Die Investitionen des deutschen Staates sind 2025 so kräftig gestiegen wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beliefen sich die Bruttoinvestitionen auf 147,5 Milliarden Euro. Das waren 16,2 Milliarden Euro beziehungsweise 12,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit war es der stärkste Zuwachs seit 2000. Ein noch höheres Plus hatte es zuletzt 1999 mit 14 Prozent gegeben, damals allerdings wegen statistischer Sondereffekte rund um die Bahnreform und die Ausgründung von Tochterunternehmen der Deutschen Bahn.
Haupttreiber des Anstiegs waren deutlich höhere Ausrüstungsinvestitionen. Sie legten binnen Jahresfrist um 47,7 Prozent zu. Nach Einschätzung der Statistiker hängt das vor allem mit zusätzlichen Ausgaben für Waffensysteme und weiteren Beschaffungen der Bundeswehr zusammen.
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, sieht darin eine Folge der erweiterten Kreditspielräume für Verteidigung und Investitionen über die Sondervermögen. Aus seiner Sicht kommt die Modernisierung des Landes dadurch voran.
Staat als wichtiger Auftraggeber
2025 entfielen 16,3 Prozent der gesamten Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland auf den Staat. Insgesamt lagen diese Investitionen bei 907,8 Milliarden Euro. Besonders hoch war der staatliche Anteil bei den Bauinvestitionen, wo er bei gut 17 Prozent lag.
Allerdings fiel das Wachstum bei den staatlichen Bauinvestitionen deutlich schwächer aus als in den Vorjahren. Gegenüber 2024 stand nur ein Plus von 2 Prozent zu Buche, nachdem zuvor Zuwächse von etwa zehn Prozent erreicht worden waren. Dullien verweist darauf, dass der Bundeshaushalt für 2025 erst im September beschlossen wurde und Bauprojekte zudem einen gewissen Planungsvorlauf brauchen.
Die staatlichen Investitionen in sonstige Anlagen – darunter vor allem Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Software – stiegen 2025 um 5,2 Prozent. Das war etwas weniger als im Vorjahr.
Dullien mahnte zugleich, dass die zusätzlichen Schulden aus den Sondervermögen tatsächlich in neue Investitionsprojekte fließen müssten. Hier bestehe weiterhin Handlungsbedarf. Schätzungen deuteten darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil der Mittel auch für andere Vorhaben genutzt worden sei, etwa für die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie, die Mütterrente oder eine niedrigere Körperschaftsteuer.
Deutschland unter EU-Durchschnitt
Trotz des kräftigen Anstiegs liegt Deutschland bei den staatlichen Investitionen weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt. Gemessen an der Wirtschaftsleistung erreichten die staatlichen Bruttoinvestitionen 2025 in Deutschland 3,3 Prozent. Im Durchschnitt der EU lag die Quote bei 3,9 Prozent.
Höher lagen die Werte unter anderem in den Niederlanden (3,5 Prozent), Italien (3,8 Prozent), Österreich (3,9 Prozent), Frankreich (4,5 Prozent) und Polen (5,4 Prozent). Spitzenreiter unter den 27 EU-Staaten war Estland mit 7,6 Prozent.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber