Tochter von Rudi Carrell erinnert an ihren Vater zum 20. Todestag
Zum 20. Jahrestag des Todes von Rudi Carrell hat seine Tochter Annemieke Kesselaar über den Entertainer und dessen traditionelles Bild von Mann und Frau gesprochen. Im Gespräch mit der Zeitschrift „Bunte“ sagte sie, sie sei in einer Zeit groß geworden, in der Emanzipation und Feminismus zunehmend wichtiger geworden seien. Ihr Vater habe von dieser Entwicklung jedoch wenig mitgenommen.
Carrell, der in den 1940er Jahren geprägt worden sei, habe Frauen gegenüber ein eher althergebrachtes Rollenverständnis gehabt. Nach den Worten seiner Tochter sah er sich selbst gewissermaßen als „Jäger und Sammler“. Seine Vorstellung vom Leben sei gewesen, dass die Frau das Zuhause in Ordnung halte, während er sich um alles andere kümmere. Für sie sei das nicht immer einfach gewesen.
Trotz allem: ein toleranter Mensch
Gleichzeitig beschrieb Kesselaar ihren Vater als sehr aufgeschlossen. Schon früh habe er ihr vermittelt, dass Deutsche und Niederländer sich im Grunde nicht unterschieden. Gerade in niederländischen Familien sei diese Haltung nach dem Krieg keineswegs selbstverständlich gewesen, da es vielerorts Vorbehalte gegenüber Deutschen gegeben habe.
Ihr Vater habe ihr sinngemäß erklärt, dass es in Deutschland genauso viele unangenehme wie sympathische Menschen gebe wie anderswo auch.
Auf die Frage, ob sie sich ein Leben an der Seite eines Mannes wie ihres Vaters hätte vorstellen können, antwortete Kesselaar eher zurückhaltend. Grundsätzlich wohl eher nicht, sagte sie. Zugleich verwies sie darauf, dass sie seit 46 Jahren glücklich verheiratet sei — und ihr Mann durchaus einige Eigenschaften mit ihrem Vater teile.
Rudi Carrell starb am 7. Juli 2006 im Alter von 71 Jahren an Krebs. Der gebürtige Niederländer zählte mit Sendungen wie „Am laufenden Band“ zu den prägenden Showmastern im deutschen Fernsehen und stand in einer Reihe mit Größen wie Peter Frankenfeld, Hans-Joachim Kulenkampff und Thomas Gottschalk.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber