Tour de France 2026: Lipowitz als deutsche Hoffnungsträger – die wichtigsten Fragen und Antworten
Bei der 113. Tour de France richten sich die deutschen Erwartungen erneut vor allem auf Florian Lipowitz. Der 25-Jährige hatte im Vorjahr mit Platz drei überzeugt und hofft nun, dem Topfavoriten Tadej Pogacar näherzukommen. Vor dem Start am 4. Juli in Barcelona sagte Lipowitz, es sei natürlich schwer, den Rückstand aufzuholen. Zugleich glaube er aber, sein Leistungslimit noch nicht erreicht zu haben.
Was passiert zum Auftakt in Spanien?
Los geht es mit einem 19 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren durch Barcelona. Die Strecke führt unter anderem an der Sagrada Família vorbei und hinauf auf den Montjuïc. Neu ist dabei: Obwohl die Teams gemeinsam fahren, zählt die Zeit für jeden Fahrer einzeln. Das dürfte spannende taktische Fragen aufwerfen.
Auch die zweite Etappe bleibt rund um Barcelona und enthält mehrere Passagen über den Montjuïc, ehe ein anspruchsvolles Finale am Olympiastadion wartet. Erst am dritten Tag wechselt das Feld nach Frankreich.
Kann Florian Lipowitz erneut aufs Podium fahren?
Die Form spricht klar für ihn. Bei der Slowenien-Rundfahrt holte Lipowitz zuletzt zwei Etappensiege und den Gesamterfolg. Auch seine Auftritte im Frühjahr gegen starke Konkurrenz machen Hoffnung auf einen weiteren Spitzenplatz.
Entscheidend könnte allerdings die Lage im eigenen Red-Bull-Team werden. Mit dem neu verpflichteten Remco Evenepoel, dem belgischen Olympiasieger, startet die Mannschaft mit einer Doppelspitze. In den Hochgebirgen wird Lipowitz als stärker eingeschätzt, während Evenepoel im Zeitfahren besondere Qualitäten mitbringt.

Ist Tadej Pogacar überhaupt zu schlagen?
Pogacar reist einmal mehr als klarer Favorit an. Im Frühjahr gewann der Slowene beinahe alles, was er fuhr, und zuletzt dominierte er auch die Tour de Suisse mit mehr als sechs Minuten Vorsprung. Bleibt er gesund und kommt ohne Probleme durch die drei Wochen, wäre alles außer dem Gesamtsieg eine große Überraschung.
Für den 27-Jährigen wäre es bereits der fünfte Tour-Sieg. Damit würde er mit den Rekordgewinnern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichziehen.
Wer gehört sonst zum Favoritenkreis?
Direkt hinter Pogacar wird vor allem Jonas Vingegaard gehandelt. Der Däne, Tour-Sieger von 2022 und 2023, gewann Ende Mai erstmals den Giro d’Italia und will diese Form nun auch in Frankreich ausspielen.
Aus französischer Sicht steht besonders Paul Seixas im Fokus. Das erst 19 Jahre alte Talent bestreitet seine erste Grand Tour und hat in dieser Saison bereits gezeigt, dass es ohne Scheu mit den großen Namen mithalten will. Ob es schon bei seinem Debüt für den Kampf um den Gesamtsieg reicht, bleibt jedoch offen.
Welche Etappen stechen besonders heraus?
Die Fahrer müssen insgesamt mehr als 3.300 Kilometer bewältigen. Dazu kommen rund 54.000 Höhenmeter in den Pyrenäen, im Zentralmassiv, in den Vogesen, im Jura und in den Alpen.
Nach dem Start in Barcelona geht es schnell in die Pyrenäen. Für die Sprinter ist besonders die siebte Etappe nach Bordeaux interessant.
Die letzte Woche dürfte dann die Entscheidung im Gesamtklassement bringen. Der Wintersportort Alpe d’Huez ist nach vier Jahren Pause gleich zweimal Zielort. Zunächst wartet auf der 19. Etappe die klassische Auffahrt. Am vorletzten Tag führt die Strecke zwar nur über die letzten drei der 21 berühmten Kehren, doch am Ende einer extrem harten Etappe mit insgesamt 5.600 Höhenmetern.
Das Finale steigt am 26. Juli in Paris. Dort geht es mehrfach über den Anstieg am Montmartre, der bereits im Vorjahr und bei den Olympischen Spielen 2024 für spektakuläre Szenen gesorgt hatte.
Welche weiteren deutschen Fahrer könnten auffallen?
Nils Politt wird im UAE-Team erneut eine wichtige Helferrolle für Pogacar übernehmen. Das dürfte seine Möglichkeiten auf eigene Etappensiege begrenzen.
Georg Steinhauser, Neffe von Jan Ullrich, steht vor seinem Tour-Debüt und hat sich Etappenerfolge als Ziel gesetzt. Ullrich sagte dazu in der ARD, Steinhauser werde sicher einige Etappen ins Visier nehmen, müsse aber natürlich auch im Dienst der Mannschaft arbeiten.
Ebenfalls erstmals dabei ist Felix Engelhardt, der nach seinem Überraschungssieg in Bad Liebenstein nun im Trikot des deutschen Meisters an den Start geht.
Wo wird die Tour im Fernsehen gezeigt?
Die Rundfahrt ist erneut bei ARD und Eurosport zu sehen. Im Ersten beginnen die Übertragungen in der Regel kurz nach 14 Uhr, der Livestream startet meist etwas früher.
Wer die Etappen komplett sehen möchte, kann die Eurosport-Übertragungen auch über kostenpflichtige Streamingdienste wie HBO Max, Discovery+ und DAZN verfolgen.
Warum könnten TV-Motorräder wieder für Diskussionen sorgen?
Schon beim Giro gab es Kritik an den Begleitmotorrädern. Der deutsche Fahrer Max Walscheid beklagte nach der 15. Etappe, Motorräder hätten den Rennverlauf beeinflusst. Damals kam eine Ausreißergruppe überraschend vor dem heranstürmenden Hauptfeld ins Ziel.
Der Vorwurf lautet, dass TV-Motorräder zu dicht vor den Ausreißern fahren und ihnen dadurch Windschatten geben. Auch bei der Tour könnte dieses Thema erneut hochkochen und die Debatte über technische Lösungen weiter anheizen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber