Wirtschaft

BMW-Schock: 8.000 Jobs

BMW plant den nächsten großen Kahlschlag: Weltweit sollen 8.000 Jobs wegfallen – was jetzt auf Beschäftigte zukommt.

29.07.2026, 09:30 Uhr

BMW plant weltweit rund 8.000 Stellen weniger – Betriebsrat sieht weiter Verhandlungsbedarf

BMW startet als letzter großer deutscher Autobauer ein umfassendes Sparprogramm beim Personal. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen sollen weltweit rund 8.000 Arbeitsplätze wegfallen. Offiziell bestätigte der Konzern die Pläne zunächst nicht und wollte auch die genannte Zahl nicht kommentieren.

In Deutschland soll der Abbau vor allem über natürliche Fluktuation sowie ein freiwilliges Abfindungsprogramm erfolgen. Dieses soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich an alle Beschäftigten außerhalb der direkten Produktion richten.

Da von den knapp 154.000 BMW-Beschäftigten weltweit mehr als die Hälfte in Deutschland arbeitet – zur Jahresmitte waren es gut 84.000 –, dürfte ein erheblicher Teil des Abbaus hierzulande anfallen. Aus dem Unternehmensumfeld heißt es, dass am Ende wohl mehr als die Hälfte der betroffenen Stellen auf Deutschland entfallen könnte.

Konzernchef stimmt Belegschaft auf harte Monate ein

Auf einer Betriebsversammlung, bei der die Pläne vorgestellt wurden, bereitete der seit Mitte Mai amtierende Vorstandschef Milan Nedeljkovic die Belegschaft laut Teilnehmern auf eine schwierige Phase vor. Er machte deutlich, dass die kommende Zeit den Beschäftigten viel abverlangen werde. Zugleich müsse BMW wieder profitabler und wettbewerbsfähiger werden.

Nedeljkovic kündigte demnach an, BMW werde Organisationseinheiten über alle Managementebenen hinweg zusammenführen und mehr Verantwortung an die wertschöpfenden Bereiche übertragen. Nur so könne der Konzern zu dem zurückkehren, was BMW lange ausgezeichnet habe: unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung.

Gespräche liefen geräuschlos – aber noch nicht vollständig beendet

Über ein mögliches Stellenabbauprogramm bei BMW wird bereits seit Mitte Juni spekuliert. Damals hatte Nedeljkovic, nur rund einen Monat nach seinem Wechsel vom Produktionsvorstand an die Konzernspitze, eine deutliche Gewinnwarnung aussprechen müssen.

Der Gesamtbetriebsrat hatte daraufhin unverzügliche und verbindliche Gespräche verlangt. Nach rund sechs Wochen wurden dabei zwar bereits Vereinbarungen erzielt. Ganz abgeschlossen sind die Verhandlungen nach Darstellung der Arbeitnehmerseite aber noch nicht. Der Betriebsrat betonte, es gebe weiteren Abstimmungs- und Verhandlungsbedarf.

Gesamtbetriebsratschef Martin Kimmich erklärte, man habe sich darauf konzentriert, Sicherheit für die Beschäftigten zu schaffen und verbindliche Schutzmechanismen durchzusetzen, statt den Konflikt öffentlich auszutragen.

Das Abfindungsprogramm in Deutschland soll dem Vernehmen nach nicht selektiv ausgestaltet sein. Es steht damit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern außerhalb der Produktion offen – also insgesamt einigen zehntausend Beschäftigten.

Kosten und Einsparungen bleiben vorerst offen

Wie teuer der Stellenabbau für BMW wird, ist bislang nicht abschließend klar. Frühere Aussagen des Konzerns deuten darauf hin, dass die Belastungen erst im zweiten Halbjahr sichtbar werden.

Finanzchef Walter Mertl hatte im Juni in einem Kapitalmarkt-Call im Zusammenhang mit der Restrukturierung von Einmalbelastungen von rund einer Milliarde Euro gesprochen. Ob dieser Betrag vollständig auf den Personalabbau entfällt, blieb offen. Auch zur Höhe der angestrebten Einsparungen gibt es bislang keine konkreten Zahlen.

Später als die Konkurrenz – aber unter demselben Druck

BMW war lange der einzige große deutsche Autobauer ohne größeres Sparprogramm beim Personal. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten bereits im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt – teils in deutlich größerem Umfang. Im VW-Konzern wird inzwischen schon über eine zweite Kürzungsrunde mit Größenordnungen im Zehntausenderbereich gerungen. Erst in dieser Woche hatte Porsche den Wegfall weiterer 5.000 Jobs in Aussicht gestellt. Auch große Zulieferer bauen Stellen ab.

Die gesamte deutsche Autoindustrie steht unter starkem Druck. Belastend wirken unter anderem der Einbruch des chinesischen Marktes, der dort wachsende Preis- und Konkurrenzdruck, US-Zölle, die zunehmende Konkurrenz chinesischer Hersteller auf dem Weltmarkt sowie die Folgen der Krise im Nahen Osten für die Konjunktur.

Auch BMW kann sich dieser Entwicklung nicht vollständig entziehen, wenngleich der Konzern zuletzt etwas stabiler wirkte als einige Wettbewerber. Nedeljkovic sprach laut Teilnehmern der Betriebsversammlung von einer substanziellen Veränderung der Spielregeln in der Branche und damit auch der Grundlage des bisherigen Geschäftsmodells. Zugleich kritisierte er marktferne politische Zielvorgaben. Weder Protektionismus noch die tiefgreifenden Marktveränderungen würden verschwinden – deshalb müsse BMW nun schnell und konsequent Strukturen und Prozesse verschlanken und seine Kostenposition deutlich verbessern.

Aus dem Unternehmensumfeld wird zudem ein weiterer Grund für das Programm genannt: Für die Entwicklung der Neuen Klasse hatte BMW hohe Investitionen gestemmt, um technologisch voranzukommen. Nach Abschluss dieser Phase sollen die Entwicklungskosten wieder sinken – offenbar auch beim Personal.

IG Metall Bayern reagiert zurückhaltend

Die IG Metall Bayern reagierte vergleichsweise zurückhaltend auf die Pläne. Bezirksleiter Horst Ott erklärte, BMW reagiere auf den wegbrechenden Markt in China und arbeite zugleich daran, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu stärken. Zugleich verwies er darauf, dass der Abbau mit den Instrumenten der Betriebsparteien erfolge und tarifvertragliche Regelungen nicht zur Disposition stünden.

Belegschaft schrumpfte bereits vor dem Programm

Der Personalbestand war schon vor dem nun anstehenden Abbau rückläufig. Von Mitte 2025 bis Mitte 2026 sank die Zahl der Beschäftigten nach diesen Informationen bereits um rund 2.000. Auch die Prognose für 2026 hatte bereits einen leichten Rückgang vorgesehen.

Ganz neu ist ein Stellenabbau dieser Größenordnung bei BMW nicht. Bereits Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen Abbau in ähnlichem Umfang angekündigt. Bis Ende 2010 verringerte sich die Belegschaft damals sogar um mehr als 10.000 auf rund 95.000 Beschäftigte. Danach wuchs die Belegschaft zwar wieder deutlich, doch angesichts der aktuellen Aussichten für die deutsche Autoindustrie gilt eine ähnlich starke Erholung derzeit als eher unwahrscheinlich.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht in dem Schritt vor allem eine kurzfristige Entlastung. Der Stellenabbau verschaffe BMW zwar etwas Luft, sei aber noch keine Lösung, sondern eher eine Atempause. Die deutschen Hersteller hätten aus seiner Sicht weiterhin keine überzeugende Antwort auf die Probleme in China und auf die wachsende Konkurrenz aus China.

Halbjahreszahlen rücken in den Fokus

Wie stark BMW derzeit wirtschaftlich unter Druck steht, dürfte sich bald genauer zeigen. Der Konzern will am Donnerstag seine Halbjahreszahlen vorlegen. Es sind die ersten Zahlen, an denen Nedeljkovic als Konzernchef zumindest einen kleinen Anteil hat. Nach der Gewinnwarnung im Juni, rückläufigen Absatzzahlen und schwachen Signalen aus der Branche sind die Erwartungen gedämpft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen