Wirtschaft

Ifo: Jobabbau lässt überraschend nach

Arbeitsmarkt zeigt erste Lichtblicke – doch in zwei Schlüsselbranchen bleibt die Lage weiter alarmierend.

29.07.2026, 08:57 Uhr

Ifo-Barometer: Lage am Arbeitsmarkt hellt sich leicht auf – IAB bleibt skeptisch

Die Perspektiven für den deutschen Arbeitsmarkt haben sich zuletzt etwas verbessert. Das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts legte im Juli um 0,8 Punkte auf 93 Zähler zu. Nach Einschätzung von Ifo-Fachmann Klaus Wohlrabe zeigt sich damit eine gewisse Stabilisierung, auch wenn die Situation insgesamt angespannt bleibt. Für eine echte Wende sei jedoch mehr wirtschaftlicher Schwung nötig.

Noch im April war der Indikator auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahren gefallen. Inzwischen bewegt er sich wieder in etwa auf dem Niveau, das bereits über weite Strecken der vergangenen anderthalb Jahre zu beobachten war.

Weniger optimistisch fällt der Blick des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus. Dessen Arbeitsmarktbarometer sank im Juli um 0,2 Punkte auf 99,4 Zähler. Damit liegt der Wert unter der Marke von 100 Punkten, die für eine neutrale Entwicklung steht. 90 Punkte würden eine besonders schwache, 110 Punkte eine besonders gute Entwicklung anzeigen.

Nahost und Ölpreise belasten zusätzlich

Nach Einschätzung des IAB steigt die Arbeitslosigkeit bereits seit vier Jahren. Lange habe es dennoch noch einen positiven Beschäftigungsausblick gegeben. Inzwischen reichten die Belastungen durch Wirtschaftskrise und demografischen Rückgang jedoch aus, um diesen Puffer aufzubrauchen. Hinzu komme die jüngste Eskalation im Nahen Osten, die über steigende Ölpreise zusätzlichen Druck auf den Arbeitsmarkt ausübe.

Industrie bleibt großes Sorgenkind

Nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen von der leichten Erholung. In der Industrie verschlechterte sich das Beschäftigungsbarometer erneut. Dort übersteigt der Anteil der Firmen, die Stellen abbauen wollen, den Anteil der Unternehmen mit Einstellungsplänen um 18,5 Prozentpunkte. Damit ist die Lage in diesem Sektor besonders schwach.

Nach Angaben des Ifo bleibt der Personalabbau in der Industrie das dominante Thema. In fast allen Bereichen wird mit weniger Beschäftigten geplant. Eine Ausnahme bilden allerdings Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Produkten, die zusätzliche Mitarbeiter einstellen wollen.

Handel etwas weniger pessimistisch

Auch im Handel bleibt die Stimmung mit einem Saldo von minus 15 Punkten negativ. Allerdings hat sich die Lage hier im Vergleich zu zuvor etwas verbessert.

Bei den Dienstleistern zeigte der Trend ebenfalls nach oben. Mit minus 2,6 Punkten fällt der Saldo deutlich weniger negativ aus als in anderen Bereichen. Dennoch sieht das Ifo weiterhin eine leichte Tendenz zum Stellenabbau. Besonders vorsichtig zeigen sich Unternehmen aus dem Gastgewerbe, während Rechts- und Steuerberatungsgesellschaften eher Personal aufbauen möchten.

Bauwirtschaft nahezu unverändert

In der Bauwirtschaft hat sich die Situation kaum verändert. Dort halten sich Neueinstellungen und Entlassungen laut Ifo weiterhin weitgehend die Waage. Die Unternehmen wollen ihren Personalbestand damit insgesamt ungefähr stabil halten. Der Saldo liegt in diesem Bereich bei minus 1,1 Punkten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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