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Trauer um Angelica Domröse: Sie ist tot

Trauer um Angelica Domröse: Der DEFA-Star aus «Paul und Paula» ist mit 85 Jahren gestorben – ihr Tod bewegt viele.

15.05.2026, 19:29 Uhr

Die Schauspielerin Angelica Domröse ist tot. Wie die Defa-Stiftung unter Berufung auf ihr persönliches Umfeld mitteilte, starb die aus „Die Legende von Paul und Paula“ bekannte Darstellerin am Freitag im Alter von 85 Jahren in Berlin. Zuerst hatten bereits die „SuperIllu“ und der MDR darüber berichtet.

Schon als sie vor Jahrzehnten das Drehbuch zu „Die Legende von Paul und Paula“ las, soll Domröse die Rolle unbedingt gewollt haben. Der Film von Regisseur Heiner Carow aus dem Jahr 1973 gilt heute als einer der wichtigsten deutschen Filme. Er erzählt nicht nur vom DDR-Alltag mit Schlangestehen und Kohleschleppen, sondern stellt auch eine grundlegende Frage: Hat der Mensch einen Anspruch auf Glück?

Domröse spielte darin die alleinerziehende Mutter Paula, die sich in den verheirateten Paul verliebt, verkörpert von Winfried Glatzeder. Zu den bekanntesten Sätzen ihrer Figur gehört: „Es muss doch noch was anderes geben als schlafen, arbeiten. Und wieder schlafen und arbeiten.“ In einer dpa-Rückschau sagte Domröse 2021, sie habe das Drehbuch und seine Erzählweise sofort gemocht: „Und die Rolle war eine Wucht, da war etwas zu spielen.“ Dass Paula im Stoff eigentlich deutlich jünger angelegt war, habe sie damals nicht weiter gekümmert. Zwar habe es anfangs Diskussionen gegeben, am Ende bekam sie die Rolle.

Ein Kultfilm mit besonderer Wirkung

Das Drama mit seinen poetischen und teils surrealen Bildern – darunter Birnenschnaps, Blumenkränze und ein Bett, das über Berliner Gewässer segelt – wurde zu einem Kultfilm. Lange habe das Team sogar befürchtet, der Film könne in der DDR verboten werden. Auch die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte „Die Legende von Paul und Paula“ einmal ihren Lieblingsfilm.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer würdigte Domröse als große Schauspielerin. Mit ihr verliere Deutschland eine Künstlerin, die als „Paula“ gezeigt habe, dass Liebe und Freiheit keine Kompromisse duldeten. Zugleich sei sie auf Theaterbühnen in Ost und West sowie in vielen Fernsehproduktionen eine unverwechselbare Charakterdarstellerin gewesen.

Domröse war für viele schlicht „die Domröse“. Als sie zuletzt zu ihrem 80. Geburtstag noch einmal ein Interview gab, zeigte sie sich schlagfertig und mit klarem Blick auf ihr Leben. Dass sie für viele Menschen bis heute vor allem die „Paula“ geblieben sei, schien sie gelassen zu sehen – eher als Ehre denn als Belastung.

Geboren 1941 in Berlin

Angelica Domröse wurde im April 1941 in Berlin geboren. Ihre Biografie schildert eine schwierige Kindheit im zerstörten Nachkriegsberlin. Schon als junge Frau stand sie vor der Kamera; ihre erste Filmrolle hatte sie in Slatan Dudows „Verwirrung der Liebe“. Nach ihrem Abschluss an der Filmhochschule in Babelsberg ging sie an das Berliner Ensemble, wo sie noch unter Helene Weigel begann. Später spielte sie auch an der Berliner Volksbühne.

Zu Beginn ihrer Laufbahn änderte sie ihren Vornamen: Aus „Angelika“ wurde „Angelica“. In früheren Kritiken wurde sie als exzellent, diszipliniert und fleißig beschrieben, oft fiel auch das Wort Publikumsliebling. In ihrer Autobiografie „Ich fang mich selbst ein“ schrieb sie aber nicht nur über Erfolge, sondern auch über schwere Phasen – über Stimmungsschwankungen und ein Alkoholproblem, mit dem sie früher kämpfte.

Bis zu ihrer Ausreise aus der DDR wirkte sie in zahlreichen Produktionen mit. Dazu zählten unter anderem die Defa-Verfilmung von „Effi Briest“ und der Fernseh-Mehrteiler „Wege übers Land“. In zweiter Ehe war Domröse mit dem Schauspieler Hilmar Thate verheiratet, der 2016 starb. Beide galten lange als Traumpaar.

Wie viele andere Künstler unterstützten beide den Liedermacher Wolf Biermann, nachdem dieser 1976 aus der DDR ausgebürgert worden war. Später ging Domröse gemeinsam mit ihrem Mann nach West-Berlin. Dort wurde sie nach eigenen Angaben immer wieder gedrängt, sich eindeutig zur DDR zu positionieren. Solche Urteile seien ihr oft zu schwarz-weiß gewesen. In ihrer Biografie formulierte sie dazu den Satz: „Darf, wer unter der DDR gelitten hat, nicht um sie trauern? Um den Funken Utopie, den sie in sich trug?“

Erfolgreiche Karriere auch nach der DDR

Auch nach dem Wechsel in den Westen blieb Domröse eine gefragte Schauspielerin. Sie arbeitete unter anderem mit Regisseur Michael Haneke, spielte eine Kommissarin in der Krimireihe „Polizeiruf 110“ und war 2012 in der Komödie „Bis zum Horizont, dann links!“ zu sehen. Manche Journalisten hätten sie im Westen allerdings auch „Dornrose“ genannt, schrieb sie in ihren Erinnerungen – weil sie als spröde gegolten habe und Reportern mitunter deutlich sagte, wenn sie eine aus ihrer Sicht dumme Frage stellten.

In West-Berlin lebte Domröse viele Jahre in einer Altbauwohnung voller Bücher. Im Rückblick sagte sie 2021, manches sei im Alter schöner und gelassener geworden. Statt häufig zurückzuschauen, lese sie viel, etwa über die Antike.

An den außergewöhnlichen Erfolg von „Paul und Paula“ habe nichts mehr herangereicht, sagte Domröse damals. Zugleich betonte sie, dass sie auf viele Arbeiten ihres Lebens mit Zufriedenheit zurückblicke. Wenn auch jüngere Generationen den Film bis heute verstünden und spannend fänden, sei das für sie eine große Erfüllung gewesen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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