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Sennas Erbe? Brasilien feiert den «Harry Potter Latino»

Brasilien fiebert mit: Zwei Landsmänner starten wieder in der Formel-1 – ein Rookie debütiert in São Paulo unter Senna-Druck.

06.11.2026, 07:31 Uhr

Senna überall, neue Hoffnung im Cockpit: Brasilien fiebert mit zwei Formel-1-Fahrern

In Interlagos ist Ayrton Senna allgegenwärtig. An der Mauer an der Laranjinha-Kurve prangt ein mehr als 2000 Quadratmeter großes Wandbild der 1994 verstorbenen brasilianischen Formel-1-Ikone. Am Boxengebäude des Autódromo José Carlos Pace erinnert zudem ein riesiges Graffito an Sennas emotionalen Heimsieg von 1991, auf dem er mit dem Siegerpokal zu sehen ist. Das gewaltige Erbe der Formel 1 ist in Brasilien damit an jeder Ecke spürbar.

Zum ersten Mal seit 2016 sind wieder zwei Brasilianer im Starterfeld vertreten. Neben Audi-Fahrer Gabriel Bortoleto (24) aus São Paulo steht auch Rafael Câmara (21) aus Recife im Aufgebot. Für den Haas-Piloten wird das Wochenende besonders: Vor heimischem Publikum feiert er sein Debüt in der Formel 1.

Ocons Aus eröffnet Câmara die Tür

Mit zurückhaltenden Worten schilderte Câmara seine Gefühlslage bei der Pressekonferenz: Er hätte nie erwartet, sein erstes Formel-1-Rennen ausgerechnet in Brasilien zu bestreiten. Nun wolle er den Moment vor allem genießen.

Eigentlich war sein Stammplatz in der Formel 1 erst für 2027 vorgesehen. Dass er nun früher zum Einsatz kommt, hängt mit dem überraschenden Aus von Esteban Ocon zusammen. Der Franzose verlor seinen Sitz kurzfristig vor dem Rennen in Mexiko. Dort sprang zunächst der Japaner Ryo Hirakawa ein und holte prompt einen Punkt für den US-Rennstall. Gegen Ocon stehen Vorwürfe häuslicher Gewalt im Raum, die er jedoch zurückweist.

Rafael Camara
Der Brasilianer Rafael Camara gibt bei seinem Heimrennen sein Formel-1-Debüt. Quelle: Bradley Collyer/PA Wire/dpa

Der 34. Brasilianer in der Geschichte der Formel 1

Câmara, derzeit Spitzenreiter in der Formel-2-Gesamtwertung, erhält damit früher als geplant seine Chance. Auf der traditionsreichen, welligen Strecke vor den Toren São Paulos war er zuletzt noch als Kartfahrer unterwegs. Als 34. Brasilianer in der Historie der Formel 1 steht der Rookie nun besonders im Fokus.

Weltmeister Max Verstappen mahnte jedoch zur Geduld. Brasilien sei ein Land mit großer Motorsport-Geschichte und vielen herausragenden Champions, sagte der Red-Bull-Pilot. Gerade deshalb solle man nicht zu viel Druck auf Câmara aufbauen. Er habe sein Talent in allen Nachwuchsklassen bewiesen und solle sich nun Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Brille, Spitzname und Rennsport in der Familie

Verstappen weiß genau, wie hoch die Erwartungen in Brasilien sind. Dort werden Fahrer schnell mit den größten Namen des Landes verglichen: mit Ayrton Senna, Emerson Fittipaldi oder Nelson Piquet. Letzterer ist zudem Verstappens Schwiegervater.

Câmara fällt auch abseits der Strecke auf: Wegen Kurzsichtigkeit und einer Hornhautverkrümmung trägt er eine Brille, was ihm den Spitznamen „Harry Potter Latino“ eingebracht hat. Die Begeisterung für den Motorsport liegt bei ihm in der Familie. Seine Großmutter mütterlicherseits, Niege Rossiter, bestritt bereits in den 1960er Jahren Autorennen in Brasilien und galt damit als Pionierin. Später begleitete sie ihren Enkel auch zu Nachwuchsrennen in Europa.

Bortoleto will Vorbild sein

Für Gabriel Bortoleto ist der Weg durch die Nachwuchsklassen längst Vergangenheit. Er fährt inzwischen seine zweite Formel-1-Saison und ist Teamkollege von Nico Hülkenberg. Weniger als Vergleiche mit Senna beschäftigt ihn dabei die Frage, welche Wirkung er auf junge Menschen in seiner Heimat haben kann.

Bortoleto betonte, dass brasilianische Fahrer auch dann ein Zeichen setzen können, wenn sie nicht um Siege fahren. Wichtig sei, der jungen Generation zu zeigen, dass man trotz vieler Schwierigkeiten im eigenen Land den Sprung nach ganz oben im Motorsport schaffen könne.

Weitere Talente stehen schon bereit

Hinter Bortoleto und Câmara drängen bereits die nächsten brasilianischen Talente nach. Dazu gehört Formel-2-Fahrer Emmo Fittipaldi (19), Sohn von Emerson Fittipaldi. Auch Fefo Barrichello (21), der in der Formel 3 fährt und Sohn von Rubens Barrichello ist, hofft auf seinen Aufstieg. Mit dem großen Namen und den damit verbundenen Erwartungen sind auch sie längst vertraut.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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