Stars

Satiriker-Legende Westphalen ist tot

Seine bissige Satire machte ihn berühmt – jetzt ist Joseph von Westphalen tot. Was hinter seinem Kultroman-Helden steckt.

03.11.2026, 10:55 Uhr

Joseph von Westphalen im Alter von 81 Jahren gestorben

Der Münchner Schriftsteller und Journalist Joseph von Westphalen, der vor allem für seine scharfzüngige, satirische Sprache bekannt war, ist tot. Nach Angaben der Penguin Random House Verlagsgruppe, die sich auf die Familie beruft, starb er bereits am 29. Oktober im Alter von 81 Jahren. Mehrere Medien hatten zuvor darüber berichtet.

Besonders bekannt wurde von Westphalen mit seinen gesellschaftskritischen Romanen um den früheren Diplomaten Harry von Duckwitz. Diese Figur verstand der Autor selbst als eine Art Alter Ego.

Trilogie um Harry von Duckwitz

In den 1990er Jahren widmete von Westphalen dem adeligen Frauenhelden und ehemaligen 68er eine Romantrilogie. Sie besteht aus den Büchern „Im diplomatischen Dienst“ (1991), „Das schöne Leben“ (1993) und „Die bösen Frauen“ (1996).

Der Autor machte keinen Hehl daraus, dass die Hauptfigur auch autobiografische Züge trug. Die Stoffe griffen zudem Bezüge zu seiner eigenen Familie auf. Dazu zählt auch Jenny von Westphalen, die Ehefrau von Karl Marx.

Verlag würdigt eigenständige Stimme

Sein Verlag bezeichnete von Westphalen als eine der markantesten und eigenwilligsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Hervorgehoben wurde auch seine große Leidenschaft für den Jazz.

Die Verlegerin Grusche Juncker erklärte, von Westphalen habe sich sowohl als Autor als auch als Kolumnist immer mit kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen auseinandergesetzt. Seine Texte seien geprägt gewesen von literarischem Können und einem schneidenden Humor. Während der Regierungszeit von Helmut Kohl sei er zudem als politisch unbequeme Stimme wahrgenommen worden.

Joseph von Westphalen
Berühmt wurde der Autor unter anderem mit seinen gesellschaftssatirischen Romanen über den Ex-Diplomaten Harry von Duckwitz. (Archivbild) Quelle: Frank May/dpa

Leben in München und Arbeit als Journalist

Geboren wurde Joseph von Westphalen in Schwandorf in der Oberpfalz, aufgewachsen ist er jedoch in München. Dort studierte er Germanistik und Kunstgeschichte.

Sein Verhältnis zur 68er-Bewegung beschrieb er einmal mit den Worten, er habe ihr „mit größtem Wohlwollen und mäßigem Engagement“ gegenübergestanden.

Auch journalistisch war von Westphalen breit aufgestellt. Er schrieb unter anderem für „Westermanns Monatshefte“ und für das Magazin „Playboy“. In der Münchner „Abendzeitung“ erschien seine Kolumne „Der Flaneur“.

Auszeichnung in seiner Heimatstadt

Für sein Werk wurde Joseph von Westphalen 1992 in München mit dem Ernst-Hoferichter-Preis geehrt. Die Auszeichnung steht für Originalität, Weltoffenheit und Humor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen