte. Mit 39 Jahren gab er den Beamtenberuf auf, um sich ganz dem Kabarett zu widmen – eine Entscheidung, die er nach eigenen Worten nie bereute.

Je länger er als Künstler arbeitete, desto stärker habe ihn die Bühne angezogen. Besonders bewusst geworden sei ihm das in der Zeit der Theaterschließungen während der Corona-Pandemie. Dennoch hatte Beikircher für sich klar entschieden, nicht den „schönsten Tod auf der Bühne“ anzustreben: Er habe sich gewünscht, zu Hause zu sterben – bei den Menschen, die ihm am wichtigsten sind.

Ehefrau erinnert an seine Menschenliebe

Vor allem in Nordrhein-Westfalen zählte Beikircher zu den bekanntesten Kabarettisten, doch auch weit über die Region hinaus wurde er geschätzt. Anne Beikircher sagte nach seinem Tod, ihr Mann habe die Menschen mit seiner Kunst gewissermaßen „umarmt“. Seine Menschenliebe sei echt gewesen – und diese Zuneigung sei vom Publikum erwidert worden. Sie sagte zudem, er sei zwar zweimal aus der Kirche ausgetreten, aber dennoch ein gläubiger Christ gewesen.

Beikircher lebte zuletzt in Bonn-Bad Godesberg und hinterlässt fünf Kinder. In den vergangenen Jahren hatte er mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und angekündigt, kürzerzutreten. Dennoch stand er noch vor wenigen Wochen auf der Bühne. Seine Frau betonte, dass er sich trotz aller Belastungen einen außergewöhnlichen Humor bewahrt habe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen