Stars

Biennale-Chef attackiert seine Kritiker

Trotz Russland-Eklat bleibt der Biennale-Chef hart: Warum Buttafuoco alle Proteste abperlen lässt, empört weiter.

06.05.2026, 14:51 Uhr

Biennale-Chef weist Kritik an russischer Teilnahme zurück

Der Leiter der Biennale in Venedig, Pietrangelo Buttafuoco, hat die Kritik an der Beteiligung Russlands an der internationalen Kunstausstellung scharf zurückgewiesen. Seinen Gegnern warf er mangelnde Offenheit und Intoleranz vor. In den vergangenen Wochen habe es hitzige Debatten, Forderungen nach Ausschluss und zahlreiche Stellungnahmen gegeben, oft noch bevor überhaupt richtig zugehört worden sei, sagte er.

Vor Eröffnung bereits heftiger Streit

Noch vor dem Start der Biennale am Samstag sorgt die Großausstellung für erhebliche Spannungen. Im Konflikt über den Umgang mit Israel und Russland legte die Jury ihr Amt nieder. Die Biennale zählt neben der documenta in Kassel zu den bedeutendsten Veranstaltungen für zeitgenössische Kunst weltweit.

Buttafuoco erklärte, es irritiere ihn, dass eine Welt, die sich auf Aufklärung, Säkularismus, die Französische Revolution und das Ideal einer demokratischen Ordnung berufe, nun in ihr Gegenteil umzuschlagen scheine. Er sprach von einem Klima der Intoleranz und von lauten Forderungen nach Zensur und Ausgrenzung.

Biennale als Ort der Debatte

Zugleich betonte der Biennale-Präsident, man verschließe nicht die Augen vor Diskriminierung, Gewalt oder Krieg. Dennoch dürfe man sich nicht gegenüber einzelnen abschotten. Wer andere ausschließe, schwäche letztlich die Offenheit insgesamt, sagte er. Sollte die Biennale anfangen, nicht mehr Werke und künstlerische Perspektiven auszuwählen, sondern nach Herkunft oder Pässen zu urteilen, würde sie ihren eigentlichen Charakter verlieren. Venedig habe sich seit Jahrhunderten nicht vor Begegnungen gefürchtet.

Die Biennale solle keine fertigen Antworten liefern und keine weiteren Kontroversen anheizen, sondern Diskussionen ermöglichen, so Buttafuoco. Er kritisierte eine Form vorweggenommener Zensur, die einsetze, noch bevor ein Werk überhaupt gezeigt werde. Die Ausstellung sei kein Tribunal, sondern ein Raum des Friedens, der Kunst und des Zuhörens.

Kulturminister greift Buttafuoco an

Zuletzt kam auch aus der italienischen Regierung Kritik. Kulturminister Alessandro Giuli warf dem Biennale-Präsidenten vor, mit der Wiederzulassung Russlands eine Art außenpolitische Nebenrolle spielen zu wollen und damit gescheitert zu sein. Gegenüber der Zeitung La Repubblica sagte Giuli, Buttafuoco sei einer "pazifistischen Fantasie" erlegen.

Buttafuoco, Journalist und Schriftsteller, steht seit März 2024 an der Spitze der Kunstbiennale. Eingesetzt wurde er von der rechten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Der 62-Jährige wird selbst dem rechten politischen Spektrum zugerechnet und galt bislang als enger Verbündeter des heutigen Kulturministers.

Proteste vor dem russischen Pavillon

Die Rückkehr Russlands auf die Biennale rief auch Aktivistinnen auf den Plan. Mitglieder des international bekannten russischen Künstlerkollektivs Pussy Riot sowie der in der Ukraine gegründeten Bewegung Femen protestierten am Mittwoch vor dem russischen Pavillon gegen die Teilnahme des Landes. Pussy-Riot-Mitgründerin Nadja Tolokonnikowa rief bei der Aktion in die Menge, russische Kunst töte.

Der russische Botschafter in Italien, Alexej Paramonow, beklagte seinerseits bei der Vorstellung des Pavillons, die EU und ihre Bürokratie versuchten seit Jahren, einen neuen Eisernen Vorhang zu errichten und kulturellen Austausch zu blockieren. Nach seinen Angaben droht die Europäische Union der Biennale wegen der russischen Beteiligung mit dem Entzug von Fördermitteln in Millionenhöhe.

Russland nach vier Jahren wieder vertreten

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine war der russische Pavillon vier Jahre lang nicht vom Staat genutzt worden. Nun will Russland bei der Biennale wieder sichtbar präsent sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen