Fußball

Robbie-Liebe, DFB-Ziele: Was Klopp wirklich plant

Klopp haut nach dem WM-Finale mit Robbie Williams einen raus – doch beim DFB wartet auf ihn eine heikle Mission.

20.07.2026, 05:34 Uhr

Klopp kehrt mit viel Aufmerksamkeit nach Deutschland zurück

Mit einer öffentlichen Liebeserklärung von Robbie Williams im Gepäck reist Jürgen Klopp nach seinem WM-Einsatz als TV-Experte zurück nach Deutschland – offiziell aber noch nicht als Bundestrainer. Zwar gilt der Vertrag mit dem DFB als nahezu unterschriftsreif, doch letzte Details müssen noch geklärt werden.

Für Gesprächsstoff sorgte Klopp rund um das WM-Finale nicht nur mit seinem lockeren Spruch über Popstar Williams. Als der Sänger bei MagentaTV in die Expertenrunde kam, grinste Klopp: „Als ich ihn das letzte Mal getroffen habe, trug er nur Unterwäsche.“ Vor allem Thomas Müller und Mats Hummels hatten daran sichtbar Spaß. Weitere Details verriet Klopp nicht.

Robbie Williams schwärmt von Klopp

Williams nutzte seinen Auftritt stattdessen für ein deutliches Kompliment an den künftigen DFB-Coach. In England, sagte er, werde Klopp regelrecht verehrt. Seit seiner Zeit beim FC Liverpool genieße er dort enorme Anerkennung. „Wir lieben ihn“, machte der Sänger deutlich. Den Unterwäsche-Spruch hatte Williams offenbar gar nicht mitbekommen.

Klopp dämpft die Erwartungen an die Nationalelf

Inhaltlich waren Klopps letzte TV-Aussagen aber deutlich brisanter als der Witz mit Williams. Der 59-Jährige bereitete die nach dem WM-Aus schwer enttäuschten deutschen Fans auf eine längere Aufbauphase vor. Eine große Titelansage, wie sie nach der Heim-EM von Julian Nagelsmann zu hören war, ist von Klopp vorerst nicht zu erwarten.

Stattdessen setzt er auf realistische Zielvorgaben. Man müsse Erwartungshaltungen schaffen, die erfüllbar seien und im besten Fall sogar übertroffen werden könnten, erklärte Klopp bei MagentaTV. Damit machte er unmissverständlich klar: Deutschland sieht er derzeit nicht mehr automatisch in der Rolle eines Titelkandidaten.

Kritik an DFB-Leaks und an der Debatte nach dem WM-Aus

Klopp beließ es nicht bei vorsichtigen Erwartungen. Er kritisierte auch, dass in den vergangenen Tagen bereits viele Einzelheiten zu seinem möglichen DFB-Engagement nach außen gedrungen seien. Bei einem Verband müssten viele Personen eingebunden werden, sagte er – und deutete damit an, dass die Indiskretionen aus dem großen DFB-Kreis selbst gekommen seien.

Auch mit der öffentlichen Aufarbeitung des deutschen WM-Debakels ging Klopp hart ins Gericht. Ihm missfällt, dass aus seiner Sicht zu viele Menschen vorschnell fertige Diagnosen liefern. Es würden vor allem Schlagzeilen produziert, ohne den eigentlichen Kern zu treffen, ließ er durchblicken.

Spanien ist für Klopp die neue Messlatte

Diesen Kern sieht Klopp vor allem im sportlichen Abstand zur Weltspitze. Für ihn hat Weltmeister Spanien gezeigt, wie weit Deutschland momentan von der absoluten Elite entfernt ist. Die Spanier seien derzeit die Benchmark im Weltfußball.

Zugleich mahnte Klopp zu Geduld. Er erinnerte daran, dass auch Spanien lange gebraucht habe, um auf dieses Niveau zu kommen. Der Weg zurück nach ganz oben sei deshalb kein kurzfristiges Projekt, sondern ein Prozess über Jahre.

DFB-Bestätigung offenbar nur noch Formsache

Eine offizielle Bestätigung der Verpflichtung steht zwar weiterhin aus, doch der weitere Ablauf scheint weitgehend vorbereitet. Nach aktuellem Stand könnte Klopp am Freitag in Frankfurt vorgestellt werden.

Zuvor müssen allerdings noch die zuständigen DFB-Gremien zustimmen. Neben dem Aufsichtsrat ist auch die Gesellschafterversammlung einzubinden. DFB-Präsident Bernd Neuendorf dürfte dafür zeitnah eine digitale Sitzung ansetzen.

Red-Bull-Thema wohl gelöst

Dass seine bisherige Rolle bei Red Bull ein Hindernis werden könnte, scheint sich erledigt zu haben. Klopp erklärte selbst, er habe mit Red Bull eine Regelung gefunden, die er als sehr großzügig bezeichnete. Nach einem Gespräch mit Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sei das Thema geklärt. Welche Kompensation der DFB dafür zahlen muss, ist bislang nicht bekannt.

Beschlossen scheint außerdem eine langfristige Zusammenarbeit: Nach jetzigem Stand soll Klopp beim DFB einen Vertrag bis zur WM 2030 erhalten.

Mertesacker als weitere wichtige Personalie

Im Schatten der Klopp-Personalie bahnt sich beim DFB noch eine weitere bedeutende Entscheidung an. Per Mertesacker gilt als aussichtsreicher Kandidat auf den ab Jahresende freien Posten des DFB-Geschäftsführers und damit als möglicher Nachfolger von Andreas Rettig.

Mertesacker bestätigte rund um das WM-Finale, dass der Kontakt zum DFB nie ganz abgerissen sei und zuletzt neue Dynamik aufgenommen habe. Zu verkünden gebe es aber noch nichts. Sollte er den Job übernehmen, wäre er formal sogar Vorgesetzter des Bundestrainers.

Erste Bewährungsprobe schon im September

Viel Zeit bleibt Klopp nach einer möglichen Vorstellung nicht. Er selbst zeigte sich überrascht, wie nah das erste Länderspiel bereits ist. Rund „60 Tage“ seien es noch, sagte er – tatsächlich sind es 66.

Am 24. September trifft Deutschland in Amsterdam auf die Niederlande. Danach folgen in der Nations League innerhalb kurzer Zeit weitere Partien gegen Serbien sowie zweimal gegen Griechenland. Auch im Oktober wird sein Start sofort intensiv bewertet werden.

Klopp will die DFB-Elf aus dem Verlierergefühl führen

Für den Neubeginn setzt Klopp nicht nur auf Geduld, sondern auch auf einen mentalen Ansatz. Die Spieler müssten sich auf dem Platz wieder frei fühlen und die Chance bekommen, über sich hinauszuwachsen. Entscheidend sei, dass nicht ständig das Gefühl mitschwinge, man sei nicht gut genug und könne es ohnehin niemandem recht machen.

Mit dem dramatischen Finalverlust von Lionel Messis Argentinien endete zugleich Klopps Arbeit als TV-Experte bei MagentaTV. Spanien erklärte er nach dem Endspiel endgültig zum Maßstab im Weltfußball – und damit auch zur Richtung, an der sich Deutschland künftig orientieren muss.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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