Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der jüngsten Eishockey-Weltmeisterschaft ist die Trennung von Bundestrainer Harold Kreis beim Deutschen Eishockey-Bund nun offiziell. Der DEB bestätigte das Aus des 67-jährigen Deutsch-Kanadiers ein Jahr vor der Heim-WM 2027. Zuvor hatte bereits die „Bild“ über eine einvernehmliche Trennung berichtet. Sein Vertrag war erst im vergangenen Jahr bis 2027 verlängert worden.
DEB-Sportchef Christian Künast erklärte laut Verbandsmitteilung, die Zusammenarbeit mit Kreis sei jederzeit von Vertrauen, Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt gewesen. Die Entscheidung sei dem Verband deshalb nicht leichtgefallen. Zugleich verwies Künast darauf, dass die Entwicklung der Männer-Nationalmannschaft zuletzt stagniert habe. Aus dieser sportlichen Gesamteinschätzung heraus sei man zu dem Schluss gekommen, dass nun ein neuer Impuls nötig sei.
Kreis selbst blickte in einer Mitteilung mit Dankbarkeit auf seine Zeit beim Nationalteam zurück. Die vergangenen drei Jahre mit der Mannschaft seien für ihn eine besondere Zeit gewesen, erklärte er. Zugleich wünschte er dem Verband und der Auswahl alles Gute für die kommenden Aufgaben.
Drittes enttäuschendes Turnier in Serie
Ausschlaggebend für die Trennung war die Aufarbeitung des aus Sicht des Verbandes dritten misslungenen Turniers nacheinander. Bei der WM in der Schweiz verpasste Deutschland wie bereits 2025 erneut das Minimalziel Viertelfinale. Zuvor war schon das olympische Turnier in Mailand im Februar enttäuschend verlaufen.
Besonders bitter: Die deutsche Mannschaft galt mit NHL-Stars um Leon Draisaitl als womöglich stärkste Auswahl ihrer Geschichte. Trotzdem blieb trotz günstigen Spielplans ein möglicher Medaillengewinn aus.
Kritik an Kreis schon während der WM
Bereits nach dem Turnier hatten Spieler teils deutliche Kritik am Coaching und an der Organisation rund um die Spiele geäußert. Künast zeigte sich anschließend selbstkritisch. Personelle Konsequenzen gab es zunächst nicht – nun aber beim Bundestrainer. Künast selbst, der zuletzt ebenfalls in der Kritik stand, bleibt dagegen beim Verband im Amt.
Zusätzlich wurde die personelle Zusammenstellung des Teams hinterfragt, ebenso wie die Einsatzzeiten der Führungsspieler bei Olympia und das Verhalten des Trainerstabs in entscheidenden Spielsituationen. Bei der WM soll Kreis auf sonst übliche Auszeiten verzichtet haben. Auch die Möglichkeit, umstrittene Treffer gegen Deutschland überprüfen zu lassen, blieb sowohl bei Olympia als auch bei der WM ungenutzt.
Nach dem WM-Silber 2023 ging es bergab
Kreis hatte 2023 in seinem ersten Jahr als Bundestrainer direkt das WM-Finale erreicht, das Deutschland mit 2:5 gegen Kanada verlor. Schon 2010 war er als Assistent von Uwe Krupp am Halbfinaleinzug der Nationalmannschaft beteiligt gewesen. Nach der Vize-Weltmeisterschaft von 2023 folgte jedoch ein sportlicher Rückschritt. Zuletzt hatte es zudem wieder vermehrt Absagen für die Nationalmannschaft gegeben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion