Olympia

Olympia-Schock: Hamburg sagt klar Nein

Olympia in Hamburg? Die Entscheidung ist gefallen – und sie dürfte viele überraschen. Warum die Stadt klar Nein sagte.

31.05.2026, 19:44 Uhr

Hamburg wird sich nach dem Bürgerentscheid nicht um Olympische und Paralympische Spiele bewerben. Schon früh bei der Auszählung zeichnete sich ab, dass eine klare Mehrheit die Pläne für Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 ablehnt. Am Ende stimmten 54,9 Prozent gegen die Bewerbung, 45,1 Prozent votierten dafür.

Laut Landeswahlleiter Oliver Rudolf wurden 652.193 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,5 Prozent. Stimmberechtigt waren rund 1,3 Millionen Hamburgerinnen und Hamburger ab 16 Jahren. Bemerkenswert ist zudem: In keinem der sieben Bezirke gab es eine Mehrheit für die Olympia-Befürworter.

Damit ist die Hansestadt aus dem Rennen um die deutsche Kandidatur ausgeschieden, noch bevor der nationale Wettbewerb richtig begonnen hat. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) räumte das Scheitern noch am Abstimmungsabend ein. Er habe dem DOSB-Präsidenten Thomas Weikert sowie dem deutschen IOC-Vertreter Michael Mronz mitgeteilt, dass Hamburg seine Bewerbung zurückzieht.

Debakel wie schon 2015

Für den rot-grünen Senat unter Tschentscher ist das Votum ein schweres Debakel. Bereits 2015 war eine Hamburger Olympia-Bewerbung in einem Referendum gescheitert. Damals lehnten 51,6 Prozent die Kandidatur für die Spiele 2024 ab, 48,4 Prozent stimmten dafür. Die Beteiligung lag seinerzeit mit 50,2 Prozent sogar noch etwas höher als diesmal.

Diesmal fiel das Ergebnis noch deutlicher aus als vor elf Jahren.

Keine Teilnahme am nationalen Auswahlverfahren

Nach dem Nein kann Hamburg nicht mehr in den deutschen Wettbewerb mit München, der Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum und Berlin eintreten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will am 26. September entscheiden, mit welchem Bewerber Deutschland in das internationale Verfahren geht.

Der DOSB bezieht bei seiner Bewertung die Ergebnisse der Bürgerbefragungen mithilfe einer Matrix ein. DOSB-Vorstandsvorsitzender Otto Fricke zeigte sich nach dem Hamburger Votum enttäuscht. Im NDR sprach er von Frust nach zahlreichen positiven Signalen anderswo – unter anderem aus München, NRW, Kiel, Berlin und auch nach einem zustimmenden Beschluss des Rostocker Rats.

München und Rhein-Ruhr mit Zustimmung, Berlin ohne Referendum

Nach dem Ausscheiden Hamburgs bleiben dem DOSB noch drei Optionen. In München und in der Rhein-Ruhr-Region sprachen sich jeweils rund 66 Prozent für eine Bewerbung aus. Berlin verzichtet aus verfassungsrechtlichen Gründen auf einen Volksentscheid; das Abgeordnetenhaus beschloss stattdessen am 21. Mai mehrheitlich eine Bewerbung.

Auch für Kiel, das als möglicher Segelstandort vorgesehen war, hat das Hamburger Votum Folgen. Dort hatten bei einem Bürgerentscheid am 19. April 63,5 Prozent dafür gestimmt, dass sich die Stadt für künftige Spiele in Deutschland als Segelrevier empfiehlt. Nun kann Kiel nur noch auf eine Rolle bei einer anderen Bewerbung hoffen.

Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) betonte dennoch, der Traum von Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland lebe weiter. Nun müsse im weiteren Verfahren das Konzept mit den größten Erfolgschancen gefunden werden.

Breites Pro-Bündnis reicht nicht aus

In Hamburg hatten sich Politik, organisierter Sport, Wirtschaft und Kultur für Olympia an Alster und Elbe starkgemacht. Gegen die Pläne stellten sich unter anderem Linke, AfD, die Initiative „NOlympia“ sowie Umweltschutzverbände.

Vor dem Entscheid prägten vor allem die Befürworter mit einer groß angelegten Kampagne und zahlreichen prominenten Gesichtern das Stadtbild. Die Gegenseite trat deutlich kleiner auf. Trotzdem gelang es den Olympia-Fans nicht, die Mehrheit der Bevölkerung zu überzeugen.

Der Sprecher der Initiative „NOlympia“, Eckart Maudrich, wertete das Ergebnis als klares Signal. Die Hamburgerinnen und Hamburger hätten sich nicht von einer millionenschweren Werbekampagne überzeugen lassen. Zugleich sprach er von einem Zeichen für Fair Play und Teamgeist bei den Regeln der Olympischen Spiele.

Maudrich kritisierte außerdem das Finanzkonzept des Senats als unglaubwürdig. Aus seiner Sicht seien milliardenschwere Kosten etwa für Sicherheit und den Bau eines Leichtathletikstadions ausgeblendet worden. Das Votum sei deshalb auch eine Absage an ein weiteres großes Prestigeprojekt in der Stadt.

Tschentscher warb intensiv für die Spiele

Bürgermeister Tschentscher hatte sich seit März persönlich und auffällig stark für das Projekt eingesetzt. Er war in der Stadt unterwegs, um für die Bewerbung zu werben, und stellte Olympia als große Chance für Hamburg und seine Menschen dar.

Er verwies auf wirtschaftliche Möglichkeiten, kurze Wege und ein Konzept mit bereits vorhandenen oder nur temporären Sportstätten. Seine zentrale Botschaft lautete, dass sich Olympia an Hamburg anpassen solle – nicht Hamburg an Olympia.

Viele Kritiker blieben dennoch skeptisch. Wie schon 2015 verwiesen sie auf schwer kalkulierbare Kosten, Belastungen durch Verkehr und Bauprojekte, Risiken für Umwelt und Stadtentwicklung sowie mögliche weitere Mietsteigerungen. Auch die erhofften positiven Effekte für den Breitensport und den von Tschentscher betonten Kulturwandel im IOC sahen sie nicht. Am Ende folgte die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger diesen Einwänden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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