Städte haben ein Ende – ähnlich wie Menschen. Irgendwann verfallen auch sie. Heute locken die Überreste untergegangener Orte der Antike, etwa Pompeji in Italien oder Korinth auf dem Peloponnes, jedes Jahr Millionen Besucher an. In der Antike selbst war der Blick auf solche Ruinen jedoch ein anderer, schreibt der Münchner Althistoriker Martin Zimmermann in seinem neuen Buch Versunkene Welten.
Nach Darstellung des Forschers fehlte den Menschen damals eine besondere Ehrfurcht vor alten Trümmerstätten. Statt sie zu bewahren, nutzten sie Ruinen oft ganz praktisch: Kunstwerke wurden geraubt, Steine und Baumaterial für neue Häuser wiederverwendet. So sei etwa Persepolis, einst Hauptstadt des Perserreiches, nach seiner Zerstörung durch Alexander den Großen geplündert worden, um wenige Kilometer entfernt neue Siedlungen zu errichten. Ein moderner Gedanke wie Denkmalschutz spielte damals keine Rolle.
Selbst berühmte Orte aus Mythos und Geschichte verfielen
In seinem mehr als 500 Seiten starken Werk beschreibt Zimmermann die Rolle bedeutender Städte in Griechenland, im Römischen Reich, in Ägypten und in Mesopotamien.
Auch Troja, bekannt aus den Epen Homers und bis heute in seiner historischen Wirklichkeit umstritten, galt schon in der Antike vor allem als Symbol für die Vergänglichkeit von Städten und Reichen. Zugleich stand es für die Vorstellung, dass Dichtung länger überdauert als jedes Bauwerk.
Pompeji, das beim Ausbruch des Vesuvs zerstört wurde, verlor für die Zeitgenossen ebenfalls rasch an Bedeutung und verschwand für Jahrhunderte unter einer dicken Ascheschicht. Im Gedächtnis blieb der Ort vor allem durch schriftliche Zeugnisse, etwa von Plinius dem Jüngeren. Korinth wiederum lebte nach seiner Zerstörung durch die Römer vor allem durch den Mythos um Medea weiter. Literarische Erinnerung, so zeigt sich, braucht nicht zwingend sichtbare Ruinen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion