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Tour-Hammer: Stiehlt Lipowitz Evenepoel die Show?

Tour-Hoffnung Lipowitz greift wieder an – doch ausgerechnet mit Star Evenepoel an seiner Seite. Funktioniert diese explosive Doppelspitze?

30.06.2026, 09:40 Uhr

Lipowitz setzt bei der Tour auf Ruhe und das Zusammenspiel mit Evenepoel

Florian Lipowitz arbeitet vor dem Start der Tour de France bewusst im Hintergrund an seinem nächsten großen Erfolg. Genau das kommt dem 25-jährigen deutschen Hoffnungsträger entgegen: möglichst wenig Aufregung um die besondere Führungsrolle, die er sich im Red-Bull-Team mit dem belgischen Olympiasieger Remco Evenepoel teilt.

Lipowitz erklärte vor dem Auftakt der 113. Tour-Ausgabe, dass es für ihn sogar hilfreich sei, nicht permanent im Mittelpunkt zu stehen. So könne er sich, ähnlich wie im Vorjahr, ganz auf seine eigene Leistung konzentrieren.

Unterschiedliche Typen, gemeinsames Ziel

Schon im vergangenen Jahr sorgte Lipowitz mit Rang drei bei der Tour für Aufsehen. Evenepoel hingegen, damals noch für ein anderes Team unterwegs, musste in den Pyrenäen während der 14. Etappe aufgeben. Charakterlich könnten die beiden kaum verschiedener sein: Lipowitz gilt als ruhiger, zurückhaltender Ex-Biathlet, Evenepoel als offensiver und meinungsstarker Fahrer.

Trotzdem sieht Lipowitz darin keinen Nachteil. Aus seiner Sicht ergänzen sich beide gut und können voneinander profitieren. Außerdem nehme eine Doppelspitze spürbar Druck vom Einzelnen.

Viel gemeinsame Rennpraxis in der Vorbereitung gab es allerdings bislang nicht. Lipowitz sagte, der Kontakt sei bisher eher begrenzt gewesen. Zwar habe man zusammen ein Höhentrainingslager absolviert, dort sei er jedoch einige Tage krankheitsbedingt ausgefallen, weshalb am Ende nicht allzu viel gemeinsame Zeit geblieben sei.

Florian Lipowitz und Remco Evenepoel
Florian Lipowitz (l) und Remco Evenepoel nehmen an einer Pressekonferenz teil. (Archivbild) Quelle: Clara Margais/dpa

Bei der Katalonien-Rundfahrt traten beide gemeinsam an. Damals unterstützte Evenepoel seinen Teamkollegen dabei, am Ende Dritter zu werden. Der Belgier betonte, dass es für ihn selbstverständlich sei, sich unterzuordnen, falls Lipowitz im Rennen der stärkere Fahrer sein sollte.

Großes Interesse an der Teamhierarchie

Vor dem Tourstart richtet sich viel Aufmerksamkeit auf das Verhältnis der beiden Spitzenfahrer. Selbst das Team griff das Thema zuletzt ausführlich auf und hob hervor, dass das Duo trotz aller Unterschiede funktioniere.

Auch Teamchef Ralph Denk zeigte sich überzeugt, dass das Modell aufgehen werde. Nach seinen Worten habe die Führung mit beiden Fahrern sehr offen über die Rollenverteilung gesprochen. Evenepoel bleibe zwar der Mann an der Spitze, Lipowitz sei jedoch ein wichtiger Unterstützer mit eigener Klasse.

Zugleich soll Evenepoel einen Teil der öffentlichen Aufmerksamkeit auf sich ziehen – etwas, das dem eher medienfernen Lipowitz entgegenkommt. Der Deutsche räumte ein, dass der plötzliche Rummel nach seiner ersten Tour ihn spürbar belastet habe. Nach dem Rennen habe er eine schwierigere Phase erlebt, auch weil ihm der ganze Trubel zeitweise zu viel geworden sei.

Erfolgreiches Frühjahr und Sieg in Slowenien

Für Lipowitz besteht die wichtigste Aufgabe nun darin, sich nicht zusätzlichen Druck zu machen. Seine bisherigen Ergebnisse in dieser Saison geben jedenfalls Anlass zu Optimismus: Platz drei in Katalonien sowie jeweils Rang zwei im Baskenland und bei der Tour de Romandie.

Gerade das Rennen in Katalonien habe ihm gezeigt, dass sowohl das Selbstvertrauen als auch die Form wieder voll da seien. Zuletzt bereitete sich der in Tirol lebende Profi zwei Wochen lang im Höhentrainingslager vor. Danach sicherte er sich den Gesamtsieg bei der Slowenien-Rundfahrt, auch wenn das Starterfeld dort nicht mit den ganz großen Namen besetzt war.

Die Entscheidung des Teams, ihn nach Slowenien zu schicken, war bewusst getroffen worden: fernab des großen Medieninteresses sollte er in Ruhe Selbstvertrauen sammeln und sich gezielt auf die Tour vorbereiten.

Kampf ums Podium wird noch schwieriger

Lipowitz macht sich dennoch nichts vor. Neben den dominierenden Topfavoriten Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard sieht er die Konkurrenz in diesem Jahr noch stärker. Hinzu kommt mit dem französischen Supertalent Paul Seixas ein weiterer ernstzunehmender Rivale.

Nach Einschätzung des Deutschen wird der Kampf um das Podium extrem anspruchsvoll. Pogacar und Vingegaard bewegten sich aus seiner Sicht noch einmal auf einem anderen Niveau. In den Vorbereitungsrennen habe er gespürt, dass beide ihm derzeit noch ein oder zwei Schritte voraus seien.

Trotzdem konnte Lipowitz zuletzt zeigen, dass er mithalten kann. Bei der Tour de Romandie griff er Pogacar sogar an und beendete das Rennen letztlich nur 42 Sekunden hinter dem slowenischen Ausnahmefahrer, der in diesem Jahr seinen fünften Tour-Sieg anstrebt.

Noch keine ständige Aufmerksamkeit im Alltag

Abseits des Rennens genießt Lipowitz, dass er im öffentlichen Leben noch vergleichsweise unbehelligt bleibt. Auf dem Rad werde man zwar inzwischen gelegentlich erkannt, sagte er. Doch im Alltag könne er meist noch ganz normal durch die Stadt gehen, ohne dauernd angesprochen zu werden – etwas, das er nach eigenen Worten durchaus schätzt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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