Politik

Sánchez kontert Trumps Wutrede über Spanien

Trump tobt gegen Spanien, Sánchez bleibt cool. Was hinter Nato-Zoff, Handelsdrohungen und ihrem Smalltalk steckt.

08.07.2026, 16:50 Uhr

Nach der heftigen Kritik von US-Präsident Donald Trump hat Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez demonstrativ gelassen reagiert. Vor Journalisten sagte der Sozialist, er nehme Trumps Äußerungen „mit Ruhe und Geduld“ zur Kenntnis.

Trump hatte Spanien beim Nato-Gipfel in Ankara scharf angegriffen. Hintergrund ist, dass Madrid das Nato-Ziel ablehnt, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Zudem verweigerte Spanien den USA im Zusammenhang mit dem Krieg gegen Iran die Nutzung von Stützpunkten.

Sánchez betonte, es habe im persönlichen Kontakt mit Trump keinerlei Spannungen gegeben. Noch vor dem Gruppenfoto habe man in lockerer Atmosphäre über Fußball und die Weltmeisterschaft gesprochen. „Im Gegenteil, es gab nur freundliche Worte und Höflichkeit“, sagte der Regierungschef. Zugleich unterstrich er, dass Spanien seine Verpflichtungen innerhalb der Nato erfülle.

Trump wettert gegen Spanien

Auf einer Pressekonferenz steigerte sich Trump erneut in scharfe Vorwürfe gegen das Nato-Land hinein. Spanien sei „ein hoffnungsloser Fall“ und ein „furchtbarer Partner“ im Bündnis, sagte er. Madrid beteilige sich nicht ausreichend und zahle nicht genug. Wütend erklärte Trump weiter, er wolle „nichts mit Spanien zu tun haben“.

Danach versuchte der US-Präsident, das Land mit einer spöttischen Bemerkung lächerlich zu machen. Er malte das Szenario aus, Spanien werde am Ende doch um Handelsbeziehungen mit den USA bitten. Dabei ließ Trump außer Acht, dass die Vereinigten Staaten derzeit mehr Waren nach Spanien exportieren als umgekehrt.

NATO-Gipfel in der Türkei
US-Präsident Donald Trump hat sich beim Nato-Gipfel in Ankara Spanien vorgeknöpft, dem er vorwarf, ein verlorener Fall und ein schrecklicher Nato-Partner zu sein. Quelle: Alex Brandon/AP/dpa

Sánchez gilt in Europa als einer der entschiedensten Kritiker von Trumps Außen- und Militärpolitik. Spanien ist innerhalb der Nato derzeit das einzige Mitgliedsland, das eine Anhebung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des BIP klar zurückweist.

Handelsdrohungen wären nur schwer umzusetzen

Trumps Ankündigung, die Handelsbeziehungen mit Spanien zu kappen, dürfte sich in der Praxis als kompliziert erweisen. Spanien ist Mitglied der Europäischen Union und damit Teil des europäischen Binnenmarkts, in dem Waren und Dienstleistungen frei zirkulieren.

Die Zuständigkeit für Handelspolitik liegt zudem weitgehend nicht bei den einzelnen Mitgliedstaaten, sondern bei der EU-Kommission in Brüssel, die auch in Konflikten wie Zollstreitigkeiten für die gesamte Union verhandelt.

Sollte Washington tatsächlich ein Embargo gegen Spanien verhängen, könnte die EU als Reaktion ihr Instrument gegen wirtschaftlichen Druck einsetzen. Dieses würde es ermöglichen, US-Unternehmen von öffentlichen Ausschreibungen auszuschließen oder große amerikanische Digitalkonzerne wie Apple, Microsoft, Google oder Meta mit zusätzlichen Abgaben zu belegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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