Viel auszusetzen hat Lizzo am Leben als Popstar nicht. Der Kalender ist zwar voll, die Tage sind eng getaktet – doch sie nimmt es gelassen. Schließlich könne sie sich in Glitzer werfen, tanzen und das Publikum liebe genau das, sagte sie sinngemäß. An diesem Freitag, dem 5. Juni, ist ihr neues Album „Bitch“ erschienen.
Der Weg zum Ruhm war kein Selbstläufer
Auch wenn ihr Erfolg heute selbstverständlich wirken mag, verlief der Start ihrer Karriere alles andere als mühelos. Bevor Lizzo 2019 ihren großen Durchbruch schaffte und von vielen Fans gefeiert wurde, musste sie lange kämpfen. Im Podcast der „New York Times“ erzählte die Musikerin, die mit bürgerlichem Namen Melissa Viviane Jefferson heißt, dass sie anfangs vor nur wenigen Menschen auftrat und nahezu jede Gelegenheit annahm, die sich ihr bot. Ihr erstes Festival spielte sie fast vor leerem Publikum. Gerade als sie darüber nachdachte, alles hinzuschmeißen, änderte sich ihr Schicksal.
„Truth Hurts“ macht Lizzo zum Weltstar
Der Wendepunkt kam mit „Truth Hurts“. Obwohl der Song bereits 2017 veröffentlicht wurde, entwickelte er sich erst 2019 zum riesigen Hit und brachte ihr mehrere Grammy-Nominierungen ein. Bis heute hält das Lied den Guinness-Weltrekord als der Song einer Solo-Rapperin, der sich am längsten auf Platz eins der Billboard-Charts hielt. Im selben Jahr arbeitete sie außerdem mit Missy Elliott zusammen – einer der prägendsten Rap-Künstlerinnen überhaupt. Spätestens da war klar: Lizzo hatte die Popwelt im Sturm erobert.

Schon früh wurde sie als außergewöhnliche Figur im Pop wahrgenommen. Die „Teen Vogue“ bezeichnete sie 2018 als jene sexpositive, twerkende Gospel-Sängerin, die die Welt brauche. In ihren Songs verpackt Lizzo schwierige Themen oft in eine leichte, ermutigende Sprache. Viele Menschen fühlen sich von ihrer Musik getröstet – und noch mehr von dem, wofür sie steht.
Symbol für Selbstbewusstsein und neue Schönheitsbilder
Lizzo strahlt Lebensfreude und Selbstsicherheit aus – nicht zuletzt auf der Bühne. Gleichzeitig öffnete sie Türen, die im Popgeschäft lange verschlossen schienen. Als schwarze, dicke Frau trat sie mit einer Selbstverständlichkeit auf, die in der Branche selten war. Sie zeigte ihren Körper offen, trug freizügige Looks und setzte damit neue Maßstäbe dafür, wie Schönheit im Mainstream dargestellt werden kann. Auch sehr persönliche Themen sprach sie öffentlich an. So erzählte sie kürzlich in einem Podcast, dass sie bis in ihre frühen Dreißiger hinein Jungfrau gewesen sei.
Selbstliebe musste sie selbst lernen
Dabei war Selbstakzeptanz für Lizzo keineswegs immer selbstverständlich. Sie sagte über sich, sie sei lange vor allem als die „dicke, lustige Freundin“ wahrgenommen worden. Sich selbst als attraktive Frau zu sehen, fiel ihr schwer. Ihr Song „My Skin“ aus dem Jahr 2015 ist eine direkte Auseinandersetzung mit diesem Thema. Die Resonanz darauf habe ihr gezeigt, dass Musik tatsächlich etwas bewirken könne. Deshalb habe sie sich entschlossen, wie sie es nennt, „nützliche“ Musik zu machen. Für viele ihrer Fans wurde Lizzo dadurch zur Verkörperung von Selbstliebe, Ehrlichkeit und Empowerment.
Schwere Vorwürfe erschüttern ihr Image
Dieses Bild bekam 2023 jedoch deutliche Risse. Drei ehemalige Tänzerinnen erhoben schwere Anschuldigungen gegen den Star. Im Raum standen Vorwürfe wie sexuelle Belästigung, Diskriminierung und ein vergiftetes Arbeitsklima. Für Lizzo, die sich stets als besonders echt und unverstellt präsentiert hatte, waren diese Vorwürfe besonders schädlich. Plötzlich musste sie sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, nicht so authentisch zu sein, wie sie selbst und viele Fans es lange glaubten.
Ihr öffentliches Ansehen litt stark darunter. Danach wurde es spürbar ruhiger um die Sängerin, deren Karriere wenige Jahre zuvor noch wie ein Musterbeispiel für einen perfekten Aufstieg gewirkt hatte.
„Bitch“ als Rückkehr ins Rampenlicht
Mit „Bitch“ meldet sich die heute 38-Jährige nun zurück. Das Album wirkt an manchen Stellen wie eine Reaktion auf die vergangenen Jahre – etwa wenn sie gleich zu Beginn einen Trinkspruch auf jene ausbringt, die ihr wehgetan haben. Für jedes Album habe sie eine bestimmte Inspirationsfigur, erklärte Lizzo. Diesmal sei es Tina Turner gewesen. Besonders deutlich wird das im Song „Don’t Make Me Love You“, der hörbar an die Tradition von Turners Klassiker „The Best“ anknüpft.
Auch darüber hinaus greift das Album viele Pop-Einflüsse aus den 80ern, 90ern und 2000ern auf. Der Titelsong „Bitch“ verbindet Anklänge an Missy Elliott mit Erinnerungen an den feministischen 90er-Hit von Meredith Brooks. „That Grrrl“ wiederum erinnert stark an den Synth-Pop-Sound von The Human League. Das Album setzt damit bewusst auf Nostalgie – und dürfte genau damit auf offene Ohren stoßen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion