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Mehr Action, mehr Herz: «Spider-Man: Brand New Day»

Er rettet die Welt – und zerbricht fast daran: In «Spider-Man: Brand New Day» steht Peter Parkers größter Kampf bevor.

28.07.2026, 16:35 Uhr

Was passiert, wenn von einem Tag auf den anderen niemand mehr weiß, wer man ist – nur man selbst behält jede Erinnerung? Genau mit diesem Schicksal muss Peter Parker, besser bekannt als Spider-Man, in seinem neuen Kinoabenteuer leben. In „Spider-Man: Brand New Day“ kämpft Tom Hollands Held nicht nur gegen seine tiefe Isolation, sondern auch gegen eine rätselhafte Gefahr.

Peter Parker lebt im Schatten seines früheren Lebens

Am Ende von „Spider-Man: No Way Home“ hatte Mysterio die wahre Identität von Spider-Man öffentlich gemacht. Um seine Liebsten und sein Umfeld zu schützen, ließ Peter durch Doctor Strange die Erinnerungen der gesamten Welt an ihn auslöschen. Davon betroffen waren auch MJ, Ned und sogar seine Verbündeten aus der Superheldenwelt.

Seit dem letzten Film sind real fünf Jahre vergangen, innerhalb der Handlung jedoch deutlich weniger. MJ und Ned haben inzwischen ihr Studium begonnen und wohnen zusammen, während Peter völlig auf sich allein gestellt ist. Aus der Distanz verfolgt er ihr Leben über soziale Medien und widmet sich fast nur noch dem Kampf gegen Verbrechen.

Tom Holland beschrieb den Film vorab als eine Geschichte über die Folgen von Einsamkeit. Während Spider-Man immer stärker und aktiver wird, erlebt Peter persönlich seine schwerste Zeit. Gerade darin liege für ihn die zentrale Aussage: Wer sich von allen zurückzieht, gerät in Gefahr – und manchmal ist es mutiger, Hilfe anzunehmen, als alles allein tragen zu wollen.

Körperliche Veränderungen und ein Gegner ohne Gesicht

Spider-Man ist pausenlos im Einsatz, gönnt sich kaum Ruhe und ignoriert Warnsignale seines Körpers. Kopfschmerzen, Probleme mit dem Arm und zunehmender Stress machen sich bemerkbar. Gleichzeitig verändern sich seine Fähigkeiten auf beunruhigende Weise: Seine Sinne werden schärfer, seine Kraft nimmt zu, doch auch seine Aggression wächst.

Mehr Action, noch mehr Gefühl: «Spider-Man: Brand New Day»
Die Stars aus «Spider-Man: Brand New Day», Tom Holland und Zendaya, sind im echten Leben verheiratet. (Archivbild) Quelle: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Zur selben Zeit taucht in New York eine neue übernatürliche Bedrohung auf. Der Gegner besitzt die Fähigkeit, das Bewusstsein anderer Menschen zu übernehmen, von Person zu Person zu wechseln und deren Handlungen zu lenken. Nur bei Spider-Man scheint diese Kontrolle nicht zu funktionieren. Weshalb sich diese Macht ausgerechnet gegen die Behörde Damage Control richtet, bleibt zunächst offen.

Peter versucht dennoch, alles allein zu lösen. Auf der Suche nach Antworten über den unbekannten Feind und über seine eigenen Veränderungen trifft er auf bekannte Figuren des Marvel-Universums, darunter Yelena Belova und Bruce Banner. Schließlich nimmt er sogar die Unterstützung von Frank Castle an – dem Punisher, gespielt von Jon Bernthal, der nach seiner Serienvergangenheit nun seinen Einstand auf der großen Leinwand gibt.

Auch Sadie Sink sorgte im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit. Über ihre Rolle wurde lange spekuliert, konkrete Details hält der Film aber bewusst zurück.

Stärkerer Fokus auf Peter statt auf das große Marvel-Geflecht

Nach der Spider-Man-Trilogie von Jon Watts übernahm diesmal Destin Daniel Cretton die Regie. Obwohl die Geschichte direkt an frühere Ereignisse anschließt, wirkt der Film in mancher Hinsicht wie ein Neuanfang. Im Vordergrund steht weniger das übliche Marvel-Großereignis als vielmehr Peter Parkers persönlicher Konflikt.

Marvel-Studios-Chef Kevin Feige betonte, dass Peter in den ersten MCU-Filmen vor allem als Teil eines größeren Universums gezeigt worden sei. „Brand New Day“ richte den Blick nun viel stärker auf ihn selbst und auf New York als Schauplatz.

Das merkt man auch optisch: Die Stadt spielt eine zentrale Rolle, und Spider-Man schwingt wieder ausführlich durch die Häuserschluchten Manhattans. Die Kulissen – teils in den britischen Pinewood Studios nachgebaut – werden intensiv genutzt und verleihen dem Film ein klassisches New-York-Gefühl.

Starke Chemie zwischen Holland und Zendaya

Besonders überzeugend sind die gemeinsamen Szenen von Tom Holland und Zendaya, die auch privat ein Paar sind. Ihre Vertrautheit verleiht den Momenten zwischen Peter und MJ zusätzliche Glaubwürdigkeit und emotionale Kraft.

Holland erklärte dazu, dass sich viele Szenen im Verlauf der Dreharbeiten stark verändert hätten. Das gelte nicht nur für seine Auftritte mit Zendaya, sondern für den Film insgesamt. Auch seine langjährige Verbindung zu Jon Bernthal habe den Ton der gemeinsamen Szenen mit dem Punisher beeinflusst.

Bernthal bringt als harter, direkter Gegenpart eine andere Energie in den Film und bildet einen reizvollen Kontrast zum nachdenklichen Peter Parker. Obwohl der Punisher selbst eine tragische Figur bleibt, sorgt er hier auch für einige der unterhaltsameren Momente.

Emotional stark, aber etwas zu lang

Nach mehr als 30 Marvel-Filmen wird es zunehmend schwieriger, das Publikum noch mit immer neuen Schauwerten zu überraschen. „Spider-Man: Brand New Day“ bietet zwar solide und teils packende Action, seine größte Stärke liegt jedoch klar in den ruhigen, emotionalen Szenen. Gerade dort entfaltet der Film seine Wirkung. Tom Holland spielt Peter Parker mit viel Feingefühl, sodass dessen Schmerz, Sehnsucht und innere Zerrissenheit spürbar werden.

Allerdings bremst die Erzählung stellenweise aus. Zahlreiche Rückblenden und lange Dialogpassagen nehmen Tempo aus dem Film und sorgen dafür, dass sich manche Abschnitte ziehen. Trotz vieler gelungener Momente wirkt die Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden letztlich etwas zu ausgedehnt.

Fazit

„Spider-Man: Brand New Day“ ist weniger ein typisches Marvel-Spektakel als eine persönlichere Geschichte über Verlust, Isolation und die Schwierigkeit, Hilfe anzunehmen. Der Film punktet vor allem mit seiner emotionalen Seite, starken Hauptdarstellern und einem Spider-Man, der sich nicht nur äußeren Feinden, sondern auch sich selbst stellen muss. Nicht alles sitzt perfekt, doch gerade als Charakterdrama hinterlässt der Film Eindruck.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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