Zverev greift in Paris nach dem großen Traum
Alexander Zverev steht bei den French Open nur noch einen Sieg von seinem ersten Grand-Slam-Titel entfernt. Der Hamburger zog mit einem 7:5, 6:2, 3:6, 6:3 gegen den Tschechen Jakub Mensik ins Endspiel von Roland Garros ein und jubelte danach mit gereckter Faust in Richtung seiner Box.
Schon rund eine Stunde nach seinem Halbfinalsieg war auch klar, wer ihm auf dem Weg zur erhofften Krönung in Paris noch im Weg steht: Flavio Cobolli. Der 24 Jahre alte, an Nummer zehn gesetzte Italiener erreichte das Finale kampflos, weil sein Landsmann Matteo Arnaldi wegen eines Virus kurz vor dem Halbfinale passen musste.
Cobolli sprach anschließend von gemischten Gefühlen. Die Nachricht habe ihn „fast zum Weinen“ gebracht, sagte der Italiener. Er sei traurig und gleichzeitig glücklich. Zwar sparte Cobolli durch den kampflosen Einzug viel Kraft, doch Zverev wollte das nicht überbewerten. „Das macht keinen Unterschied“, sagte der 29-Jährige und lobte seinen künftigen Gegner als „großartigen Spieler“ und „großartigen Jungen“. Er freue sich auf das Finale gegen ihn. Trotzdem geht Zverev als klarer Favorit in den Endspiel-Showdown am Sonntag.
Der Weltranglistendritte sprach nach seinem Sieg von seiner bislang schwierigsten Aufgabe im Turnier. „Ich habe es geschafft, habe gewonnen – ich bin glücklich“, sagte Zverev. Mit Blick auf das Finale ergänzte er: „Ich hoffe, ich spiele am Sonntag ein weiteres großartiges Match.“ Für den Deutschen ist es das zweite Finale in Paris und insgesamt bereits das vierte bei einem Grand-Slam-Turnier.
Becker ist begeistert
Boris Becker zeigte sich vom Auftritt des Deutschen beeindruckt. Bei Eurosport lobte der dreimalige Wimbledon-Sieger: „Er hat geliefert, er hat die Nerven behalten, er hat gutes Tennis gespielt. Weiter so!“
Auch im Verlauf des Matches hob Becker Zverevs Leistung hervor. Vor allem im zweiten Satz präsentierte sich der Deutsche aus seiner Sicht mit dem kompletten spielerischen Repertoire. Im gesamten Turnierverlauf hat Zverev bislang erst zwei Sätze abgegeben.
Überschaubares Niveau zum Auftakt
Bei im Vergleich zur heißen ersten Turnierwoche deutlich kühleren und windigen Bedingungen auf dem Court Philippe Chatrier fanden zunächst beide Spieler nur schwer ihren Rhythmus. Das Stadiondach blieb geöffnet, und der erste Satz bot spielerisch nur ein überschaubares Niveau.
Zverev wirkte dennoch druckvoller und bestimmte viele Rallyes mit seinen harten Grundschlägen. Beim Stand von 3:4 musste er allerdings zunächst drei Breakbälle abwehren, wobei ihm auch sein starker erster Aufschlag und etwas Glück halfen. Danach nutzte er seine erste eigene Breakchance, begünstigt durch einen Fehler von Mensik, und brachte den Satz mit einem Ass ins Ziel.
Zverev kontrolliert das Match
Mit dem Satzgewinn war die Gegenwehr des 20 Jahre alten Tschechen zunächst fast gebrochen. Zverev gelang im zweiten Durchgang früh das Break zum 2:1 und er wirkte danach zunehmend souverän.
Mensik versuchte, die Ballwechsel kürzer zu halten, fand gegen das variable Spiel des Deutschen aber nur selten eine passende Lösung. Zverev hatte auf fast jeden Vorstoß die richtige Antwort und setzte seinen Gegner immer stärker unter Druck. Becker schwärmte bei Eurosport: „Sascha zeigt jetzt sein ganzes Repertoire.“
Mensik angeschlagen und gehemmt
Vor dem Halbfinale hatte Zverev im Turnierverlauf rund vier Stunden weniger auf dem Platz gestanden als sein Gegner. Mensik hatte zuvor immer wieder mit körperlichen Problemen, vor allem mit Krämpfen, zu kämpfen gehabt – sogar in einer Pressekonferenz. Boris Becker hatte deshalb vor dem Match noch gemutmaßt, der 20-Jährige werde nach zwei freien Tagen „fit wie ein Turnschuh“ sein.
Auf dem Court wirkte Mensik jedoch deutlich vorsichtiger als noch bei seinem überzeugenden Viertelfinalsieg gegen João Fonseca. Ihm unterliefen viele leichte Fehler, zudem war ihm die Nervosität vor seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale klar anzumerken. Zverev nutzte seine größere Erfahrung konsequent aus.
Kurzes Aufbäumen im dritten Satz
Im dritten Durchgang nahm Mensik eine medizinische Auszeit und ließ sich im Nacken- und Schulterbereich behandeln. Danach fand der Tscheche besser ins Match, schaffte das Break zum 4:2 und sicherte sich den Satz, was ihm noch einmal Hoffnung gab.
Doch Zverev reagierte sofort. Im vierten Satz nahm er seinem Gegner früh den Aufschlag zum 2:0 ab und ließ danach nichts mehr anbrennen. Nach rund drei Stunden verwandelte der Olympiasieger von 2021 seinen ersten Matchball.
Vierter Anlauf auf den ersten Grand-Slam-Titel
Für Zverev ist es der nächste Versuch, endlich seinen ersten Major-Triumph zu feiern. Seine bisherigen drei Grand-Slam-Finals hat er allesamt verloren.
Bei den US Open 2020 fehlten ihm gegen Dominic Thiem nur zwei Punkte zum Titel. 2024 verlor er in Paris nach fünf Sätzen gegen Carlos Alcaraz, bei den Australian Open im vergangenen Jahr war Jannik Sinner zu stark. In diesem Jahr ist die Ausgangslage günstiger: Sinner schied früh aus dem Turnier aus, Alcaraz trat wegen einer Verletzung gar nicht erst an.
Thomalla würde zur Titelparty nach Paris reisen
Sollte Zverev am Sonntag tatsächlich den Titel holen, könnte auch seine Partnerin Sophia Thomalla zur Feier nach Paris kommen. Das Finale selbst will sie aber nicht vor Ort verfolgen. Hintergrund ist vor allem Zverevs Aberglaube: Während des Turniers möchte er an seinen gewohnten Abläufen möglichst nichts verändern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion