Wirtschaft

Südkoreas Mega-Wette auf Chips: Hunderte Milliarden

450-Milliarden-Offensive: Samsung und SK Hynix bauen Koreas Chip-Zukunft – Präsident Lee spricht von einem historischen Wendepunkt.

29.06.2026, 09:12 Uhr

Südkorea will Halbleiter- und KI-Standort massiv ausbauen

Südkorea treibt eine Investitionsoffensive in dreistelliger Milliardenhöhe voran, um seine Rolle als führender Technologiestandort auszubauen und sich zugleich stärker als KI-Nation zu positionieren. Präsident Lee Jae Myung kündigte in Seoul an, dass im Südwesten des Landes mit Unternehmensmitteln von umgerechnet rund 450 Milliarden Euro ein neues Halbleiter-Ökosystem entstehen soll.

Nach den Plänen sollen die beiden Technologiekonzerne Samsung Electronics und SK Hynix jeweils zwei zusätzliche Chipfabriken errichten. Außerdem sind Investitionen in Rechenzentren und Robotik vorgesehen. Lee sprach von einem „neuen Kapitel“ in der Geschichte Koreas und betonte, das Land müsse sich zentrale Bausteine der Künstlichen Intelligenz schneller sichern als andere Staaten.

Der industriepolitische Vorstoß soll Südkorea nicht nur als einen der wichtigsten Produktionsstandorte für Halbleiter festigen, sondern das Land auch zu einem globalen Akteur im KI-Sektor machen.

Konkurrenzkampf um KI-Technologien

Der Schritt ist auch als Reaktion auf den verschärften Wettbewerb um technologische Führung zu verstehen. Bislang dominieren vor allem US-Unternehmen wie Nvidia, AMD und Broadcom den Markt für Chips in KI-Rechenzentren. Produziert werden diese Halbleiter in großem Umfang bei TSMC in Taiwan.

Südkoreanische Anbieter sind dagegen bislang vor allem bei Hochleistungsspeichern stark, die ebenfalls in KI-Rechenzentren gebraucht werden. Seoul versucht damit, sich in dem zunehmenden Technologiekonflikt zwischen den USA und China als eigenständige Alternative zu positionieren. Viele Staaten dürften ein Interesse daran haben, dass Zukunftsbranchen wie KI nicht allein von Washington oder Peking geprägt werden.

Ausbau der Speicherchip-Produktion

Nach Angaben der Regierung sollen die heimischen Unternehmen ihre Kapazitäten bei der Herstellung von DRAM-Speicherchips innerhalb der kommenden fünf Jahre verdoppeln. Samsung Electronics und SK Hynix sind bereits die größten Speicherchip-Produzenten der Welt und haben zuletzt stark von der sprunghaft gestiegenen Nachfrage im Zuge des KI-Booms profitiert.

Besonders SK Hynix hat seine Stellung ausgebaut: Das Unternehmen gilt als wichtigster Zulieferer von Speicherchips für den US-Marktführer Nvidia.

Plan mit Signalwirkung – aber noch wenig konkret

Trotz der großen Ankündigung gibt es bislang offene Fragen. Beobachter verweisen darauf, dass der Vorstoß bisher eher den Charakter einer Zukunftsvision hat als den eines vollständig ausgearbeiteten Investitionsprogramms. Konkrete Angaben etwa zum Bauzeitraum der neuen Fabriken fehlen bislang.

Gleichzeitig macht der Präsident das Vorhaben erkennbar zur Chefsache. Dass Samsung und SK Hynix sich hinter den Plan stellen, gilt auch als Ausdruck der traditionell engen Beziehungen zwischen Staat und Großkonzernen in Südkorea. Im Gegenzug könnten die Unternehmen auf vereinfachte Regeln und Sondergenehmigungen beim Bau ihrer Werke hoffen.

KI-Boom treibt Börse und Debatten im Land an

Der Boom der Halbleiterbranche spiegelt sich auch an der Börse wider. Der südkoreanische Leitindex Kospi zählt seit dem vergangenen Jahr trotz deutlicher Schwankungen zu den erfolgreichsten großen Aktienindizes weltweit. Getragen wird diese Entwicklung vor allem von den Kursgewinnen bei Samsung Electronics und SK Hynix. Der Aktienkurs von SK Hynix ist seit Jahresbeginn laut Bericht um rund 300 Prozent gestiegen.

Die starke Fokussierung auf den Chipsektor hat in Südkorea jedoch auch eine Debatte über die Verteilung des wirtschaftlichen Erfolgs ausgelöst. Während große Halbleiterkonzerne Rekordgewinne erzielen und hohe Boni zahlen, profitieren viele andere Wirtschaftsbereiche deutlich weniger vom KI-Aufschwung.

Hinzu kommt die Sorge um den Arbeitsmarkt: Der rasante Vormarsch von KI wird mit dafür verantwortlich gemacht, dass insbesondere junge Menschen schwerer in Beschäftigung kommen. Die Arbeitslosenquote der unter 30-Jährigen lag zuletzt bei 7,2 Prozent.

Auch innenpolitisch steht Lee unter Druck. Der Präsident leidet nach Berichten derzeit unter besonders schwachen Umfragewerten seit Beginn seiner Amtszeit, was der groß angelegten Zukunftsvision zusätzliche politische Bedeutung verleiht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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