Fußball

Völler vor DFB-Entscheidung: Das spricht dafür und dagegen

Alle feiern Rudi Völler – doch nach dem DFB-Debakel steht plötzlich eine heikle Frage im Raum: Muss er jetzt gehen?

04.07.2026, 06:02 Uhr

Mit erhobenem Daumen verließ Rudi Völler nach dem Krisentreffen die DFB-Zentrale in Frankfurt. Das Foto steht inzwischen sinnbildlich für seine Lage nach dem enttäuschenden WM-Aus der Nationalmannschaft: Nach außen wirkt alles gelassen, doch die zentrale Frage bleibt offen: Wie geht es für den DFB-Sportdirektor weiter?

Julian Nagelsmann ist als Bundestrainer nicht mehr im Amt, Geschäftsführer Andreas Rettig wird seinen Vertrag zum Jahresende auslaufen lassen. Damit rückt auch Völler in den Fokus. Der 66-Jährige gehört zur sportlichen Führung, die das Scheitern mit zu verantworten hat. Muss der DFB also auch auf dieser Position neu ansetzen – oder ist Völler weiterhin wichtig, gerade falls Wunschkandidat Jürgen Klopp tatsächlich übernimmt?

Was für Völler spricht

Wer jetzt sofort seinen Abschied verlangt, blendet die Stärken des früheren Nationalstürmers aus. Völler hat dem Verband und dem deutschen Fußball über viele Jahre in unterschiedlichen Rollen wichtige Dienste geleistet.

Zwar hat er Nagelsmann stets demonstrativ den Rücken gestärkt und dessen Entscheidungen mitgetragen – auch die umstrittenen. Dennoch richtet sich der Blick nun nach vorn. Und dort stellt sich die Frage, welchen Beitrag Völler noch leisten kann. Die Antwort vieler Befürworter lautet: einen erheblichen.

Gemeinsam mit DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke soll Völler den direkten Draht zu Klopp genutzt haben. Sein Netzwerk gilt als außergewöhnlich, sein Ansehen im Fußball als hoch. Kaum jemand im deutschen Fußball dürfte ihm offen ablehnend gegenüberstehen.

Rudi Völler
Bei Fans und Funktionären genießt Völler ein hohes Ansehen. (Archivbild) Quelle: Nick Potts/PA Wire/dpa

Hinzu kommt sein Rückhalt innerhalb des Verbandes. Völler ist bei vielen Funktionären beliebt, genießt Vertrauen und kann vermitteln. Gerade in einer Phase, in der der DFB nicht nur sportliche Reformen, sondern auch strukturelle Fragen, Machtverhältnisse und finanzielle Themen klären muss, könnte diese Rolle wertvoll sein.

Auch eine Zusammenarbeit mit Klopp erscheint aus Sicht der Befürworter nicht ausgeschlossen. Zwei erfahrene Fußballfachleute aus einer ähnlichen Generation könnten sich pragmatisch arrangieren. Und sollte das nicht funktionieren, wäre das Engagement ohnehin zeitlich begrenzt, da Völlers Vertrag in zwei Jahren endet.

Was gegen Völler spricht

Auf der anderen Seite gibt es deutliche Zweifel, ob Völler noch der richtige Mann für den angekündigten Neuanfang ist. Wenn der DFB wirklich einen klaren Schnitt machen will, erscheint es widersprüchlich, ausgerechnet einen der prägenden Köpfe der gescheiterten Vergangenheit in zentraler Verantwortung zu belassen.

Völler steht wie kaum ein anderer für das System Nagelsmann, das bei der WM krachend gescheitert ist. Die enge, öffentlich demonstrierte Verbundenheit zwischen beiden wurde zwar als menschlich positiv wahrgenommen, wirkte aber aus Sicht der Kritiker zu emotional. Entscheidungen seien kaum hinterfragt, sondern weitgehend mitgetragen worden.

An Völlers Verdiensten für den deutschen Fußball ändert das nichts. Sein Status ist unbestritten, sein Ruf bleibt. Doch für viele ist nun der Zeitpunkt gekommen, jüngeren Kräften Raum zu geben. Sollte Klopp tatsächlich Bundestrainer werden, wirkt ein Führungsduo mit Völler und Klopp für manche kaum wie ein Signal des Aufbruchs.

Wer echte Veränderung will, fordert neue Ideen, frische Perspektiven und mehr internationalen Einfluss. Gerade im Vergleich mit den großen Fußballnationen müsse Deutschland moderner denken. Namen wie Per Mertesacker werden deshalb immer wieder genannt. Der 41-Jährige bringt durch seine Arbeit in der Nachwuchsstruktur des FC Arsenal internationale Erfahrung mit. Aus Sicht der Kritiker stellt sich ohnehin die Frage, wie die Weltmeister von 2014 Verantwortung übernehmen sollen, wenn man ihnen keine Chance gibt.

Unterm Strich steht der DFB vor einer Richtungsentscheidung: Setzt er auf Erfahrung, Netzwerke und interne Stabilität – oder auf einen konsequenten Neuanfang mit neuen Gesichtern?

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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