2026 hat im Serienbereich bereits einige echte Gesprächsthemen hervorgebracht. Produktionen wie Off Campus, Heated Rivalry oder Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette haben international viel Aufmerksamkeit erzeugt.
Ob diese Titel ähnlich große Wellen schlagen wie in den vergangenen Jahren etwa Adolescence und Pluribus (2025), Rentierbaby (2024), Succession (2023), Severance oder Wednesday (2022), Squid Game und The White Lotus (2021), der Start von Ted Lasso (2020) oder Euphoria (2019), darüber lässt sich natürlich streiten. Fest steht aber: Auch 2026 gibt es schon zur Jahresmitte eine Reihe bemerkenswerter Serien.
Wie es etwa bei der New York Times oder dem Guardian üblich ist, lohnt sich also eine Halbjahresbilanz. Hier kommt eine alphabetisch sortierte Auswahl von 13 Produktionen, die man in diesem TV-Jahr nicht übersehen sollte – darunter Überraschungserfolge und starke neue Staffeln etablierter Formate.
Bait
Prime Video; 6 Folgen, seit 25. März online
Mit Bait liefert Riz Ahmed eine bissige Satire auf das Entertainment-Geschäft. Im Mittelpunkt steht ein Schauspieler am Beginn seiner Karriere, der für die Rolle des nächsten James Bond vorsprechen darf. Der besondere Reiz der Serie liegt auch darin, dass ausgerechnet Prime Video – also ein Dienst aus dem Amazon-Kosmos – damit auf amüsante Weise den zähen Prozess rund um die Suche nach dem Bond-Nachfolger von Daniel Craig kommentiert.
Beef – Staffel 2
Netflix; 8 Episoden, seit 16. April online
In der zweiten Staffel von Beef spielen Carey Mulligan und Oscar Isaac ein unglückliches Ehepaar, das einen Country Club betreibt und unter Druck gesetzt wird. Das bekannte Konfliktmuster von sozialen Gegensätzen ist inzwischen oft erzählt worden, trotzdem fand die neue Staffel viele begeisterte Anhänger. Dennoch bleibt für die meisten die erste Runde aus dem Jahr 2023 mit Steven Yeun und Ali Wong unerreicht.

Half Man
HBO Max; 6 Episoden, vollständig bis 29. Mai veröffentlicht
Nach Rentierbaby beweist Richard Gadd erneut, wie kompromisslos er erzählen kann. Half Man ist ein düsteres Drama über die Verletzungen und Zerstörungen, die Männer einander zufügen.
Die Serie beginnt in der Gegenwart mit einer beklemmenden Szene in einer dunklen Scheune: Niall, gespielt von Jamie Bell, steht in schottischer Hochzeitskleidung Ruben gegenüber, den Gadd selbst verkörpert. Ruben ist oberkörperfrei, die Hände bandagiert wie vor einem Boxkampf. Alles deutet auf eine brutale Auseinandersetzung hin.
Danach springt die Handlung mehr als drei Jahrzehnte zurück und zeichnet nach, wie diese beiden Männer miteinander verbunden sind. Der junge, sensible Niall wächst mit Ruben auf, der gerade aus der Jugendhaft entlassen wurde und als gewalttätig und unberechenbar gilt. Was folgt, ist eine verstörende und intensive Geschichte, die lange nachwirkt.
Heated Rivalry
HBO Max; 6 Folgen, vollständig bis 13. März veröffentlicht
Heated Rivalry wurde weltweit zum Publikumsliebling – weit über die klassische Zielgruppe romantischer Serien hinaus. Die Geschichte basiert auf den Büchern von Rachel Reid und dreht sich um die Eishockeyprofis Ilya und Shane, die nach außen als Rivalen auftreten, sich heimlich aber immer näherkommen.
Aus anfänglichen Treffen im Verborgenen wird eine leidenschaftliche Liebesgeschichte in einer rauen Sportwelt. Die Serie verbindet körperliche Anziehung mit echter Emotionalität und machte Connor Storrie und Hudson Williams endgültig zu Stars.
Kacken an der Havel
Netflix; 9 Folgen, seit 26. Februar online
Diese herrlich schräge deutsche Comedy von Dimitrij Schaad und Alex Schaad gehört zu den ungewöhnlichsten Formaten des Jahres. Im Zentrum steht Toni Fleischer, ein gescheiterter Rapper, gespielt von Anton "Fatoni" Schneider. Nach dem Tod seiner Mutter kehrt er in seine ostdeutsche Heimat zurück – in den fiktiven Ort Kacken an der Havel.
Dort warten nicht nur eine hochgradig absurde Familie und ein chaotischer Freundeskreis auf ihn, sondern auch eine bissige Provinzsatire. Veronica Ferres tritt dabei als boshafte Bürgermeisterin auf – und trägt sogar den Namen Veronica Ferres.
Lord of the Flies
Sky/Wow; 4 Folgen, vollständig bis 3. März veröffentlicht
Die BBC-Miniserie Lord of the Flies wurde von Kritikern gefeiert. Die neue Adaption von William Goldings Klassiker über gestrandete Jungen auf einer Insel wirkt erstaunlich gegenwärtig. Themen wie Männlichkeitsbilder, Gewalt, Gruppendynamik und die Zerbrechlichkeit demokratischer Regeln stehen hier im Mittelpunkt – und treffen damit genau Debatten, die 2026 ohnehin geführt werden.
Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette
Disney+; 9 Episoden, vollständig bis 27. März veröffentlicht
Die erste Staffel dieser Anthologieserie von Produzent Ryan Murphy widmet sich einem der glamourösesten Paare der 1990er-Jahre: John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette. Verkörpert werden sie von Paul Kelly und Sarah Pidgeon.
Die Serie erzählt von ihrer Beziehung, ihrer Hochzeit im Jahr 1996 und dem tragischen Tod beider zusammen mit Carolyns Schwester Lauren bei einem Flugzeugabsturz 1999. In Teilen der USA löste das Format eine neue Kennedy-Sehnsucht aus – ebenso wie eine Begeisterung für die Mode und Ästhetik der 90er.
My Ex
ZDF; 6 Folgen, seit 27. April online
In der romantischen Komödie My Ex sucht Interior-Designerin Ivy, gespielt von Palina Rojinski, nicht per App nach dem Richtigen, sondern in ihrer eigenen Vergangenheit. Ein Orakel sagt ihr voraus, dass ihre große Liebe unter ihren Ex-Freunden zu finden sei. Nur: Sie hat dafür gerade einmal drei Monate Zeit.
Die Serie verbindet RomCom-Elemente mit einem modernen Ton und passt gut in das aktuelle ZDFneo-Profil: leicht, verspielt und zugleich zeitgenössisch.
Off Campus
Prime Video; 8 Episoden, seit 13. Mai online
Eine Musikstudentin und der gefeierte Eishockeyspieler ihrer Universität kommen sich näher – daraus entwickelt sich in Off Campus eine College-Romanze mit großem Suchtpotenzial. Die Serie trifft den Nerv der Zeit, weil sie nicht nur von Liebe erzählt, sondern auch von Freundschaft, Zugehörigkeit und dem schwierigen Übergang ins Erwachsenwerden.
Der enorme Hype um die Produktion hat zugleich mehrere junge Darsteller zu internationalen Publikumslieblingen gemacht, darunter Ella Bright, Belmont Cameli, Mika Abdalla und Stephen Kalyn.
Only Margo
Apple TV; 8 Folgen, vollständig bis 20. Mai veröffentlicht
Only Margo verbindet Komödie und Drama auf kluge Weise. Elle Fanning spielt Margo, eine hochbegabte Jugendliche aus einfachen Verhältnissen. Ihr Lehrer erkennt ihr Potenzial für Harvard, nutzt seine Machtposition jedoch schamlos aus. Als Margo schwanger wird, lässt er sie im Stich.
Ihr ursprünglicher Lebensplan zerbricht, doch die Hauptfigur gibt nicht auf. Zu ihren neuen Wegen gehört auch ein OnlyFans-Account. Statt bloß auf Provokation zu setzen, erzählt die Serie – im Original Margo’s Got Money Troubles – von Selbstbestimmung, Ersatzfamilien und weiblichem Zusammenhalt. Besonders Michelle Pfeiffer sticht als Margos harte Mutter Shyanne heraus.
Proud
HBO Max; 8 Folgen, Veröffentlichung bis 31. Juli
Die polnische Serie Proud gehört zu den stärksten internationalen Produktionen des Jahres. Erzählt wird die Geschichte von Filip, einem jungen schwulen Mann mit selbstzerstörerischen Tendenzen, der nach dem plötzlichen Tod seiner Schwester vor einer lebensverändernden Entscheidung steht: Soll er die Verantwortung für seine kleine Nichte übernehmen?
Karol Klementowicz’ Serie wurde bei Series Mania in Lille mit dem Grand Prix ausgezeichnet – völlig verdient. Das Format ist emotional, präzise und hochaktuell.
Tage, die es nicht gab – Staffel 2
ARD/ORF; 8 Folgen, seit 16. Januar in der ARD
Auch wenn viele die erste Staffel aus dem Jahr 2023 noch etwas stärker fanden, bleibt Tage, die es nicht gab ein Höhepunkt im deutschsprachigen Serienangebot. In Staffel zwei stößt Sarah in ihrem Zimmer auf die Leiche ihrer besten Freundin Emily. Rätselhaft ist nicht nur, wer das Mädchen erstochen hat, sondern auch, wie sie überhaupt ins Haus gelangte.
Wie schon zuvor verbindet die Serie Krimielemente mit dem Beziehungsgeflecht von vier Frauen, die seit ihrer Jugend an einem österreichischen Elitegymnasium eng miteinander verbunden sind.
The Pitt – Staffel 2
HBO Max; 15 Folgen, vollständig bis 16. April veröffentlicht
The Pitt war zunächst eine Überraschung und entwickelte sich schon mit Staffel eins im Jahr 2025 zu einem der meistgelobten Formate überhaupt. Mit der zweiten Staffel hat die Krankenhausserie ihren Ruf noch weiter gefestigt – für viele ist sie sogar das Serienhighlight des bisherigen Jahres.
Statt auf überzogene Dramatik oder hysterische Wendungen zu setzen, beobachtet The Pitt seine Figuren mit Geduld und Genauigkeit. Gerade diese Zurückhaltung hebt die Serie von vielen klassischen Krankenhausformaten ab. Die Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen steht im Vordergrund – und genau darin liegt ihre große Stärke.
Diese 13 Titel zeigen, wie abwechslungsreich das Serienjahr 2026 bisher ausgefallen ist: von queeren Liebesgeschichten über schonungslose Dramen bis zu cleveren Satiren und starken deutschsprachigen Produktionen. Wer in diesem Jahr mitreden will, findet hier mehr als genug Stoff.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber