Die jüngst von der US-Regierung freigegebenen Unterlagen zu jahrzehntelangen Meldungen über UFO-Sichtungen und andere rätselhafte Phänomene am Himmel haben keine spektakulären Belege für außerirdisches Leben geliefert. Doch genau diese offene Frage steht im Zentrum von Steven Spielbergs neuem Film.
Nach Werken wie Unheimliche Begegnung der dritten Art und E.T. – Der Außerirdische kehrt der 79-jährige Regisseur mit Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit erneut zu einem Thema zurück, das ihn seit Jahrzehnten beschäftigt: Wie würde die Menschheit reagieren, wenn Außerirdische tatsächlich auftauchten – oder wenn nur zweifelsfrei feststünde, dass es sie gibt?
Die alte Frage: Sind wir allein?
In Begleitmaterial zum Kinostart wird Spielberg mit den Worten zitiert, das öffentliche Interesse an den großen Fragen unserer Zeit sei so stark wie selten zuvor: Was geschieht über unseren Köpfen, in unserer Welt und womöglich sogar mit unserem Verständnis von Realität?
Für ihn sei vor allem eine Frage ausschlaggebend gewesen: Sind wir allein im Universum? Und falls staatliche Stellen mehr wissen, warum bleibt dieses Wissen verborgen? Diese Überlegung habe ihn dazu gebracht, noch einmal eine Geschichte über außerirdisches Leben zu erzählen. Spielberg selbst sagt, dass er an dessen Existenz glaubt.
Auch Hauptdarsteller Josh O’Connor sieht in dem Film mehr als ein Science-Fiction-Abenteuer. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er, es gehe im Kern um die menschliche Angst vor dem Unbekannten. Dafür müsse man nicht einmal an fremde Welten denken – solche Mechanismen zeigten sich schon im Alltag gegenüber Menschen, die uns fremd erscheinen.

Eine Wettermoderatorin, ein Whistleblower und ein Geheimnis
Die Handlung spielt vor dem Hintergrund einer drohenden militärischen Eskalation. Im Mittelpunkt stehen die Fernseh-Wettermoderatorin Margaret Fairchild, gespielt von Emily Blunt, und der Cybersicherheitsspezialist Daniel Kellner, den Josh O’Connor verkörpert.
Daniel arbeitet für die Organisation Wardex und soll streng geheime Regierungsdaten schützen. Doch er ist überzeugt, dass Informationen über außerirdische Besuche auf der Erde nicht unter Verschluss bleiben dürfen. Deshalb entwendet er sensibles Material.
Während Wardex-Chef Noah Scanlon, gespielt von Colin Firth, mit einem Spezialteam Jagd auf Daniel und dessen verunsicherte Partnerin Jane macht, erlebt auch Margaret verstörende Veränderungen. In einer Live-Sendung spricht sie plötzlich in einer unbekannten Folge aus Lauten und fremdartigen Klängen. Daniel ist der Einzige, der diese Sprache versteht. Zwischen beiden scheint eine unerklärliche Verbindung zu bestehen.
Um herauszufinden, was hinter den Ereignissen steckt und welche Wahrheiten Wardex verbirgt, begeben sich Margaret und Daniel auf eine gefährliche Reise. Unterstützt werden sie von Hugo Wakefield, dargestellt von Colman Domingo, einem früheren Vertrauten von Scanlon.
Spielberg zwischen Mystery, Thriller und Science-Fiction
Das Drehbuch schrieb Spielberg gemeinsam mit David Koepp, mit dem er bereits bei Filmen wie Jurassic Park, Krieg der Welten und Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels zusammengearbeitet hat.
Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit trifft thematisch einen Nerv der Gegenwart. Es geht nicht nur um die Möglichkeit außerirdischen Lebens, sondern ebenso um Transparenz, Desinformation, politische Geheimhaltung und die Frage, wie Wahrheit in einer aufgeheizten Öffentlichkeit verhandelt wird. Auch das Spannungsfeld zwischen Glauben und Wissenschaft spielt eine wichtige Rolle.
Der Film verbindet Action, Mystery, Politthriller und Science-Fiction-Drama zu einem vielschichtigen Mix. Zur besonderen Wirkung trägt erneut die Musik von John Williams bei. Der inzwischen 94-jährige Komponist hat bereits für rund 30 Spielberg-Filme die Filmmusik geschrieben, darunter Der weiße Hai, E.T. und Indiana Jones.
Wie so oft in diesem Genre lebt auch dieser Film stark von dem, was nicht gezeigt wird. Das Unsichtbare erzeugt mindestens ebenso viel Spannung wie die sichtbaren Ereignisse. Spielberg bezeichnet den Film als eine Art Gegenstück zu Unheimliche Begegnung der dritten Art. In einer markanten Actionszene erinnert die Inszenierung zudem deutlich an sein frühes Werk Duell.
Hoffnung statt Zynismus
An die Magie einiger früherer Spielberg-Klassiker reicht Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit zwar nicht ganz heran. Dennoch ist es ein Film, der mit seiner Haltung in die Gegenwart passt: emotional, optimistisch und klar auf Menschlichkeit und Mitgefühl ausgerichtet.
Für Josh O’Connor liegt genau darin die wichtigste Botschaft. Es gehe darum, Verständnis füreinander zu entwickeln und anderen mit mehr Vertrauen zu begegnen. Diese Haltung sei typisch für Spielberg. Schon in E.T. und Unheimliche Begegnung der dritten Art habe sich gezeigt, dass seine Filme eher auf Hoffnung und die besten Seiten des Menschen setzen als auf Zynismus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion