Rodri hielt den goldenen WM-Pokal bei der Landung in Madrid behutsam wie ein Baby in den Armen. Kaum hatten der Kapitän und seine Teamkollegen wieder spanischen Boden betreten, ging der Feier-Marathon weiter: kurzes Gruppenfoto vor dem Flugzeug, dann direkt in den Bus.
Viel Zeit, den emotionalen Finalsieg gegen Argentinien in Ruhe zu verarbeiten, blieb den müden, aber überglücklichen Weltmeistern nicht. Nach der Rückkehr wartete in der Hauptstadt bereits das nächste Programm.
Cucurella: „Wir haben uns eine gute Feier verdient“
Am frühen Abend wurden die Weltmeister von König Felipe VI. empfangen, der den Triumph in East Rutherford bei New York selbst im Stadion verfolgt hatte. Für den festlichen Termin tauschten die Spieler ihre Trainingskleidung gegen Anzüge. Anschließend wollte auch Ministerpräsident Pedro Sánchez das Team begrüßen, bevor die große Fahrt im offenen Bus durch Madrid beginnen sollte – begleitet von Hunderttausenden Fans entlang der Straßen und am Cibeles-Platz.
„Wir freuen uns wirklich sehr, nach Spanien zu kommen. Viele Leute konnten hier nicht dabei sein und wir wollen mit allen feiern“, hatte Linksverteidiger Marc Cucurella noch vor dem Abflug gesagt. „Ich denke, wir haben uns eine gute Feier verdient.“
Zweiter WM-Titel nach 2010
Spanien sicherte sich mit dem 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien zum zweiten Mal nach 2010 den Weltmeistertitel. Den entscheidenden Treffer erzielte der eingewechselte Ferran Torres in der 106. Minute. Für Lionel Messi platzte damit der Traum von der erfolgreichen Titelverteidigung mit Argentinien.
Die Mannschaft von Luis de la Fuente prägte das Endspiel über weite Strecken und belohnte sich nach dem EM-Triumph nun auch mit dem WM-Sieg. Der 65-Jährige ist damit der älteste Trainer der WM-Geschichte, der den Titel gewann.
Entscheidung erst in der Verlängerung
Vor 80.663 Zuschauern fiel die Entscheidung erst tief in der Verlängerung. Torres traf zu Beginn der zweiten Hälfte der Extra-Zeit per Direktabnahme mit links und wurde zum Matchwinner. „Ich denke, dass wir durch dieses Tor endlich erlöst wurden. Wir alle haben es versucht“, sagte der Offensivspieler des FC Barcelona. „Gegen Messi bist du immer nervös, aber wir haben immer an uns geglaubt.“
Argentinien spielte da bereits in Unterzahl. Enzo Fernández sah in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit Gelb-Rot – erst wegen Reklamierens, dann nach einem Foul. Trotz Überzahl und klarer Überlegenheit brauchte Spanien bis zur 106. Minute. Torres’ Treffer war bereits der 20. spanische Abschluss, während Argentinien bis dahin keinen einzigen Schuss auf das Tor von Unai Simón gebracht hatte. Messi blieb über weite Strecken auffallend blass.
Feier von New York bis Madrid
Direkt nach dem Schlusspfiff begann für die Spanier die große Titelparty. Lamine Yamal tobte auf dem Rasen mit seinem drei Jahre alten Bruder Keyne und posierte später mit Tennisstar Carlos Alcaraz für ein Erinnerungsfoto.
In der Kabine wurde bei lauter Musik und riesigen Champagnerflaschen ausgelassen gefeiert, später ging die Party vor den Toren New Yorks weiter. „Wir haben einfach gefeiert – so, wie es ein Weltmeister macht“, sagte Dani Olmo.
Spanien als „Retter des Fußballs“ gefeiert
Getrübt wurde die spanische Freude allerdings vom Verhalten des unterlegenen Titelverteidigers. Die Argentinier präsentierten sich als schlechte Verlierer, wüteten, wurden teils handgreiflich und drehten den Siegern bei der Pokal-Zeremonie demonstrativ den Rücken zu.
In Spanien und darüber hinaus wurde der neue Weltmeister anschließend nicht nur für den Titel, sondern auch für die Art des Erfolgs gefeiert. Die Sportzeitung Marca schrieb: „Spanien hat nicht nur ein Finale gewonnen. Es hat den Fußball gerettet.“ Der britische Telegraph formulierte: „Fußball 1, Verbrecher 0.“ Ex-DFB-Kapitän Toni Kroos meldete sich bei X mit den Worten: „Der Fußball hat gewonnen.“
Trump übergibt den Pokal, Empire State Building leuchtet in Rot und Gelb
Bei der Siegerehrung nahm Kapitän Rodri die goldene Trophäe aus den Händen von US-Präsident Donald Trump entgegen. Wie schon nach dem Club-WM-Finale im Vorjahr wollte Trump die Bühne für die ersten Siegerfotos zunächst nicht verlassen und wurde erst nach einigen Sekunden von FIFA-Präsident Gianni Infantino sanft zur Seite begleitet. Für die Spanier blieb das aber nur eine Randnotiz.
Auch in den USA selbst war der Triumph sichtbar: Das Empire State Building leuchtete zu Ehren der neuen Weltmeister in Rot und Gelb.
Historischer Erfolg für Spaniens Fußball
Spanien ist erst zum zweiten Mal Weltmeister geworden. Weil bereits die spanischen Frauen 2023 den WM-Titel gewonnen hatten, ist Spanien nun das erste Land, das beide Weltmeistertitel gleichzeitig hält.
Damit hat Spaniens Fußball nun auch offiziell eine zweite goldene Generation. Die Weltmeister von 2010 um Andrés Iniesta, Sergio Ramos und Iker Casillas stehen nicht mehr allein. Iniesta hatte damals beim 1:0 gegen die Niederlande ebenfalls in der Verlängerung getroffen. Nun ließ die neue Auswahl um Rodri, Yamal, Cucurella und Co. auf den EM-Triumph auch den WM-Sieg folgen. Mundo Deportivo schrieb von einem Spiel, das die Geschichte eines Landes und einer Generation für immer verändern werde.
38 Spiele ungeschlagen, kaum Gegentore im Turnier
Der Titelgewinn war die Krönung einer beeindruckenden Serie. Spanien ist nun seit 38 Länderspielen ungeschlagen. Beim XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada kassierte das Team in acht Partien nur ein einziges Gegentor – beim 2:1 im Viertelfinale gegen Belgien.
Torhüter Unai Simón stellte dabei einen Rekord auf: 649 Minuten blieb er ohne Gegentor. „Diese Spielweise, dieses Niveau und diese Konzentration über acht Spiele hinweg aufrechtzuerhalten – das hat uns den Titel gebracht“, sagte der Keeper von Athletic Bilbao. Mit Blick auf die Zukunft ergänzte er: „Wir mussten 16 Jahre auf diesen Moment warten. Ich hoffe, dass wir diesmal nur vier Jahre auf den nächsten Stern warten müssen.“
Bemerkenswert: Schon 2010 hatte Spanien auf dem Weg zum Titel nur zwei Gegentreffer zugelassen. Die neue Mannschaft knüpfte damit an die großen Jahre der alten Weltmeister an.
Rodri, Simón und Cubarsí ausgezeichnet
Auch bei den persönlichen Ehrungen räumte Spanien ab. Kapitän Rodri wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt. Unai Simón erhielt die Auszeichnung als bester Torwart. Den Preis für den besten Nachwuchsspieler bekam Verteidiger Pau Cubarsí – und nicht etwa Yamal.
Der größte Star im spanischen Team spielte insgesamt eine eher unauffällige WM und erzielte nur ein Tor. Dennoch bekam Yamal ein ausdrückliches Sonderlob von de la Fuente, weil er sich ganz in den Dienst der Mannschaft gestellt habe. „Ich bin ihm ernsthaft dankbar, er hat sich für das Kollektiv geopfert“, sagte der Nationaltrainer. „Das ist sehr wichtig in unserem Team. Er hat eine großartige WM gespielt.“
Cucurella plant Trainer-Tattoo
Cucurella kündigte nach dem Titelgewinn an, sich nun wie versprochen ein Tattoo mit dem Gesicht von Trainer de la Fuente stechen zu lassen. „Ich werde darüber nachdenken und es dann hinter mich bringen“, sagte der Abwehrspieler.
Für Spanien endete damit ein Turnier, das sportlich wie symbolisch historische Bedeutung hat: Weltmeister, Europameister und Träger beider WM-Titel im Männer- und Frauenfußball zugleich – gefeiert von einem Land, das seine neue goldene Generation nun in Madrid empfängt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber