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Berlinale-Legende Moritz de Hadeln ist tot

Er prägte die Berlinale wie kaum ein anderer: Festival-Legende Moritz de Hadeln ist mit 85 Jahren gestorben.

07.07.2026, 10:53 Uhr

Früherer Berlinale-Direktor Moritz de Hadeln mit 85 Jahren gestorben

Moritz de Hadeln, langjähriger Leiter der Berlinale, ist tot. Der frühere Festivaldirektor starb am Samstagmorgen im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus im schweizerischen Nyon. Das bestätigte sein Biograf Christian Jungen, der auch das Zurich Film Festival leitet, unter Berufung auf das persönliche Umfeld. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Selbst im hohen Alter zeigte sich de Hadeln noch bei den Filmfestspielen: Mit einem Stock ging er zuletzt über den roten Teppich in Berlin. Im Laufe seiner Karriere prägte der Schweizer nicht nur die Berlinale, sondern auch die Filmfestivals von Locarno und Venedig.

Die Berlinale würdigte ihn auf Instagram als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der internationalen Filmkultur. Dort wurde er als leidenschaftlicher Verfechter und engagierter Unterstützer des Kinos beschrieben. Nach Angaben des Festivals förderte de Hadeln in einer Zeit großer politischer Umbrüche den Dialog über Grenzen hinweg, stärkte das internationale Profil der Berlinale und spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau des European Film Market als zentralem Branchentreff. Zum Abschied schrieb das Festival: „Danke, Moritz de Hadeln“.

Vom Filmemacher über Locarno nach Berlin

De Hadeln wurde 1940 im englischen Exeter geboren und besaß die Schweizer Staatsbürgerschaft. Zunächst arbeitete er als Filmemacher, bevor er das Festival in Locarno leitete. 1979 wechselte er nach Berlin, damals noch eine geteilte Stadt, und blieb dort bis 2001 Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin.

In seine Amtszeit fielen prägende Umbrüche: der Fall der Berliner Mauer ebenso wie der spätere Umzug der Berlinale vom Zoo-Palast-Areal an den Potsdamer Platz. De Hadeln holte große Namen der Filmwelt nach Berlin, von Regisseur Billy Wilder bis zu Schauspieler Leonardo DiCaprio.

Besondere Anerkennung erhielt er für seinen Einsatz für das chinesische Kino. Als Zhang Yimous Film Rotes Kornfeld 1988 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, galt das als Überraschung und als wichtiges Signal. Unter de Hadeln entwickelte sich die Berlinale früh zu einer Ost-West-Drehscheibe.

Lob, Kritik und ein konfliktreiches Ende in Berlin

Mit dem deutschen Film tat sich de Hadeln allerdings schwerer. In den 1980er Jahren protestierten deutsche Filmemacher gegen seine Auswahlpolitik. Kritiker warfen ihm vor, zu viele amerikanische Produktionen einzuladen. Zugleich sorgten gerade diese Filme dafür, dass zahlreiche internationale Stars zur Berlinale kamen und das Publikum anzogen.

Im Jahr 2000 wurde bekannt, dass de Hadeln als Berlinale-Chef abgelöst werden sollte. Seine vorzeitige Abberufung bezeichnete er damals als einen „absoluten Affront“. Er verwies darauf, dass er dem Festival zu internationalem Ansehen verholfen, neue Filmländer wie China stärker in den Blick gerückt und die Öffnung nach Osteuropa früh vorweggenommen habe.

Auf ihn folgte Dieter Kosslick, der das Festival ebenfalls rund zwei Jahrzehnte lang leitete. Heute steht die US-Amerikanerin Tricia Tuttle an der Spitze der Berlinale. Nach seinem Abschied aus Berlin übernahm de Hadeln für zwei Jahre die Leitung des Filmfestivals in Venedig.

2018 veröffentlichte Christian Jungen das Buch Moritz de Hadeln – Mister Filmfestival. Nach eigenen Angaben standen die beiden bis zuletzt in Kontakt. Im selben Jahr sorgte de Hadeln zudem mit einem Beitrag für die Weltwoche für Kritik, in dem er sich für den später wegen Sexualverbrechen verurteilten Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein einsetzte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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