Beim Katholikentag in Würzburg stehen am Samstag vor allem Fragen zur Erneuerung der katholischen Kirche im Mittelpunkt. Am Vormittag wollen Bischof Heiner Wilmer und Irme Stetter-Karp ab 11.00 Uhr über den Synodalen Weg sprechen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken diskutieren unter dem Motto: „Für eine Welt mit Zukunft – mit einer Kirche, die Hoffnung gibt“.
Am Nachmittag folgt ab 16.30 Uhr eine weitere Gesprächsrunde mit internationaler Beteiligung. Erwartet wird Kardinal Mario Grech aus dem Vatikan, der als Generalsekretär der Bischofssynode tätig ist. Ebenfalls auf dem Podium sitzen Julieann Moran, Generalsekretärin des Synodalen Wegs der katholischen Kirche in Irland, sowie Kardinal Ladislav Német, Erzbischof von Belgrad.
Zugleich wurde beim 104. Deutschen Katholikentag auch der politische Umgang mit den Sorgen der Menschen thematisiert. Die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang und der Würzburger Bischof Franz Jung appellierten an Entscheidungsträger, stärker mit den Betroffenen selbst zu sprechen. Jung kritisierte, es würden Hilfsmaßnahmen beschlossen, die oft an den eigentlichen Wünschen der Menschen vorbeigingen. Lang warnte davor, Debatten über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu führen, und verwies auf den Leitsatz der Behindertenrechtsbewegung: „Niemals über uns ohne uns“.
Vor mehr als 1.000 Zuhörerinnen und Zuhörern sprachen Lang und Jung über die Passage im Markusevangelium, in der Jesus den blinden Bartimäus heilt. Das Leitwort des Katholikentags lautet in diesem Jahr: „Hab Mut, steh auf!“.
Spätestens seit dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle wird in der katholischen Kirche in Deutschland intensiv über Veränderungen diskutiert. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob Frauen zu geistlichen Ämtern zugelassen werden sollen und ob die Verpflichtung zur Ehelosigkeit für Priester noch zeitgemäß ist. Zugleich gibt es innerhalb der Kirche auch Widerstand gegen solche Vorstöße. Kritiker verweisen darauf, dass diese Themen in anderen Regionen der Weltkirche oft kaum eine Rolle spielten.
Der inzwischen verstorbene Papst Franziskus hatte auf weltkirchlicher Ebene eine Weltsynode angestoßen, um synodale Prozesse auch international zu fördern.
In Deutschland wurde im Rahmen des Synodalen Wegs über Jahre hinweg um Reformen gerungen. Geplant ist nun die Einrichtung einer Synodalkonferenz, in der Bischöfe und Laien gemeinsam beraten und Entscheidungen treffen sollen. Ob dieses Modell vom Vatikan gebilligt wird, ist jedoch weiter unklar. Bischof Wilmer hatte zuletzt um Geduld gebeten, da die Satzung der Konferenz derzeit in Rom geprüft werde. Eine ursprünglich für November vorgesehene erste Sitzung werde deshalb wohl nicht stattfinden können.
Der Katholikentag in Würzburg endet am Sonntag. Zu dem Treffen werden mehrere Zehntausend Menschen in der Mainstadt erwartet. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, das die katholische Zivilgesellschaft in Deutschland vertritt. Der nächste Katholikentag soll in zwei Jahren im nordrhein-westfälischen Paderborn stattfinden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion