Thomas Tuchel hat sich mit Englands Nationalmannschaft bei der Fußball-WM zumindest mit einem Erfolg verabschiedet. Im Spiel um Platz drei setzten sich die Three Lions unter Leitung des deutschen Coaches in einer wilden Partie mit 6:4 (4:0) gegen Frankreich durch. Für Didier Deschamps endete damit auch seine Zeit als französischer Nationaltrainer ohne versöhnlichen Abschluss.
Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Endspiel: Spanien trifft heute Abend in East Rutherford bei New York auf Argentinien (21.00 Uhr MESZ, ZDF und MagentaTV).
Zehn Tore im kleinen Finale
England und Frankreich lieferten sich vor 64.478 Zuschauern in Miami ein echtes Offensivspektakel. Bereits früh sorgten Declan Rice (3.), Ezri Konsa (18.) sowie Bukayo Saka mit zwei Treffern (37./45.+1) für eine scheinbar komfortable 4:0-Führung der Engländer zur Pause.
Frankreich meldete sich danach aber eindrucksvoll zurück. Kylian Mbappé traf doppelt (48./66.), dazwischen war auch Bradley Barcola erfolgreich (54.) – plötzlich stand es nur noch 4:3. Saka erhöhte in der 87. Minute per Strafstoß auf 5:3. Als Ousmane Dembélé in der Nachspielzeit noch einmal verkürzte (90.+6), wurde es kurzzeitig wieder spannend. Jude Bellingham stellte mit dem 6:4 in der 90.+8 Minute schließlich den Endstand her.
Mbappé zieht an Messi vorbei
Für Mbappé war die starke persönliche Bilanz nur ein kleiner Trost. Durch seine beiden Tore überholte der französische Angreifer Lionel Messi in der ewigen WM-Torjägerliste. Mit nun 22 Treffern bei Weltmeisterschaften liegt er einen Treffer vor dem Argentinier, der im Finale allerdings wieder gleichziehen oder vorbeiziehen kann.

Mbappé sagte nach der Partie, er würde den Rekord lieber eintauschen, wenn er dafür im Finale stehen könnte. Mit seinen Turniertoren neun und zehn setzte sich der Real-Madrid-Stürmer zudem allein an die Spitze der aktuellen Torschützenliste vor Messi, der bei acht Treffern steht.
Tuchel verschafft sich Luft
Mit dem Erfolg gegen Frankreich konnte Thomas Tuchel die Diskussionen um seine Person zunächst beruhigen. Nach dem verlorenen Halbfinale gegen Argentinien war der 51-Jährige scharf kritisiert worden. Nun erhielt er Rückendeckung – sowohl von Experten als auch von seinen Spielern.
BBC-Experte und Ex-Nationalspieler Martin Keown meinte, es wäre verschwendete Zeit, wenn England nicht an Tuchel festhalten würde. Auch innerhalb der Mannschaft gab es nach dem Bronze-Erfolg Unterstützung für den früheren Bundesliga-Trainer.
Argentinische Fans feiern am Times Square
Schon am Samstagabend Ortszeit brachten sich zahlreiche argentinische Anhänger in New York für das Finale in Stimmung. Am Times Square waren viele hellblau-weiße Fahnen, Fantrikots und selbst gebastelte Pokale zu sehen. Besonders häufig trugen Fans die Namen von Lionel Messi oder Diego Maradona auf dem Rücken.
Argentinien trifft im Endspiel auf Europameister Spanien. Der Titelverteidiger aus Südamerika wurde schon während des gesamten Turniers in den USA, Kanada und Mexiko lautstark von seinen Fans unterstützt.
Unwetter verhindert Infantinos Reise
Heftige Gewitter und starker Regen in New York beeinflussten auch die Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Der Verbandschef konnte nicht nach Miami zum Spiel um Platz drei reisen.
Nach eigenen Angaben ließen die Wetterbedingungen den Flug nicht zu. Stattdessen besuchte der 56-Jährige das Stadion des Endspiels in East Rutherford. Wegen der Unwetter wurden auch in Richtung New York zahlreiche Flüge gestrichen. In sozialen Netzwerken berichteten mehrere Fans deshalb von Sorgen, das WM-Finale möglicherweise zu verpassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber