Naturschutzprojekt „Grünes Band Dreiländereck“ gestartet
Was einst als streng bewachter Todesstreifen die Bundesrepublik und die DDR trennte, gilt heute als bedeutender Rückzugsraum für die Natur: das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Die Länder Bayern, Sachsen und Thüringen haben nun das Naturschutzgroßprojekt „Grünes Band Dreiländereck“ gestartet. Für die nun anlaufende Planungsphase stehen rund eine Million Euro zur Verfügung. Ziel ist es, das Grüne Band und angrenzende Flächen dauerhaft zu sichern, besser zu vernetzen und weiterzuentwickeln.
Bei der Auftaktveranstaltung im einst geteilten Ort Mödlareuth wurde Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) nicht selbst erwartet, sondern von Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, vertreten. Sie betonte, dass hier zusammenhängende Lebensräume entstünden, in denen nicht nur Tier- und Pflanzenarten geschützt würden, sondern auch die Erinnerung an Teilung und friedliche Wiedervereinigung erhalten bleibe. Zudem verbinde die Einbindung von Bevölkerung, Verwaltungen und Betrieben den Naturschutz mit regionaler Identität und deutsch-deutscher Geschichte.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte in Mödlareuth außerdem die Hoffnung, dass das Grüne Band bald Unesco-Weltkultur- und Naturerbe wird. Bayern unterstütze den Antrag ausdrücklich. Seit 2024 steht das Projekt bereits auf der deutschen Vorschlagsliste für das Unesco-Weltnatur- und Kulturerbe.
Lebensraum für seltene Arten
Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) profitierte die Natur paradoxerweise von der jahrzehntelangen Abriegelung der Grenze. Der kaum berührte Streifen wurde zu einem Refugium für mehr als 1.200 seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Nach dem Mauerfall entstand dort eines der größten und wichtigsten Naturschutzvorhaben Deutschlands. Das Grüne Band erstreckt sich über rund 1.400 Kilometer von der Ostsee bis nach Bayern.
Gerade im Bereich zwischen Bayern, Thüringen und Sachsen heben Umweltschützer die Bedeutung der Fließgewässer Südliche Regnitz, Saale und Tannbach hervor. Sie bieten seltenen Arten wie dem Feuersalamander und der Flussperlmuschel wertvolle Rückzugsräume. Hinzu kommen artenreiche Berg- und Feuchtwiesen, Heideflächen, Buchenwälder und Moore.
Zu den charakteristischen Arten des Grünen Bands zählen darüber hinaus unter anderem der Goldene Scheckenfalter, der Luchs sowie seltene Orchideenarten wie der Frauenschuh.
Sachsen weist Abschnitt als Nationales Naturmonument aus
Sachsen hat seinen Abschnitt des früheren Grenzstreifens Ende April als Nationales Naturmonument ausgewiesen. Mit dem neuen Dreiländerprojekt sei der Wunsch verbunden, die schützenswerten Flächen am Grünen Band mit weiteren Bereichen zu vernetzen und die einst trennende Grenze gemeinsam zu einem verbindenden Lebensraum zu entwickeln, erklärte der sächsische Staatssekretär Ulrich Menke.
Aus dem Thüringer Umweltministerium hieß es zudem, der Erhalt des Grünen Bands sei eine gemeinsame Naturschutzaufgabe von Bund, Ländern, Kommunen und anerkannten Naturschutzvereinigungen.
Natur, Erinnerung und Demokratie
Der bayerische BUND-Landeschef Martin Geilhufe betonte, am Grünen Band gehörten Natur und Geschichte untrennbar zusammen. Es sei eine einzigartige Erinnerungslandschaft und ein lebendiges Symbol für Frieden, Freiheit und Demokratie.
Neben seiner ökologischen Funktion hat das Gebiet deshalb auch eine historische Dimension. Entlang des Grünen Bands finden sich zahlreiche Gedenk- und Erinnerungsorte zur deutschen Teilung, darunter auch das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth.
Initiative reicht bis in die Zeit nach dem Mauerfall zurück
Der BUND hatte das Projekt „Grünes Band“ nach eigenen Angaben bereits wenige Wochen nach dem Mauerfall im Jahr 1989 ins Leben gerufen.
Darüber hinaus ist das Grüne Band Teil eines europaweiten Verbunds entlang des früheren Eisernen Vorhangs. Dieses Netzwerk reicht über mehr als 12.500 Kilometer – vom Eismeer über das Schwarze Meer bis zur Adria – und verbindet zahlreiche Schutzgebiete.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber