Sarah Engels muss früh auf die Bühne
Sarah Engels tritt für Deutschland im Finale des Eurovision Song Contests in Wien bereits an zweiter Stelle auf. Mit ihrem Song „Fire“ hat sie im außer Konkurrenz laufenden Halbfinale schon gezeigt, dass sie die Bühne mit viel Energie füllen kann. Für die Wertung zählt jedoch erst der Auftritt am Samstagabend.
Ob ihr Beitrag nach weiteren 23 Songs beim Publikum noch stark genug nachwirkt oder bis zur Abstimmung in den Hintergrund rückt, wird sich erst im Finale zeigen.
Aufmerksamkeit auch wegen Israels Auftritt
Besonders genau beobachtet wird der Beginn der Show auch deshalb, weil direkt nach Engels ein viel diskutierter Beitrag folgt: Als dritter Act steht Noam Bettan für Israel mit dem Lied „Michelle“ auf der Bühne.
Israel ist seit langem Teil des ESC und Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den Wettbewerb organisiert. Wegen des Vorgehens des Landes im Gaza-Krieg gibt es aber weiterhin deutliche Kritik an der Teilnahme. Fünf Länder boykottieren den diesjährigen Wettbewerb aus diesem Grund.
In Wien hat sich der Protest inzwischen auch auf der Straße gezeigt: Rund 200 Menschen forderten bei einem „Song Protest“ den Ausschluss Israels aus dem Wettbewerb und erinnerten an das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen. Die Kundgebung auf einem zentralen Platz der österreichischen Hauptstadt wurde von der Polizei begleitet. Für den Finaltag am Samstag ist zudem eine weitere propalästinensische Demonstration angemeldet, zu der mehrere Tausend Menschen erwartet werden.
Scharfe Kritik an den Boykott-Ländern aus Deutschland
Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, attackierte die boykottierenden Länder in der Sendung „Frühstart“ von RTL und ntv scharf. Er warf ihnen vor, sie seien „kollektiv auf einem antisemitischen, antizionistischen Trip“.
Zugleich widersprach Beck dem Eindruck, Israel nutze den ESC als Bühne für Imagepflege. Aus Protest gegen antiisraelische Aktionen wolle er vielmehr bewusst solidarisch für Israel stimmen. Er kündigte an, notfalls zehn SMS für Noam Bettan und dessen Lied „Michelle“ zu schicken.
Auch ein Favorit muss früh ran
Mit Akylas und dem Song „Ferto“ tritt auch Griechenland, das von Wettbüros zu den Favoriten gezählt wird, vergleichsweise früh auf: Der Beitrag ist an sechster Stelle zu sehen. Ein weiterer Mitfavorit, Finnland, hat mit Startplatz 17 deutlich mehr Zeit bis zum Auftritt.
Ein später Platz kann hilfreich sein, muss aber kein entscheidender Vorteil sein. Die Abstimmung im Finale beginnt bereits kurz vor dem ersten Song. Außerdem gewann Vorjahressieger JJ den Titel für Österreich trotz eines eher mittleren neunten Startplatzes. In diesem Jahr beschließt das Gastgeberland selbst die Show: Cosmó tritt mit „Tanzschein“ als letzter Act des Abends auf.
25 Länder im Finale, Millionen vor dem Fernseher
Im Finale am Samstagabend konkurrieren Musiktalente aus 25 Ländern um den Sieg. Erwartet werden weltweit mehr als 150 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Damit bleibt der Eurovision Song Contest eines der größten Musikspektakel der Welt.
Kontroverser Song und Powerballade mit Chancen
Zum erweiterten Favoritenkreis gehören inzwischen auch zwei Beiträge, die nach dem zweiten Halbfinale zusätzlich in den Fokus gerückt sind: die Rumänin Alexandra Capitanescu mit dem umstrittenen Titel „Choke Me“ sowie die Australierin Delta Goodrem mit ihrer Powerballade „Eclipse“.
Vor allem Capitanescus Lied hatte bereits vorab Diskussionen ausgelöst. Die Sängerin wies den Vorwurf zurück, ihr Song verharmlose die Gefahren einer Sexualpraktik.
Dänemark und weitere Länder lösen das Finalticket
Ebenfalls für das Finale qualifiziert hat sich Søren Torpegaard Lund aus Dänemark mit der eingängigen Nummer „Før Vi Går Hjem“. Auch Bulgarien, die Ukraine, Norwegen, Malta, Zypern, Albanien und Tschechien schafften den Sprung in die Endrunde.
Die Topfavoriten aus Finnland und Griechenland hatten ihre Finalteilnahme bereits im ersten Halbfinale gesichert.
Frankreich begeistert außer Konkurrenz – gute Woche für die ARD
Ohne Qualifikationsdruck präsentierte Monroe für Frankreich im zweiten Halbfinale ihren Beitrag „Regarde!“ und überzeugte das Publikum in der Wiener Stadthalle mit ihrer Opernstimme. Frankreich ist wie Deutschland als wichtiges EBU-Mitglied automatisch für das Finale gesetzt.
Auch für die ARD verläuft die ESC-Woche bislang positiv: Die beiden Halbfinalshows aus Wien erzielten im deutschen Fernsehen laut DWDL.de bessere Quoten als im Vorjahr.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion