Gegen den deutschen Rekordhalter über 100 Meter, Owen Ansah, hat die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) ein Ergebnismanagementverfahren eingeleitet. Nach Angaben der Nada geht es um einen möglichen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln wegen einer verweigerten Dopingkontrolle.
Eine vorläufige Sperre wurde gegen den 25-jährigen Sprinter vom Hamburger SV jedoch nicht ausgesprochen. Die Nada erklärte, dass das Regelwerk für den vorgeworfenen Verstoß keine zwingende sofortige Suspendierung vorsehe. Damit bleibt Ansah eine Woche vor den deutschen Meisterschaften in Bochum zunächst startberechtigt.
Vorfall kurz vor dem Abflug
Als Athlet im Testpool muss Ansah täglich im Voraus ein Zeitfenster und einen Aufenthaltsort angeben, in dem er für mögliche Kontrollen erreichbar ist. Laut einer Stellungnahme des Deutschen Leichtathletik-Verbands war der Sprinter in der vergangenen Woche kurzfristig als Nachrücker für das Diamond-League-Meeting in Monaco nominiert worden.
Nach seiner Schilderung wollte er am Donnerstag gegen 14.30 Uhr gerade zum Flughafen aufbrechen, als ein Dopingkontrolleur außerhalb des von ihm gemeldeten Zeitfensters bei ihm erschien und eine Probe verlangte.
Ansah erklärte, er habe wegen des knappen Zeitplans die Probe nicht sofort abgeben können. Außerdem sei er kurz zuvor noch auf der Toilette gewesen. Das habe er dem Kontrolleur auch mitgeteilt. Nach seinen Worten sei ihm nicht angeboten worden, die Kontrolle etwa am Flughafen fortzusetzen. Ebenso seien mögliche Folgen des Vorgangs nicht angesprochen worden. Stattdessen habe ihm der Kontrolleur noch Glück für den Wettkampf in Monaco gewünscht.
Weitere Kontrollen folgten
In Monaco sei Ansah am Wettkampftag, also am Freitag vergangener Woche, von der Welt-Anti-Doping-Agentur getestet worden. Eine weitere Kontrolle durch die Nada habe dann am darauffolgenden Montag innerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters stattgefunden.
Ansah kündigte an, alles zu tun, um den Sachverhalt vollständig aufzuklären. DLV-Vorstand Jörg Bügner betonte, der Verband unterstütze die Arbeit der Nada uneingeschränkt und stehe mit dem Athleten in engem Kontakt.
Deutscher Rekord und EM-Perspektive
Ansah hatte vor zwei Jahren in Braunschweig mit 9,99 Sekunden als erster deutscher Sprinter die Zehn-Sekunden-Marke unterboten. Am 6. Juni verbesserte der in Mannheim trainierende Athlet den deutschen Rekord auf 9,98 Sekunden.
Bei der Europameisterschaft ab dem 10. August im britischen Birmingham zählt Ansah sowohl im Einzel über 100 Meter als auch mit der deutschen 4×100-Meter-Staffel zu den Medaillenhoffnungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber