Fußball

«Kanadas Sensation»: Davies und Co. schreiben Historie

Drama bis zur letzten Sekunde: Kanada jubelt dank spätem K.o.-Treffer – und ein Bayern-Star feiert sein Comeback.

29.06.2026, 06:05 Uhr

Kanada schreibt WM-Geschichte

Jesse Marsch wollte den historischen Abend nicht allein genießen, sondern sofort mit seiner Mannschaft teilen. Nach dem 1:0 gegen Südafrika im Sechzehntelfinale lobte der frühere Leipzig-Coach vor allem Einsatz und Mentalität seines Teams. Die Spieler hätten mit ihrer harten Arbeit, ihrem Charakter und ihrer Widerstandskraft gezeigt, dass sie „kanadische Helden“ seien, sagte der Nationaltrainer sichtlich bewegt.

Unmittelbar nach dem Abpfiff rief Marsch alle Spieler auf dem Rasen zusammen. Im Kreis hörten auch Rückkehrer Alphonso Davies und Matchwinner Stephen Eustaquio zu, der in der Nachspielzeit das entscheidende Tor einer lange umkämpften Partie erzielt hatte.

Zum ersten Mal überhaupt überstand Kanada bei einer Weltmeisterschaft die Gruppenphase. Nun gelang dem Co-Gastgeber auch erstmals ein Sieg in einem K.-o.-Spiel. Für den Fußball im Land ist das ein Meilenstein. ARD-Experte Bastian Schweinsteiger betonte, wie wichtig dieser Erfolg für Kanada sei, wo der Fußball zunehmend an Bedeutung gewinne.

Der entscheidende Moment: Stephen Eustaquio jubelt nach dem 1:0.

Trotz Gastgeberrolle geht es nun in den USA weiter

Ganz ohne Wermutstropfen blieb der historische Erfolg jedoch nicht. Weil Kanada die Gruppe als Zweiter abschloss, geht es nicht mehr vor heimischem Publikum in Vancouver weiter. Das Achtelfinale am 4. Juli findet in Houston statt, Gegner wird entweder die Niederlande oder Marokko sein.

Marsch sprach von einer gewissen Enttäuschung darüber, nicht vor den eigenen Fans spielen zu können. Gleichzeitig blickt er mit Vorfreude auf die nächste Aufgabe gegen eines der beiden „Schwergewichte“. Genau für solche Partien habe sich das Team so weit vorkämpfen wollen. Kanada habe nun nichts zu verlieren und werde alles investieren, um die nächste Überraschung zu schaffen.

WM 2026 - Südafrika - Kanada
Die beste Chance der ersten Halbzeit war Bombitos Kopfball. Quelle: Marcio Sanchez/AP/dpa

Los Angeles bekommt für Davies und Marsch besondere Bedeutung

Nach seiner Ansprache im Mittelkreis küsste Marsch mehrfach das kanadische Wappen auf seinem Pullover. Anschließend drehten die Spieler mit einer riesigen Kanada-Flagge eine Ehrenrunde im hochmodernen Stadion von Los Angeles. In der WM-Geschichte war Kanada damit das erste Gastgeberteam, das ein Spiel außerhalb des eigenen Landes austrug.

Marsch, selbst US-Amerikaner, sagte, er sei stolz auf seine Herkunft, fühle sich aber den Werten und Charaktereigenschaften der Kanadier sehr verbunden. Der Trainer hatte die Auswahl um Bayern-Profi Alphonso Davies im Mai 2024 übernommen.

Bislang galt Platz drei in der CONCACAF Nations League als größter Erfolg der Kanadier. Doch dieses Turnier markierte zugleich den Beginn einer langen Leidenszeit für Davies: Beim 2:1 im Spiel um Rang drei gegen die USA riss er sich das Kreuzband. Ausgerechnet in jenem Stadion, in dem er nun mehr als 15 Monate später sein Comeback für die Nationalmannschaft feierte.

Der Kapitän ist zurück: Alphonso Davies spielte erstmals seit März 2025 wieder für Kanada.

Davies feiert emotionales Comeback

Nach dem Kreuzbandriss wurde Davies auch danach vom Verletzungspech verfolgt. Eine Oberschenkelverletzung, die er sich im Champions-League-Halbfinale des FC Bayern gegen Paris Saint-Germain zugezogen hatte, kostete ihn die gesamte Gruppenphase dieser WM.

Gegen Südafrika kam der Außenverteidiger in der 75. Minute ins Spiel und sorgte sofort für neue Dynamik auf der linken Seite. Laut FIFA war er zudem der 1000. Spieler, der bei diesem Turnier eingesetzt wurde.

Davies erklärte nach der Partie, wie viel es ihm bedeutet habe, wieder auf dem Platz zu stehen und gemeinsam mit der Mannschaft zu feiern. Den Ball im Netz zu sehen und diesen Moment mit dem Team zu erleben, sei etwas ganz Besonderes gewesen. Für Kanada war es in jeder Hinsicht ein Abend für die Geschichtsbücher.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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