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Podolski privat auf Netflix – Ehekrise enthüllt?

In „Poldi“ zeigt Netflix Lukas Podolski so privat wie nie – mit Momenten, die selbst eingefleischte Fans verblüffen.

04.06.2026, 05:15 Uhr

Nostalgie rund ums Sommermärchen – und eine Doku über den Menschen Podolski

In den kommenden Wochen jährt sich das deutsche „Sommermärchen“ zum 20. Mal. Für viele Fußballfans ist die Heim-WM 2006 bis heute mit starken Gefühlen verbunden: schwarz-rot-goldene Fähnchen an Autos, die Songs der Sportfreunde Stiller, Oliver Pochers „Schwarz und weiß“ – und eine junge Nationalmannschaft, die mit dem Duo Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger ein ganzes Land mitriss.

Von einer ähnlichen Euphorie vor der anstehenden WM in den USA, Kanada und Mexiko ist bislang wenig zu spüren. Statt Vorfreude dominiert vielerorts der Blick zurück. Pocher bringt eine Partyversion seines alten WM-Hits heraus, im ZDF läuft die dreiteilige Doku „Mission Sommermärchen“ – und auch Podolski selbst rückt mit einer eigenen Netflix-Produktion wieder in den Mittelpunkt.

Der 90-minütige Film „Poldi“, der an Podolskis 41. Geburtstag startet, stammt von der Produktionsfirma bildundtonfabrik, die auch durch „How To Sell Drugs Online (Fast)“ bekannt ist. Schon der Auftakt zeigt, dass die Macher einen ungewöhnlichen Zugang wählen: Nacheinander nehmen prominente Weggefährten wie Joachim Löw, Oliver Kahn, Toni Kroos und Thomas Müller Platz, um über Podolski zu sprechen.

Poldi will keine typische Sportler-Doku

Doch Podolski macht früh klar, dass er mit klassischen Sportlerporträts wenig anfangen kann. Solche Dokus seien ihm schlicht zu langweilig, sagt er sinngemäß – da komme am Ende ohnehin nichts Neues, was man nicht schon kenne. Passend dazu stehen Löw und Co. in der Szene wieder auf und verlassen das Set. Ein origineller Einstieg, der die Richtung des Films vorgibt.

Zwar tauchen einige Fußballgrößen später noch vereinzelt auf, der Schwerpunkt liegt aber klar auf dem Privatmenschen Podolski. Zu Wort kommen vor allem Familienmitglieder: seine Oma, seine Mutter, sein Vater, seine Schwester und sein Sohn. Das Regie-Duo Nicolas Berse-Gilles und Simone Schillinger, das auch „Mission Sommermärchen“ verantwortet, zeigt den in Polen geborenen Ex-Nationalspieler unter anderem beim Sumo in Japan, beim Radfahren mit der Familie und beim Kölner Rosenmontagszug.

Bei der Premiere im Kölner Stadion sagte Podolski, man habe bewusst einen anderen Ansatz gewählt: etwas weniger Fußball und dafür mehr Szenen aus anderen Lebensbereichen. Genau das trägt den Film.

Monika Podolski gibt ihr erstes Interview

Besonders bemerkenswert ist der Auftritt seiner Frau Monika. Sie hält sich sonst fast komplett aus der Öffentlichkeit heraus und gibt für die Doku ihr erstes Interview – auch wenn sie nicht im Bild zu sehen ist, sondern nur zu hören. Podolski sprach von einem Kompromiss und davon, dass es einige Überzeugungsarbeit gebraucht habe. Am Ende sei sie offen dafür gewesen, weil sie wollte, dass die Doku etwas Besonderes wird und auch ihre Sicht auf ihn erzählt.

Die ebenfalls aus Polen stammende Monika Podolski berichtet vom ersten Kennenlernen mit dem damaligen Nachwuchsspieler des 1. FC Köln – an der Tischtennisplatte in der Schule. Offen spricht sie außerdem über eine schwierige Phase nach Podolskis Rückkehr nach Köln im Jahr 2008. Damals habe es Streit gegeben, man habe teils wochenlang nicht miteinander gesprochen und sei zwischenzeitlich auch nicht zusammen gewesen. Letztlich fanden beide aber schnell wieder zueinander.

Zwischen Familie, Fußball und Geschäftsideen

Beim Schauen stellt sich immer wieder die Frage, wie Podolski seine vielen Rollen gleichzeitig ausfüllt. Neben seiner Laufbahn als Fußballprofi ist er auch Unternehmer – mit eigener Döner-Kette, Eisladen und Musikfestival. Der Film vermittelt den Eindruck, dass er deutlich mehr Zeit auf Trainingsplätzen und in Flugzeugen verbracht hat als am Küchentisch mit seiner Frau und den drei Kindern.

Auf diese Dauerbelastung angesprochen, antwortet Podolski knapp: „Wer schläft, verliert.“ Und was ihn antreibt? Darauf hat er selbst keine große Erklärung: „Weiß ich nicht.“

So änderte Podolski die Pläne der Filmemacher

Ursprünglich sollte die Netflix-Doku Podolski auch bei seiner vermeintlich letzten Profisaison bei seinem Jugendverein Górnik Zabrze begleiten. Zu Beginn klingt es noch so, als werde genau diese Abschiedsreise dokumentiert. Doch während der Dreharbeiten wachsen beim ehrgeizigen Stürmer die Zweifel, ob er wirklich aufhören will. Seine einfache Frage: Warum sollte man etwas aufgeben, das man so sehr liebt?

Am Ende entscheidet er sich, noch eine weitere Saison dranzuhängen. Für die Filmemacher kam das überraschend, war aber kein Problem. Sie erklärten, eine reine Sportdoku hätte von seiner tatsächlich letzten Saison womöglich sogar noch stärker profitiert – schließlich wurde Podolski mit seinem Club Pokalsieger und Vizemeister. Ihr Film wolle jedoch bewusst kein klassisches Fußballporträt sein.

Sehenswert, kurzweilig und mit einer starken Pointe

Insgesamt ist „Poldi“ eine gelungene, kurzweilige und kreativ erzählte Dokumentation. Auch das Ende setzt einen besonderen Akzent: Die Schlussnote spielt mit einer Pointe rund um Mario Götzes entscheidendes Tor im WM-Finale 2014.

Dass der größte sportliche Moment von Podolskis Karriere erst im Abspann auftaucht, passt zum Bild, das der Film von ihm zeichnet. Podolski wirkt bodenständig und wenig auf Trophäen fixiert. Er sagt selbst, dass er sich nie über Pokale definiert habe. Für ihn bedeute Fußball eben weit mehr als Titel – nämlich Stadien, Fans und alles, was diesen Sport ausmacht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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