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Russland-Frage! Eishockey-Star schweigt

Russlands Comeback könnte die Heim-WM 2027 sprengen – und die deutschen Stars schweigen. Wackelt das Eishockey-Fest?

06.11.2026, 05:12 Uhr

Bundesregierung will Heim-WM 2027 sichern: Deutschland pocht auf Turnier ohne Russland

Im deutschen Eishockey überlagert die Debatte um Russland weiter alles andere. Auch Tage nach dem umstrittenen Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes Cas, der die IIHF-Sperre russischer Teams gekippt hat, gibt es beim Weltverband keine klare Linie. Dafür hat sich nun die Bundesregierung deutlich positioniert: Die Heim-WM 2027 in Düsseldorf und Mannheim soll stattfinden – aber ohne Russland.

Nach Angaben von Regierungssprecher Stefan Kornelius ist das Ziel klar, die Titelkämpfe wie geplant in Deutschland auszutragen. Eine Teilnahme Russlands würde das Turnier wegen drohender Boykotte jedoch praktisch unmöglich machen. Deshalb lotet die Bundesregierung gemeinsam mit den beteiligten Akteuren auf diplomatischem Weg aus, wie die WM dennoch stattfinden kann.

Regierung sieht WM mit Russland als kaum durchführbar an

In den vergangenen Tagen gab es laut Bundesregierung zahlreiche Gespräche mit dem Deutschen Eishockey-Bund, dem Deutschen Olympischen Sportbund sowie mit dem neu gewählten IIHF-Präsidenten und früheren DEB-Chef Franz Reindl. Das Ergebnis dieser Gespräche sei eindeutig: Mit einer russischen Mannschaft wäre die WM sportlich und wirtschaftlich faktisch nicht durchführbar.

Hintergrund sind Boykott-Androhungen mehrerer Nationen und die Warnung wichtiger Sponsoren, sich im Fall einer russischen Teilnahme zurückzuziehen. Der DEB hatte deshalb bereits die Möglichkeit ins Spiel gebracht, die Ausrichtung des Turniers notfalls zurückzugeben.

Auch Visa-Beschränkungen sind denkbar

Die Debatte hat längst die große Politik erreicht. Nachdem Kanadas Premierminister Mark Carney öffentlich ausgeschlossen hatte, dass eine russische Auswahl an der U20-WM in Kanada teilnehmen werde, und dabei auf mögliche verweigerte Visa verwies, wird auch in Deutschland über ein solches Vorgehen nachgedacht.

Aus dem Bundesinnenministerium hieß es sinngemäß, dass es angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine keine politische Normalität geben könne. Damit schließt die Bundesregierung auch verschärfte Einreiseregeln für russische Sportler im Zusammenhang mit der WM 2027 nicht aus.

Cas verteidigt Urteil, IIHF ringt um Kurs

Der Cas hat seine Entscheidung inzwischen selbst verteidigt und der IIHF schwere Versäumnisse vorgeworfen. Nach Ansicht des Gerichts habe der Weltverband nicht ausreichend belegt, dass die rechtlichen Voraussetzungen für den Ausschluss russischer Teams weiterhin erfüllt seien.

Diese Fehler fallen noch in die Zeit vor Franz Reindls Wahl an die Spitze der IIHF. Für den neuen Präsidenten wird die Affäre damit früh zur Belastungsprobe. Innerhalb des Weltverbandes stehen sich russlandfreundliche und russlandkritische Lager gegenüber.

Wie tief die Gräben sind, zeigt auch die Krisensitzung des IIHF-Council. Das Gremium wollte eigentlich bereits zu Wochenbeginn zu einem Ergebnis kommen, konnte sich aber auch nach tagelangen Beratungen bis Freitag nicht auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen.

Putin schaltet sich ein

Inzwischen hat sich auch Russlands Präsident Wladimir Putin in die Debatte eingeschaltet. Er warf einzelnen Staaten politische Beschränkungen gegen russische Sportler vor und sprach von einem Verstoß gegen gerichtliche Entscheidungen und demokratische Institutionen.

Deutschland Cup weiter im Schatten der Debatte

Beim Deutschland Cup in Düsseldorf rückt der Sport unterdessen nur in den Hintergrund. Eigentlich sollte das Heimturnier mit dem neuen Bundestrainer André Rankel nach zuletzt enttäuschenden Turnieren für Aufbruchsstimmung sorgen. Trotz des 3:0-Auftaktsiegs gegen Österreich drehte sich jedoch vieles um die Zukunft der Heim-WM.

Die Nationalspieler halten sich öffentlich weiterhin zurück. Torschütze Wojciech Stachowiak wollte sich nach seinem Treffer zum 3:0 nicht näher äußern und verwies darauf, dass Spieler dafür nicht die richtigen Ansprechpartner seien. Auch Tobias Rieder und Dominik Bokk machten deutlich, dass der DEB seine Haltung bereits klar formuliert habe und sich die Mannschaft auf das Sportliche konzentriere.

Kapitän Yasin Ehliz betonte ebenfalls, der Fokus liege zunächst auf dem Deutschland Cup und auf der Arbeit mit dem neuen Bundestrainer. Alles Weitere müsse sich zeigen.

Zukunft der Heim-WM weiter offen

Trotz der klaren politischen Unterstützung bleibt offen, wie die endgültige Lösung aussehen kann. Der DEB sieht die Ausgangslage durch das Cas-Urteil grundlegend verändert und verweist auf erhebliche sicherheitsrelevante, politische und wirtschaftliche Risiken im Fall einer russischen WM-Teilnahme.

Fest steht bislang nur: Deutschland will die Heim-WM 2027 behalten – und sucht gemeinsam mit Politik und Verbänden nach einem Weg, sie ohne Russland auszurichten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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