Bei der Jagd nach großen Titeln fehlt es im Männertennis derzeit an Spannung. Jannik Sinner gibt den Ton an, und sollte der verletzte Carlos Alcaraz bald zurückkehren, läuft vieles erneut auf ein Duell der beiden Ausnahmespieler hinaus. Vor den am Sonntag beginnenden French Open richtet sich der Blick dennoch auf einige junge Profis, die den etablierten Stars gefährlich werden könnten.
Rafael Jódar (19)
Schon sein Vorname weckt in Spanien Erinnerungen an Rafael Nadal. Doch mit dem früheren Sandplatzkönig ist Jódar nur bedingt vergleichbar. Der 19-Jährige ist kein Defensivspezialist, sondern sucht lieber früh den Abschluss und meidet lange Ballwechsel eher. Der 1,91 Meter große Spanier setzt auf Tempo, Risiko und vergleichsweise wenig Topspin.
Dass dieses Spiel auch auf Asche funktioniert, hat er bereits in Barcelona, Madrid und Rom gezeigt. Vor einem Jahr lag Jódar in der Weltrangliste noch jenseits der Top 600, weil er möglichst lange College-Tennis spielen wollte. Inzwischen gehört er schon zu den besten 30 der Welt. Für Toni Nadal ist er sogar der „beste Spieler dieser neuen Generation“ mit dem „größten Potenzial“.
João Fonseca (19)
Der Brasilianer gilt schon seit geraumer Zeit als eines der spannendsten Talente der Tour. Zwar war für Fonseca bei den Australian Open 2025 in der dritten Runde Schluss, dennoch hinterließ er großen Eindruck. Novak Djokovic schwärmte davon, wie stark der 19-Jährige die wichtigen Punkte spiele, und bekannte sich als Fan seines Spiels. Auch Carlos Alcaraz zeigte sich überzeugt, dass Fonseca schon bald zu den besten Spielern der Welt gehören könne.
Noch ist er dort nicht angekommen. In den vergangenen Monaten geriet seine Entwicklung etwas ins Stocken, auch wegen wiederkehrender Rückenprobleme. Dennoch bringt der druckvolle Brasilianer vieles für eine große Karriere mit. Seine Fans unterstützen ihn bei Turnieren oft lautstark und frenetisch — manchmal sogar mehr, als ihm lieb ist. Fonseca forderte zuletzt ein gewisses Maß und beklagte zu viele Zwischenrufe.
Learner Tien (20)
Auf der ATP-Tour ist der US-Amerikaner längst kein Geheimtipp mehr. Bereits im Januar 2025 schaffte er den Sprung in die Top 100, danach arbeitete er sich kontinuierlich bis in die Top 20 vor. Der 1,80 Meter große Tien gehört nicht zu den gefürchtetsten Aufschlägern, gleicht das aber mit außergewöhnlichem Spielverständnis aus. Daniil Medwedew traut ihm sogar zu, eines Tages die Nummer eins der Welt zu werden.
Im Dezember gewann Tien die Next Gen ATP Finals, das Jahresendturnier der besten Nachwuchsspieler. Trainiert wird der 20-Jährige vom früheren Grand-Slam-Sieger Michael Chang. Sein Coach lobt vor allem dessen besondere Persönlichkeit und hebt hervor, dass Tien auf dem Platz deutlich mehr nachdenke als die meisten anderen Profis.
Martín Landaluce (20)
An Selbstvertrauen mangelt es dem Madrilenen nicht. Landaluce ist überzeugt, schon jetzt die besten Spieler schlagen zu können. Der frühere Junioren-Weltranglistenerste schrieb in Miami Geschichte, als er als erster Spieler des Jahrgangs 2006 das Viertelfinale eines Masters-1000-Turniers erreichte. In Rom bestätigte er diese Entwicklung auch auf Sand mit seinem offensiven und aktiven Stil.
Landaluce wuchs in einer Tennisfamilie auf und wurde in der Rafael-Nadal-Akademie ausgebildet. Besonders wertvoll seien für ihn die Einheiten mit dem 14-maligen French-Open-Sieger Nadal gewesen. Ihn zu beobachten, mit ihm zu spielen, mit ihm zu sprechen, seine Ratschläge zu bekommen und ihn täglich im Training zu sehen, habe ihn nachhaltig geprägt, sagte Landaluce.
Alexander Blockx (21)
Dass der Belgier viel Potenzial besitzt, war schon länger zu erkennen. In den vergangenen Wochen verlief sein Aufstieg jedoch besonders rasant. Blockx spielte eine starke Sandplatzsaison und stürmte beim Masters in Madrid überraschend bis ins Halbfinale. Dort war er gegen Alexander Zverev allerdings chancenlos — ebenso wie wenig später in Rom, wo er in der dritten Runde erneut am Deutschen scheiterte.
Nach dem ersten Duell sagte Blockx, es habe sich angefühlt, als spiele er gegen sich selbst — nur eben gegen eine um einige Versionen stärkere Ausgabe. Tatsächlich erinnert sein Profil an Zverev: Mit 1,93 Metern verfügt er über einen starken Aufschlag und kann dank seiner Reichweite auch defensiv viele Bälle erlaufen. Was ihm auf höchstem Niveau noch fehlt, ist vor allem Konstanz.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion