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«Ich musste Rocky sein» – Stallone enthüllt in «The Steps»

Mit «Rocky» wurde Stallone zur Legende. 50 Jahre später packt er in seinen Memoiren aus – und enthüllt verstörende Details.

29.09.2026, 09:15 Uhr

Sylvester Stallone erzählt in seiner Autobiografie offen von Abstürzen, Ablehnung und seinem Weg zum Ruhm

Als Sylvester Stallone Mitte der 1970er Jahre aus New York nach Hollywood zog, hatte er weder Geld noch einen Namen. In seiner nun auch auf Deutsch erschienenen Autobiografie „The Steps: Die Geschichte meines Lebens“ beschreibt er, wie hart ihn die Filmwelt anfangs zurückwies. Gleich bei seinen ersten Versuchen, Kontakte zu knüpfen, habe ihm ein Casting-Verantwortlicher unmissverständlich klargemacht, dass er wegen seines undeutlichen Sprechens, seines Aussehens und seiner Gesichtslähmung kaum Chancen habe.

Der heute 80-Jährige, der später mit Reihen wie „Rocky“ und „Rambo“ weltberühmt wurde, schildert in dem Buch nicht nur seinen Aufstieg, sondern auch tiefe Verletzungen aus Kindheit und Jugend. Hinter dem Bild des unerschütterlichen Actionstars kommt ein Mann zum Vorschein, der von Ängsten, Kränkungen und Selbstzweifeln geprägt wurde. Besonders kritisch blickt Stallone auf seine Eltern zurück: auf einen gewalttätigen Vater und auf eine Mutter, die ihn nach eigener Darstellung nie wirklich gewollt habe und die Familie verließ, als er elf Jahre alt war.

Der Titel als Symbol seines Lebenswegs

Der Titel „The Steps“ verweist auf die berühmte Treppe vor dem Kunstmuseum in Philadelphia, die Rocky Balboa im Film hinaufläuft. Statt klassischer Kapitel ist das Buch in „Stufen“ aufgebaut. Stallone zeichnet darin seinen Weg bis zum gewaltigen Erfolg von „Rocky“ nach, der vor fast 50 Jahren mit dem Oscar für den besten Film gekrönt wurde. Das Boxerdrama war insgesamt zehnmal nominiert und gewann außerdem Auszeichnungen für Regie und Schnitt. Stallone selbst blieb trotz Nominierungen als Hauptdarsteller und Drehbuchautor ohne Trophäe, wurde durch den Film aber schlagartig zum Star.

Sylvester Stallone schreibt Autobiografie
Stallone schaut auf Erfolge und auf schwierige Kapitel seines Lebens zurück. Quelle: —/Verlag C. Bertelsmann/dpa

Wie er berichtet, schrieb er das Drehbuch über einen angeschlagenen Boxer, der sich zurückkämpft, in wenigen Tagen nieder. Zwar konnte er das Skript verkaufen, doch auf einer Bedingung bestand er: Er wollte die Hauptrolle selbst übernehmen. Die Produzenten hielten wenig von einem unbekannten Schauspieler mit Sprachproblemen und leichter Gesichtslähmung. Stallone blieb jedoch hartnäckig — und setzte sich am Ende durch. Rückblickend vergleicht er diesen Kampf mit dem seines Filmhelden Rocky: ein Ringen um Respekt, Würde und Selbstbehauptung.

Mehr als eine klassische Erfolgsstory

Für Filmfans bietet das Buch einen interessanten Blick auf die Hürden in Hollywood. Gleichzeitig geht es weit über eine gewöhnliche Karrieregeschichte hinaus. Stallone erzählt von einem Leben, das von Rückschlägen, Scham und dem ständigen Versuch geprägt war, sich gegen widrige Umstände zu behaupten.

Seinen unbeugsamen Willen führt er auch auf seine frühe Biografie zurück. Schon seine Geburt am 6. Juli 1946 in einer Klinik für arme Familien in New York sei schwierig gewesen. Durch eine Zangengeburt habe er bleibende Schäden davongetragen — darunter die markante Lähmung im Gesicht und Probleme beim Sprechen.

Schmerzhafte Erfahrungen in jungen Jahren

Zeitweise wurde Stallone von seinen Eltern in ein Internat für schwer erziehbare Jugendliche geschickt. Dort habe er traumatische Erlebnisse gehabt. Er schildert, wie er als Strafe in eine geschlossene Abteilung kam, die unter den Jugendlichen gefürchtet war, und dort körperliche Gewalt erfuhr. Gebrochen habe ihn das nach eigener Aussage jedoch nicht. Im Gegenteil: Er habe daraus zusätzliche Härte und Widerstandskraft entwickelt.

Gleichzeitig zieht sich durch seine Erinnerungen ein anderes Motiv: die vergebliche Suche nach Anerkennung durch die Eltern. Selbst als „Rocky“ 1977 Oscar-Geschichte schrieb, habe seine Mutter eine Einladung zur Gala abgelehnt. Sein Vater wiederum habe versucht, über eine kleine Rolle im Film von dem Erfolg des Sohnes zu profitieren. Stallone beschreibt diese Episode als Fehler, der zum Streit geführt habe. Zwischen den Zeilen wird deutlich, wie sehr ihn die fehlende Zuneigung seiner Eltern geprägt hat.

Armut, Gelegenheitsjobs und erste Filmrollen

Trotz vieler dunkler Passagen erzählt Stallone manche Episoden seiner frühen Jahre mit trockenem Humor. In New York habe er sich mit billigen Automatenfotos bei Agenten vorgestellt und sich darauf wie ein „italienischer Ameisenbär“ gefühlt. Er jobbte unter anderem als Reinigungskraft im Löwengehege eines Zoos und als Platzanweiser im Kino. Oft lebte er von Hüttenkäse und Eiern und hauste in winzigen Unterkünften.

In den frühen 1970er Jahren hielt er sich mit kleinen Filmauftritten über Wasser. Dazu gehörten ein Part in dem Erotikfilm „The Party at Kitty and Stud’s“, eine Minirolle in Woody Allens „Bananas“ sowie eine erste Sprechrolle in „Brooklyn Blues – Das Gesetz der Gosse“. Weil seine Schauspielkarriere nur schleppend voranging, wandte er sich zunehmend dem Schreiben zu — eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte.

Offenheit über Panikattacken und körperliche Folgen

Auch abseits des Buches spricht Stallone inzwischen ungewöhnlich ehrlich über seinen Lebensweg. In Interviews berichtete er zuletzt von Panikattacken, die ihn erstmals mit 36 Jahren getroffen hätten. Rückblickend sagt er, er habe seinen Körper über Jahre stark überfordert. Mehrere Rücken- und Schulteroperationen sowie Eingriffe an der Halswirbelsäule seien die Folge gewesen. Zwar sei er noch immer vergleichsweise fit, doch nur mit vielen Medikamenten könne er mithalten.

Zudem räumt Stallone ein, in jüngeren Jahren an Bulimie gelitten zu haben. Während der Dreharbeiten zu „Rocky III“ sei sein Körperfettanteil auf extreme 2,6 Prozent gefallen. Damals habe er kaum Nahrung bei sich behalten können. Diese Phase bezeichnet er heute als eine Art zwanghafte Körperverehrung. Ein solches Aussehen sei, so sein nüchternes Fazit, ohne Hilfsmittel und Steroide kaum zu erreichen.

Gewidmet seiner heutigen Familie

Seine Memoiren widmet Stallone seiner Frau Jennifer Flavin und den drei gemeinsamen Töchtern Sophia, Sistine und Scarlet. Trotz aller Härten seines Lebens endet das Buch mit einer einfachen Botschaft, die für ihn auch den Kern von „Rocky“ ausmacht: Es geht darum, nicht aufzugeben, wenn es schwierig wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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