Als Stellan Skarsgård im Januar für seine Rolle in „Sentimental Value“ mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde, gab er sich auf der Bühne betont überrascht. Er habe nicht damit gerechnet, scherzte der Schwede, schließlich sei er inzwischen zu alt. Die Filmbranche sieht das offenbar anders: An seinem 75. Geburtstag steht Skarsgård erfolgreicher da denn je. Er erhielt in diesem Jahr erstmals eine Oscar-Nominierung und gewann neben dem Golden Globe auch den Europäischen Filmpreis.
Trotz des Erfolgs beschäftigt ihn die Sorge, künftig nur noch als gebrechlicher alter Mann besetzt zu werden. In der Reihe „Actors on Actors“ sagte er Ende 2025 im Gespräch mit seinem Sohn Alexander, viele Drehbuchautoren seien deutlich jünger und hätten oft keinen wirklichen Zugang zu alten Menschen. Häufig bekomme er Rollenangebote für Figuren mit Demenz oder Alzheimer. Das wolle er, bei allem Respekt, noch nicht spielen.
Skarsgård steht seit rund sechs Jahrzehnten vor der Kamera. Schon als Jugendlicher wurde er in Schweden durch die Fernsehserie „Bombi Bitt och jag“ bekannt und zum Teenie-Idol. Mit 17 brach er die Schule ab, um sich ganz der Schauspielerei zu widmen. Nach eigenen Angaben wirkte er in etwa 150 Filmen mit, auch wenn einige davon, wie er selbst einmal witzelte, eher kurz gewesen seien. Am Flughafen Stockholm-Arlanda gehört sein Porträt selbstverständlich zu den großen Bildern berühmter Schwedinnen und Schweden.
Karriere zwischen Arthouse und Blockbuster
Auch international zählt Skarsgård seit langem zu den gefragtesten Schauspielern seines Landes. 1988 war er in „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ zu sehen, zwei Jahre später in „Jagd auf Roter Oktober“. In „Good Will Hunting“ spielte er an der Seite von Matt Damon, in „Illuminati“ mit Tom Hanks.

Ein breites Publikum kennt ihn zudem aus Filmen wie „Mamma Mia!“ (2008), „Der Medicus“ (2013) oder aus den „Fluch der Karibik“-Abenteuern. In „Dune“ war er 2021 und 2024 Teil des Star-Ensembles um Timothée Chalamet, außerdem überzeugte er in der „Star Wars“-Serie „Andor“.
Alexander Skarsgård erinnert sich an seinen unkonventionellen Vater
Besonders viel Lob von Kritikern bekam Skarsgård zuletzt für den norwegischen Film „Sentimental Value“ von Joachim Trier. Darin verkörpert er einen Regisseur und von seinen Kindern entfremdeten Vater. Sein ältester Sohn Alexander neckte ihn dazu in „Actors on Actors“ mit der Frage, ob er dort nicht einfach sich selbst spiele.
Alexander Skarsgård erzählte außerdem, er habe sich als Kind manchmal einen ganz gewöhnlichen Vater gewünscht – einen Mann mit Saab und Anzug statt mit auffälligen Hippie-Sarongs oder mitunter ganz ohne viel Kleidung.
Ein schlechtes Vorbild für seine Kinder war Stellan Skarsgård dennoch offenbar nicht: Fünf seiner acht Kinder sind ebenfalls Schauspieler geworden. So erfolgreich sogar, dass er sich in der „Late Show“ mit Stephen Colbert im Mai 2025 augenzwinkernd als „Nepo Daddy“ bezeichnete – also als Vater, der vom Ruhm seiner Kinder profitiert. Nach acht Kindern mit zwei Frauen sei dann aber Schluss gewesen, sagte er einmal; anschließend habe er sich sterilisieren lassen. In zweiter Ehe ist Skarsgård mit der 25 Jahre jüngeren US-Amerikanerin Megan Everett verheiratet.
Mit ihr lebt er in einer Wohnung im Stockholmer Stadtteil Södermalm. Obwohl seine Adresse im Internet leicht zu finden ist, wird er dort kaum bedrängt. In Schweden respektiere man die Privatsphäre anderer, was womöglich erklärt, warum Skarsgård trotz seines Weltruhms so bodenständig wirkt.
Nach einem Schlaganfall vor einigen Jahren hat er allerdings mit Folgen zu kämpfen. Er kann sich Dinge schlechter merken, Namen fallen ihm nicht immer ein, und Gespräche strengen ihn mehr an als früher. Seine Texte lässt er sich deshalb über einen Knopf im Ohr von einem Souffleur zuflüstern.
Seinen Humor hat er sich dennoch bewahrt. Für einen trockenen Spruch ist Skarsgård weiterhin gut. In „Actors on Actors“ sagte er scherzhaft, er habe mit fast 75 noch immer nicht herausgefunden, was er eigentlich einmal werden wolle. Deshalb spiele er eben weiter – solange es gut bezahlt werde und ihm Freude mache.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion