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Heute ESC-Finale: Ist Sarah Engels‘ Startnummer fatal?

ESC-Showdown in Wien: Kann Sarah Engels den Todesplatz 2 trotzen – trotz Boykotten und Mega-Sicherheitskontrollen?

16.05.2026, 03:55 Uhr

ESC-Finale in Wien: 25 Acts kämpfen um den Titel

Beim 70. Eurovision Song Contest steigt am Samstagabend in Wien das große Finale. Ab 21.00 Uhr treten 25 Songs gegeneinander an. Für Deutschland startet Sarah Engels mit der Nummer „Fire“ auf Position zwei.

Überschattet wird die Show von politischen Spannungen: Fünf Länder haben den ESC 2026 aus Protest gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen und gegen dessen Teilnahme boykottiert. Unter den Fernbleibenden ist mit Spanien auch ein Mitglied der sogenannten Big Five, die normalerweise automatisch für das Finale qualifiziert sind.

Nach Einschätzung der Wettbüros zählt Sarah Engels nicht zu den Siegkandidatinnen. Deutschland hatte 2025 Rang 15 belegt, im Jahr davor Platz 12. Als aussichtsreichster Favorit gilt in diesem Jahr Finnland. Der Gewinner dürfte wegen der aufwendigen Punktevergabe erst gegen 1.00 Uhr in der Nacht feststehen.

Im vergangenen Jahr hatte in Basel der österreichische Countertenor JJ den Wettbewerb gewonnen. Deshalb richtet diesmal Österreich gemeinsam mit dem ORF die Show aus. Durch den Abend führen Victoria Swarovski und Schauspieler Michael Ostrowski.

Sarah Engels und der verrufene Startplatz

Für die 33-Jährige aus Köln verliefen die Tage in Wien bislang erfolgreich. Ihr außer Konkurrenz gezeigter Auftritt im Halbfinale wurde vielfach gelobt. Besonders ihre aufwendige Choreografie kam gut an, bei der sie sich kontrolliert rückwärts in die Arme ihrer Tänzerinnen fallen lässt. Zudem wurde „Fire“ mit einem ruhigeren Beginn emotionaler inszeniert.

Heute ESC-Finale: Sarah Engels mit «tödlicher» Startnummer?
Griechenland schickt Sänger Akylas Mytilineos ins Rennen – und zählt zum erweiterten Favoritenkreis. Quelle: Jens Büttner/dpa

Für Unruhe in der ESC-Szene sorgte jedoch ihre Startnummer. Sarah Engels muss als Zweite auf die Bühne – und genau dieser Platz gilt unter Fans als besonders ungünstig. ESC-Kenner Lukas Heinser verwies darauf, dass bislang noch niemand von Startposition zwei aus den Wettbewerb gewonnen habe. Allerdings treffe das auch auf andere Startplätze zu, etwa auf die 16.

Warum Nummer zwei als problematisch gilt, wird unterschiedlich erklärt. Eine These lautet, dass nach dem oft besonders aufmerksam verfolgten ersten Beitrag das Interesse des Publikums beim zweiten Act zunächst etwas abfällt. Letztlich bleibt vieles davon aber Spekulation.

Politische Kontroverse um Israels Teilnahme

Die politischen Debatten rund um den ESC haben in Wien ein neues Ausmaß erreicht. Vor allem die Teilnahme Israels spaltet die Wettbewerbsländer.

Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island verzichten auf die Teilnahme. Sie begründen dies mit ihrer Verurteilung des israelischen Vorgehens im Gazastreifen und wollen nicht Teil eines Wettbewerbs sein, an dem Israel mitwirkt. Hintergrund des Gaza-Kriegs ist das Massaker der islamistischen Hamas und weiterer Terroristen in Israel am 7. Oktober 2023.

Deutschland und Gastgeber Österreich haben hingegen von Beginn an klargemacht, dass sie am Wettbewerb festhalten und Israels Teilnahme unterstützen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kündigte sogar an, persönlich nach Wien zu reisen. Er erklärte, er freue sich darüber, dass Israel auftreten dürfe, und wolle sich den israelischen Beitrag vor Ort anhören. Bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft ließ er sich zudem mit Sarah Engels fotografieren.

Demonstrationen und strenge Sicherheitsmaßnahmen

Rund um das Finale wurden in Wien mehrere Kundgebungen angemeldet, viele davon aus dem propalästinensischen Spektrum. Die Polizei stellt sich außerdem auf spontane Stör- oder Blockadeversuche ein.

Direkt an der Wiener Stadthalle dürften solche Aktionen allerdings kaum möglich sein. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt, und Platzverweise können jederzeit ausgesprochen werden. Auch das ESC-Village vor dem Rathaus sowie die große Diskothek im Prater, in der die After-Show-Partys stattfinden, sind nur nach Sicherheitskontrollen zugänglich. Taschen dürfen nicht mitgebracht werden.

Nach Polizeiangaben wurden rund 16.000 Personen, die mit der Veranstaltung in Verbindung stehen, überprüft. Zusätzlich gilt rund um die Veranstaltungsorte ein Drohnenflugverbot.

Finnland vorne, Rumänien sorgt für Diskussionen

Bei den Buchmachern führt seit Wochen Finnland. Das Land setzt auf ein Duo: Violinistin Linda Lampenius und Popstar Pete Parkkonen, der 20 Jahre jünger ist, performen ihren Beitrag vor einem brennenden Beichtstuhl. Sollte Finnland gewinnen, wäre es der erste ESC-Sieg des Landes seit Lordi, die 2006 mit „Hard Rock Hallelujah“ triumphierten.

ESC-Kommentator Thorsten Schorn bezeichnete den finnischen Beitrag als besonders stark – auch weil er in der Landessprache vorgetragen wird. Zugleich stellte er die Frage, ob zum dritten Mal nacheinander ein Song mit klassischen Elementen gewinnen könne.

Der finnische Titel „Liekinheitin“ bedeutet übersetzt „Flammenwerfer“ und liefert sich damit auch optisch ein direktes Duell mit Deutschlands „Fire“. Bei den Proben wurde bei beiden Auftritten reichlich Pyrotechnik eingesetzt.

Neben Finnland werden auch Australien, Griechenland, Israel, Dänemark, Frankreich, Italien, Bulgarien und Rumänien gute Chancen eingeräumt. Vor allem Rumänien polarisiert: Sängerin Alexandra Căpitănescu tritt mit dem provokanten Song „Choke Me“ an.

Der langjährige deutsche ESC-Komponist Ralph Siegel sieht die Entwicklung des Wettbewerbs kritisch. In einem Interview sagte er, dass die Songs heute oft schon Wochen oder Monate vorher bekannt seien. Dadurch werde viel vom eigentlichen Reiz des Abends genommen, weil Fanlager und Wettanbieter den Ausgang bereits im Vorfeld stark beeinflussten.

Geänderte Regeln beim ESC 2026

Für den diesjährigen Wettbewerb wurden die Regeln überarbeitet. In den Halbfinals entschied nicht mehr ausschließlich das Publikum über das Weiterkommen. Erstmals seit längerer Zeit vergaben dort wieder auch die nationalen Jurys die Hälfte der Punkte. Insgesamt schieden zehn Länder in den Halbfinals aus, darunter San Marino mit Senhit und Boy George.

Außerdem wurde die maximale Zahl der Stimmen pro Person per App, SMS oder Anruf von 20 auf 10 reduziert. Damit reagierte die Europäische Rundfunkunion auf die Diskussionen nach dem ESC 2025. Damals hatte Israels Sängerin Yuval Raphael dank außergewöhnlich vieler Zuschauerstimmen den zweiten Platz erreicht. Im Anschluss wurde vermutet, dass es eine gezielte Mobilisierung von Unterstützern zugunsten Israels gegeben haben könnte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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